In seinen Reiseländer veranstaltet Babaldar-Reisen ausser Kultur-, Studien- und Abenteuerreisen auch SPEZIALREISEN zu verschiedenen Themen wie Architektur in Marokko. Lassen Sie sich von den durch Babaldar-Reisen mit Extras verfeinerten Reisevorschlägen inspirieren. Gestalten Sie Ihre ganz persönliche Fachreise. Babaldar-Reisen erwartet Ihre Anfrage per Email.
1. Tag
Ankunft gegen Mittag am Flughafen in Casablanca, Zollformalitäten und Empfang durch den örtlichen, deutschsprechenden Reiseleiter und Busfahrt zur Besichtigung der modernen und wichtigsten Hafenstadt des Landes mit dem Platz des Ligue Arabe, der Kirche Notre Dame, der Habous-Viertel und der Mahkama. An der Corniche vorbei gelangen wir zu der großen Moschee Hassan II., welche wir von Innen besichtigen.
Die Hassan II. – Moschee, ein gewaltiges, von dem in Marokko lebenden französischen Architekten Michel Pinseau entworfenes, nach siebenjähriger Bauzeit im Jahre 1993 eingeweihte und in Marokko nicht unumstrittenes Bauwerk. Mit ihrem Bauvolumen (Länge 200m, Breite 100m, Höhe 60m) und dem 200m hohen Minarett ist die Moschee Hassan II. eines der größten religiösen Einzelbauwerke der Erde – ostasiatische Tempelkomplexe oder die riesigen Hofflächen der Moscheen von Mekka, Medina und Samarra sollen hier unbeachtet bleiben.
Der wie Allahs “Thron auf dem Wasser” (Sure 11,8) stehende Bau markiert die westliche Grenze des Islam und den Übergang von der Endlichkeit des Landes zur Unendlichkeit des Meeres, das zu allen Zeiten und für die Menschen aller Kulturen ein Sinnbild für die Grenzenlosigkeit der göttlichen Schöpfungsmacht war. Gleichzeitig wirkt der Bau, vor allem bei Sturm, wie ein Wellenbrecher Allahs gegen die Naturgewalten oder, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet wie ein Bollwerk Hassan II. gegen den Fundamentalismus, denn mit diesem Bau stellt sich Hassan II. in eine Reihe mit den Kalifen und Herrschern früherer Zeiten und wird seinem Anspruch als Amir al Mouminin “Führer der Gläubigen” gerecht.
Der Außenbau beeindruckt in erster Linie durch seine Lage und seine gewaltigen Dimensionen. Aus der Ferne erscheint der Baukörper einfach nur hell, ja sogar fast ein wenig schwerelos und bis auf das grüne, verschiebbare Dach des Moscheeraums und den oberen Teil des Minaretts schmucklos Beim Herantreten erst bemerkt man die ornamentale Vielfalt, Kachelmosaike und Steinmetzearbeiten schmücken die Wände Die riesigen Eingangstüren sind mit sternförmigen Metallbeschlägen versehen. Damit unterscheidet sich der Bau von den meisten anderen Moscheen Marokkos, die, mit Ausnahme der Koutoubia von Marrakech, von außen kaum wahr- nehmbar sind, da sie mitten im Gewirr der Gassen liegen und an der Fassade, mit Ausnahme des Minaretts, keinerlei ornamentalen Schmuck besitzen.
Der französische Architekt verlässt mit seiner Planung erstmals das in Marokko seit Jahrhunderten ausschließlich verwendete Schema der Pfeilermoschee; die Schiffe werden verbreitert und erhöht, der gesamte Raum weitet sich und strahlt mit seinen traditionellen Ornamentformen (Vielpass- und Lambrequinbögen, Muqarnas-Kapitelle, usw.), welche im Licht der meist auch tagsüber brennenden künstlichen Beleuchtung einen ungeheuren Glanz aus. Damit die Männer beim Gebet nicht abgelenkt werden, gibt es für die Frauen, wie in den jüdischen Synagogen, eine separate, nicht einsehbare Empore.
In den Bau integriert sind ein riesiges Parkhaus, eine Medressa und ein Hammam für die vom Koran unter bestimmten Umständen vorgeschriebene “Grosse Waschung”. Weiterfahrt nach Rabat, Abendessen und Übernachtung.
