Dass hohe Konzentrationen von LDL-Cholesterin im Blut das Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen erhöhen und dass spezielle Immunzellen, die Makrophagen eine wichtige Rolle dabei spielen, ist seit längerem bekannt, doch der genaue Zusammenhang ist noch immer unklar.
„Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein hoher Cholesterinspiegel nur einer von mehreren Faktor ist, die ein komplexes Netzwerk innerhalb der Makrophagen beeinflussen, und sich letztlich auf die Entstehung von Arteriosklerose auswirken. Medikamente, die den Cholesterinspiegel im Blut senken, können daher vermutlich nur zum Teil das Risiko von Arteriosklerose und damit einer Herz- und Gefäßerkrankung senken“, erklärt Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender des Bundesverbandes Niedergelassener Kardiologen (BNK). Er bezieht sich dabei auf eine Studie von Forschern um Jay Heinecke von der University of Washington in Seattle, USA. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.
Makrophagen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Ihre Aufgabe ist es, Krankheitserreger zu fressen und abgestorbene Körperzellen zu beseitigen. Sie nehmen jedoch zum Beispiel auch LDL-Cholesterin auf. Werden sie dabei mit Cholesterin überladen, bilden sich in ihrem Zellinneren Fetttröpfchen und sie erscheinen unter dem Mikroskop als so genannte schaumige Zellen. Die Folge davon ist, dass diese Makrophagen an den Gefäßwänden kleben bleiben und arteriosklerotische Plaques bilden. „Die USamerikanischen Wissenschaftler haben in ihren Studien mit Mäusen herausgefunden, dass ein komplexes Netzwerk von Signalmolekülen daran beteiligt ist, wenn die Makrophagen sich in schaumige Zellen verwandeln. Ein hoher Cholesteringehalt im Blut ist dabei nur eine Einflussgröße“, berichtet Dr. Smetak. „So konnten die Forscher ein Signalmolekül identifizieren, APOE genannt, bei dessen Fehlen die Makrophagen schaumig wurden, ohne dass besonders viel Cholesterin im Blut war.“
Die Ergebnisse legen nahe, dass jeder Einflussfaktor, der das Signalnetzwerk in den Makrophagen stört, Arteriosklerose und damit Herz- und Gefäßkrankheiten begünstigt. „Am wichtigsten wäre es demnach, die Funktion dieses Netzwerks aufrechtzuerhalten und nicht nur einzelne Einflussgrößen wie den Cholesterinspiegel isoliert zu betrachten und zu behandeln. So können bestimmte Ernährungsgewohnheiten, wie fett- und zuckerreiche Nahrung sowie genetische Veranlagung vermutlich das Netzwerk stören. Damit Patienten mit Herzerkrankungen optimal behandeln werden können, sollten sie daher dem Arzt möglichst genaue Angaben zu Lebensweise, Ernährungsgewohnheiten sowie Herzerkrankungen in der Familie machen“, rät der BNK-Vorsitzende.
Weitere Informationen zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen finden Sie auf dem Patienteninformationsportal des BNK www.kardiologen-im-netz.de.
