2. Tag
Nach dem Frühstück geht es heute zur Besichtigung von Rabat der heutigen Hauptstadt des Landes. Ganztagesprogramm mit Besichtigung des Königspalastes (von außen), weiter besuchen wir der von den Meriniden mit einer gewaltigen Mauer aus Lehmguss umgeben Chellah, das römische Sala, etwa 300 m südöstlich außerhalb der almohadischen Stadtmauern gelegen.
Allein schon das gewaltige Eingangsportal verdient Beachtung. Im Gegensatz zu den seitlich anschließenden Umfassungsmauern der Meriniden-Nekropole, die in Berbermanier mit Hilfe von Bretterverschalungen gegossen wurden, ist das Portal mit seinen beiden äußerst massiv wirkenden oktogonalen Flankentürmen, die im oberen Bereich mittels Eckunterstützungen in eine quadratische Plattform übergehen, aus Haustein errichtet. Der in traditioneller Manier seitlich versetzte Durchgang ist mit Kreuzgratgewölben aus Ziegelstein überdeckt. Steinerne Gewölbe gibt es im Maghreb nur bei Wehrbauten, die allerdings gleichzeitig meist auch Repräsentationszwecken dienen, und in Bädern (Hammams). Die Portalzone zeigt im Anschluss an den innern undekorierten und leicht zugespitzten Hufeisenbogen das bereits bekannte Ornament sich mehrfach überschneidender Blendbögen, die hier jedoch drei an der Zahl sind, so dass es kaum noch möglich ist, der komplizierten Linienführung zu folgen. Ein weiteres Band mit Lambrequinbögen schließt sich an. Die oberen seitlichen Zwickel enthalten Rankenwerk und die obligatorischen Muscheln. Wie die ganze Portalzone, so bietet auch der obere Abschluss mit seitlichen Konsolen, die auf kleinen Säulchen ruhen, nichts wesentlich Neues gegenüber der Portalgestaltung unter den Almohaden. Lediglich die polygonale Brechung der Türme findet sich in merinidischer Zeit häufiger als unter ihren Vorgängern, wie es die Tore Bab Segma und Bab Echchorfa in Fes beweisen.
Durch die Avevue Moulay Hassan gelangen wir zum Bab Er Rouah, dem Tor des Windes, einem gewaltigen Steinbauwerk im Gefüge der ansonsten in Lehmgusstechnik errichteten Almohaden-Mauer aus dem 12. Jahrhundert, das in seinem inneren Aufbau, bestehend aus mehreren quadratischen Räumen mit Kuppelgewölben, die einen verwinkelten Durchgang bilden, nicht aber mit seiner eher zurückhaltend gestalteten Schaufassade das Eingangsportal zur Kasbah des Oudaias übertrifft. In seinen neu gestalteten Räumen beherbergt der Torbau heute eine staatliche Galerie mit Wechselausstellungen zeitgenössischer marokkanischer Künstler. Ein gelungener Kontrast.
Man folgt dem Verlauf der mit Zinnen versehenen Stadtmauer, an deren Außenseite sich eine gepflegte Parkanlage mit einigen Sitzbänken entlang zieht, bis zum Bab el Had. Über die Avenue Hassan II. führt der Weg entlang der im 17. Jh. aus Bruch- und Ziegelsteinmauerwerk mit einigen hübschen Portalen aus dem 18. Jh., die als Eingänge zu unmittelbar angrenzenden Moscheen dienen, bis in die Nähe des Flusses, wo die Mauer in einer runden Eckbastion mit geböschtem Sockelbereich, die ganz eindeutig auf europäische Einflüsse verweist, endet.
Nach wenigen Minuten Busfahrt erreichen wir den Komplex der unvollendeten Alten Grossen Moschee, deren weithin sichtbares Zeichen, das aus rötlichem Sandstein errichtetes Minarett ist, der nach dem Enkel des Propheten und 5. Kalifen benannte Hassan-Turm. Gegen Ende des 12. Jh, erbaut, ist der unvollendete Turm nur wenige Jahre jünger als das Minarett der Koutoubia in Marrakech oder die Giralda von Sevilla in Spanien. Im Innern führt, wie auch in den anderen großen almohadischen Minaretten, eine breite Rampe, die es dem Muezzin ermöglichte, die geplante Terrasse bequem zu Pferd erreichen, nach oben. Wie bei der Giralda von Sevilla, so ist auch hier in der ornamentalen Gliederung ein Bemühen um Gleichmäßigkeit und Harmonie festzustellen, Kleine Fensteröffnungen durchbrechen in unterschiedlicher Höhe das auf allen vier Seiten in gleicher Höhe angebrachte und weitgehend gleich gestaltete Dekor. Ein Schema, das beim Minarett der Koutoubia von Marrakech, deren variierende Dekorfelder sich um die unterschiedlich hoch angebrachten Fenster gruppieren, nur im oberen Bereich erkennbar ist.
Rechts des Hassan-Turms, wie auch entlang der Südwest- seite der Moschee, sind noch Reste der in Stampflehmtechnik errichteten Außenwände der Moschee erhalten, die mit ihren Massen von 183m x 139m sogar noch die von Cordoba (179m x 130m) übertreffen sollte. Die Dimensionierung dieser und anderer Moscheebauten verdeutlichen den politischen und religiösen Großmacht- anspruch der Almohaden-Herrscher gegen Ende des 12. Jh., die sich vor keiner anderen Macht der Welt, sei es im islamischen oder im christlichen Bereich, verstecken mussten. Der Innenraum sollte, anknüpfend an Cordoba und Kairaouaneden bedeutendsten Moscheen des Westens, und in offensichtlicher Abgrenzung zu den unmittelbaren almoravidischen und almohadischen Vorläuferbauten, wieder mit Säulen ausgestattet werden, die hier jedoch, in Ermangelung von Spolien, aus einzelnen Trommeln zusammengesetzt und ohne Basis in den Fußboden eingelassen sind und obendrein keine skulptierten Kapitelle, sondern nur noch Kämpferplatten haben. Wie der Grundriss zeigt, waren außer dem Reinigungshof vor dem Minarett noch zwei weitere Innenhöfe zur Durchlichtung und Belüftung des riesigen Gebetsraumes geplant. Die vom Minarett zum Mihrab verlaufende Mittelachse des Baus ist hervorgehoben durch ein leicht verbreitetes Transept, das ein dreiteiliges Querschiff unmittelbar vor der Kiblawand durchstößt, deren astronomische Ausrichtung nach Südsüdost wie bei fast allen Moscheen des islamischen Westens von der vorgeschriebenen Orientierung nach Mekka abweicht.
Nach dem Tod Mohammeds V. Im Jahr 1961 wurde der südöstliche Teil des Komplexes völlig neu gestaltet. Etwa in Höhe der Querachse der beiden Lichthöfe der ursprünglichen Moschee errichtete der vietnamitische Architekt Vo Toan in den Jahren 1961-1967 eine kleine Moschee. Rechts und links baute er die Mausoleen von Mohammed V. und Hassan II., deren Stil sich von den hohen Kuppelgräbern der Meriniden in Fes deutlich unterscheidet. Während vor allem in Bezug auf die prächtige Ausstattung eine gewisse Anlehnung an die Saadier- Gräber in Marrakech nicht zu leugnen ist. Der eigentliche Grabraum Mohammed V., in welchem sich auch das Grab des Prinzen Moulay Abdullah, eines früh verstorbenen Bruders Hassan II. befindet, liegt versenkt. Eine Erinnerung an indische Grabmäler der Mogulzeit; man kann ihn nur von einer umlau- fenden Galerie, die von äusserst kleinteiligen Kachelmosaiken und filigranen Stuckornamenten in traditioneller Manier geschmückt ist, einsehen.
Weiter fahren wir zur Besichtigung der Kasbah der Oudaias, die eine beliebte und teure Wohnadresse in Rabat ist. Vor allem die Häuser in der Nähe der Flussmündung vermitteln mit ihrem weißen Kalkputz und ihren schmiedeeisernen Gitterfenstern ein fast andalusisches Flair. Ein Spaziergang durch die engen und beschaulichen Gassen, vorbei an der kleinen, im 18. Jh. von einem englischen Konvertiten erneuerten Moschee mit ihrem hübschen Minarett führt zu einer am nordwestlichen Ende des Kasbahgebietes gelegenen Terrasse, von der man besonders am Abend schöne Ausblicke auf das Meer, die Flussmündung des Bou – Regreg und das gegenüber gelegene Sale genießt. Ganz unermüdliche können bei Ebbe über eine Treppe, die Teil einer im spanischen Stil mit kleinen, runden Eckerkern “Pfefferbüchsen” errichteten Festungsanlage aus dem 18. Jh. zur Verteidigung der Flussmündung war, über die Felsen bis zum Ufer hinabsteigen und am Wasser entlang bis zur Andalusier-Mauer zurück spazieren.
Abendessen und Übernachtung in Rabat.
3. Tag
Frühstück im Hotel und Weiterfahrt zu der nahegelegenen Schwesterstadt von Rabat “Sale” aus dem 11. Jahrhundert. Wir erreichen sie über die südöstliche Ecke der ehemaligen Hafenmauer. Nach wenigen Metern erreichen wir das einst für Schiffe passierbare völlig schmucklose Hafentor, mit einem gewaltigen Hufeisenbogen, dessen unterer Teil jedoch im Sand und Schutt der vergangenen Jahrhunderte versunken ist.
Man folgt der Rue de la Grande Mosquee und gelangt nach kurzer Zeit auf ein hübsches kleines Plätzchen, an dessen linker Seite sich der Eingang zur im Jahre 1431 erbauten Medresse Abou El Hassan befindet, der wichtigsten Sehenswürdigkeit von Sale und einer der schönsten Medressen Marokkos überhaupt. Entsprechend Stolz ließ der Stifter auf einer kleinen – heute in der Westwand des Innenhofs eingelassenen Marmortafel – folgende Worte eingravieren: “Betrachtet meine Bewundernswerte Pforte! Erfreut euch an der ausgewählten Zusammenstellung (der einzelnen Teile), der bemerkenswerten Art meiner Konstruktion und an meinem wundervollen Innenraum! Die Handwerker haben hier eine kunstvolle Arbeit vollendet, die alle Schönheit der Jugend hat ...” In der Tat überzeugen Harmonie und Schönheit der Einzelheiten sofort das Auge jedes Betrachters: Die kleine, rosettenförmige Brunnenschale mit ihrer außergewöhnlichen Umrandung aus zum Teil kurvlinear geschnittenen Kachelmosaiken ist in die Fläche des Innenhofs eingelassen, der von Säulengruppen mit verschiedenen geometrischen Dekor aus Kachelmosaiken umgeben ist.
Aus dem Faktum, dass die Stützen des Innenhofs aus Säulen und nicht wie sonst üblich aus Pfeilern bestehen, folgt die Notwendigkeit von Kapitellen, die aus weißem Marmor gearbeitet sind. Darüber präsentiert sich die Zone des Stuckdekors. Zunächst mit geometrischen Rautenfeldern, darüber dann mit eher vegetabilischen Formen, in welche die Sturzbalken und Bogeneinrahmungen aus dunklem Zedernholz mit ihren Inschriftbändern und ihrer Ornamentfülle hineinragen.
Ein Höhepunkt an Raumwirkung ist die Übergangszone vom Innenhof zum Gebetsraum mit einem vorgelagerten und in die Höhe verlängerten Portal aus weißem Stuck und schwarzem Holz, das mit einem Lambrequinbogen abschließt, der seinerseits den Blick freigibt auf drei symmetrisch angeordnete Gitterfenster, die sich oberhalb des kleineren, leicht gezackten Eingangsportals befinden. Diese Art der Portalgestaltung in zwei Ebenen mit Anklängen an einen Triumphbogen, der aber auch als Paradiespforte gedeutet werden kann, findet sich ca. 400 Jahre später im Aufbau des Bab Mansour von Meknes wieder. Ein Meisterwerk ist überdies die Stuckdekoration der Mohrab-Nische und ihrer Umrandung.
Von der Dachterrasse oberhalb der Studentenzimmer in den beiden Obergeschossen bietet sich ein herrlicher Rundblick auf die Medina von Sale und die benachbarten Grossen Moschee, die sehrwahrscheinlich bereits von den Almohaden gegründet wurde.
Wir verlassen wir Rabat-Sale und fahren über Khemisset nach Meknes. Fahrt zum Hotel. Abendessen und Übernachtung.
4. Tag
Heute steht die Besichtigung von Meknes, der Stadt der Tore und Mauern auf dem Programm.
Auf der Stadtrundfahrt sehen wir die verschiedenen Tore der Stadt, das Bab el Berdein, das im äußersten Norden der Medina auf einem Hügel gelegen ist, spielte eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung der Handels- und der diplomatischen Beziehungen mit dem Ausland. Gebaut wurde das Tor im Jahre 1687 und zwar nach demselben architektonischen Bauplan aller berühmten Tore von Meknes. Eine Arkade ragt über der zentralen 4,80 m großen Wandmauereröffnung, die mit zwei massiven vorspringenden Türmen (4,70 m x 7,70 x 15 m) ausgestattet ist. Der Verfallzustand verschiedener Bestandteile des Tores hat bisher zu einer Reihe dringender notwendiger Restaurationsarbeiten geführt.
Bab el Khemis, wurde im Jahre 1687 auf einem von Moulay Ismail an einen Juden geschenkten Grundstück, der einen kranken Prinzen aus der Sultansfamilie heilen konnte, erbaut. Es bildete damals den Eingang zur Medina und zur Mellah. Die Baukonzeption ist der von Bab el Berdein ähnlich, eine mit Ziegelsteinen gebaute Zentralöffnung, ausgestattet mit einem leicht geknickten, hufeisenförmigen Bogen sowie mit zwei massiven viereckigen Türmen hauptsächlich aus Stumpfbaumaterial, bilden das Gerüst. Die dazugehörige Dekoration besteht aus reichen Relief-, Keramik- und Fliesenverzierungen in grüner Farbe gemischt mit polychromer Fayence. Das Tor wurde neulich von der Regionalinspektion für historische Bauwerke restauriert und befindet sich in einem guten Zustand.
Bab el Mansour, das schönste Tor Marokkos, welches von einem christlichen Architekten geplant und mit mächtigen Säulen und Kapitellen aus Volubilis geschmückt ist, ahnt es mit seiner scheinbaren Dreiportadligkeit als einziges der älteren Stadttore Marokkos das Motiv eines klassischen römischen Triumphbogens nach. Während die beiden äußeren, leicht vortretenden Scheinportale, ein Motiv, das sich auch in der merinidischen Medressa Abou El Hassan von Sale findet, von in der Spitze abgerundeten Hufeisenbögen überwölbt sind, ist der Bogen des großen Mittelportals, das nur einen abgewinkelten Zugang zum Palastbezirk besitzt, im Scheitelpunkt leicht zugespitzt. Die Bauzier mit ihrem sich aus kleinen Blendarkaden entwickelnden Rautengeflecht, in das farbige Kacheln und Kachelmosaike eingelegt sind, ist zwar optisch beeindruckend, lässt aber dennoch im Vergleich zu den almohadischen Vorbildern eine gewisse Variationsbreite in den Einzelformen vermissen, da Muschelmotive, Inschriftbänder sowie eingestellte Säulen und Konsolen fehlen.
El Heri, wurde von Moulay Ismail konzipiert und gestaltet zwecks Versorgung der Bewohner und Tiere, vor allem Pferde mit Wasser und Nahrungsmittel, insbesondere während Dürre- und Hungersnotperioden, aber auch in Kriegs- und Zeiten von Aufständen. Dieser Versorgungsspeicher präsentiert sich als eine Reihe Vorratsgewölbe, die einen Umfang von 180 m Länge und 100 m Breite haben. Bis heute hat man sie irrtümlicherweise für die berühmten Pferdeställe von Moulay Ismail gehalten. Die Disposition der Wände und deren dicken Umfang erlaubten eine umgehend konstante Temperatur, welche die Konservierung von Nahrungsmitteln ermöglichten. Dar el Ma besteht aus 10 kleinen Bauwerken mit je einem, mehrere Meter tiefen Brunnen samt dazugehörigem Elevator.
Das Mausoleum von Moulay Ismail, liegt in der Nähe des Friedhofs, wo der Heilige Sidi Abderrahman El Majdoub beigesetzt wurde und nicht weit vom Platz Lalla Aouda. Gebaut wurde das Mausoleum vom Sohn und Nachfolger Moulay Ismails, Moulay Ahmed Addahbi. Dessen Restaurierung Mohammed V. zu Beginn der Unabhängig- keitszeit, veranlasste.In Wirklichkeit handelt es sich um einen privaten Friedhof, wo sowohl Moulay Ismail und dessen erste Frau, berberischen Ursprungs, Lalla Khnata, als auch sein Sohn und Nachfolger, Moulay Ahmed Addahbi, und der Sultan Abderrahman Ibn Hicham (1822-1859) beigesetzt wurden.
Durch ihre Dimensionen, ihr architektonisches Gepräge und ihre Dekoration, bildet die letzte Ruhestätte, von Moulay Ismail ein Ebenbild der prunkvollen Paläste, die er zeitlebens bewohnte.Über der großen, mit steinernen Arabeskenreliefs verschmückte Prunktorfassade erhebt sich ein Vordach mit grünen Ziegeln. Das große Tor führt zum Mausoleumsinneren, d. h. zunächst zu einem fast viereckigen (9,88 m x 10 m) Saal. Die Mauern sind bis zu einer Höhe von 1,60 m mit Fliesen reich geschmückt. Eine Randverzierung aus Gipsschnitzereien limitiert die Mauerdekoration. Drei miteinander verbundene weitere Innenhöfe führen dann zur Grabstätte mit vier Stellen aus weißem Marmor und vier von Ludwig XIV. geschenkten Wanduhren.
Bou Inania Medressa. Um die Islamisierung in Marokko vorauszutreiben, den Fortbestand des Malekiten-Ritus zu sichern und die Ausbildung von Staatsbeamten zu gewährleisten, gründeten die Meriniden zahlreiche Medressen (islamische höhere Schulen), in denen hauptsächlich Theologen und Staatsbeamte ausgebildet wurden (vier derartigen Schulen entstanden in Fes, eine in Sale, eine in Marrakech und eine weitere in Meknes).
Den Bau dieser religiösen und kulturellen Stätte veranlassten im 14. Jh. die Meriniden Sultane Abou el Hassan (1331-1351) und Abou Inan (1348-1358). Letzterer gab den Schulen den Namen Bou Inania. Die Medressa von Meknes zählt zu den schönsten Theologie-Internaten Marokkos. Ihr Bau vertritt den maurisch-andalusischen Architekturtypus, wie ihn die Meriniden zu bewerkstelligen wussten.
Den Mittelpunkt des rechteckigen, zum Himmel offenen, mittelgroßen Eingangshofes bildet ein rundes Marmorbecken mit dazugehöriger Fontane. Hinter den umlaufenden Pfeilergalerien im Erdgeschoss, wo auch ein Gebetsraum zu finden ist, und hinter den Rundbogenfenstern im Obergeschoss liegen die Studentenkammern. 26 an der Zahl. Das bronzebeschlagene Zweiflügeltor aus Zedernholz trägt kunstvollen Reliefdekor und öffnet einerseits zum Innenhof und andererseits zu einem Korridor, der geradewegs zum Latrinenraum führt. Rechts befindet sich der Gebetsraum. Bewundernswert ist die Dekoration der Medressa. Sämtliche Wandflächen, sowohl des Hofes als auch des Gebetsraumes, tragen prächtige maurische Bauverzierungen in charakteristischer Anordnung und Bemalung, grünliche Kachelmosaiken, ausgesparte Glasurkacheln mit einem Kursivschriftband mit Koransuren, Zedernholz, Gipsstücknetze. Das Vordach besteht aus schmalen, grünglasierten Ziegeln.
Weiterfahrt nach Fes, der ältesten und bedeutendsten der vier marokkanischen Königsstädte. Bereits nach der Ankunft machen wir eine Panoramarundfahrt zu den imposanten Ruinen der Merinidengräbern aus dem 14. Jh., von denen sich ebenfalls ein schöner Blick über Fes bietet. Weithin sichtbar auf einem Hügel gelegen, stellen die ehemaligen Kuppelbauten der Meriniden-Nekropole einen für die Architektur des westlichen Islam völlig neuartigen Bautypus dar. In ihrem architektonischen Konzept orientieren sich beide Bauten an Vorbildern aus dem östlichen Islam, wo aufwendige Grabbauten bereits seit längerem bekannt waren, wie es die Mausoleen des Kalifen el Mountassir in Samarra aus dem 9. Jh. und das der Samaniden in Buchara in Usbekistan aus dem 10. Jh. beweisen. Abendessen und Übernachtung in Fes.
5. Tag
Auch heute noch ist Fes die unerschöpfliche Quelle arabischem Geistesleben. Die Stadt, in der sich die arabische Kunst und die Wissenschaft, verwurzelt im mohammedanischen Glauben, zum bedeutendsten Zentrum islamischer Kultur in Marokko entwickelt hat.
Fes war immer, und ist es bis heute geblieben, die geistige und kulturelle Hauptstadt Marokkos, deren Ausstrahlung in der ganzen arabischen Welt zu spüren ist. Fes ist heute auch ein heiliger Wallfahrtsort, denn seine Mauern bergen die sterblichen Überreste des Gründers von Fes, Idriss II., der schon von seinen Zeitgenossen als Heiliger verehrt wurde.
Fes ist reich an Zeugnissen andalusisch-maurischer Kunst in Form von über 400 Moscheen, Medressen, Brunnen und anderen Bauwerken.
Drei Stadtteile aus verschiedenen Epochen prägen das Bild von Fes, wo Sie sich ins Mittelalter zurückversetzt fühlen. Tauchen Sie ein in die verwirrende Vielfalt von Gassen, Souks und Moscheen in der Medina, die unter dem Schutz der UNESCO steht. Dort dürfen weder Autos, noch Motorräder fahren, so spielt sich das ganze Transportwesen auf dem Rücken der Mulis und Esel ab.
In Fes beeindruckt das Leben der Altstadt. Es gibt unzählige kleine Werkstätten. Der Rundgang führt durch die Viertel der Schreiner, Färber, Gerber, Schneider, Ziselierer, vorbei am stetigen Hämmern der Kupferschmiede.
Medresse Bou Inania, trägt den Namen ihres Gründers, des Sultans Abou Inan Faris, und vereinigt nahezu alle für eine merinidische Religionsschule charakteristischen Elemente. Daneben dient sie, im Gegensatz zu allen anderen Medressen des Maghreb, bis auf den heutigen Tag als Moschee des Stadtviertels, und so darf der von außen einsehbare und wie üblich nicht besonders reichausgestaltete eigentliche Gebetsraum jenseits des auch im Grundriss erkennbaren Wassergrabens von Nichtmuslimen nicht betreten werden.
Als Moschee verfügt die Medresse auch über ein Minarett, das mit seiner ungegliederten Bauweise und dem Laternenaufsatz mit kleiner Kuppelspitze in der Tradition der almohadischen Minarette steht, sich aber mit seiner durchgängigen Rautenornamentik, in die farbige Kacheln eingelegt sind, deutlich von diesen unterscheidet. Diese Art der Gestaltung wird zu einem typischen Kennzeichen der merinidischen Minarette und findet sich in ähnlicher Weise auch bei der großen Moschee oder beim schlanken Minarett der Nekropole der Chellah. Aber auch in späterer Zeit ist diese Art von Gestaltung, die von den Almohaden vorbereitet wurde, oft und gern nachgeahmt worden.
Man betritt die Medresse durch ein mit aufgelegten bronzenen Sternornamenten geschmücktes Portal, dessen ebenfalls aus einem Sternornament bestehender bronzener Türklopfer die Zeiten überdauert hat. Über einen Treppenaufgang, der von einer der seltenen hölzernen Muqarnas-Kuppeln bekrönt wird, erreicht man ein Tor, das aus kleinteiligen Holzdrechsel- arbeiten in Form eines geometrischen Flechtbandes mit Sternmotiven zusammengefügtes Eingangsportal, zum Innenhof führt. Hier finden sich ähnlich gestaltete hölzerne Schranken als Abgrenzung zu einem dahinter befindlichen Umgang, von dem aus die spartanisch anmutenden Kammern der Studenten erreichbar sind. Die Kunst der Meshrabiyas taucht in einfacher Form bereits im erwähnten Minbar der Karaouine aus dem späten 10. Jh. auf; unter den Almoraviden und Almohaden geriet sie jedoch in Vergessenheit. Erst seit der Zeit der Meriniden finden sie wieder Beachtung und noch heute kann man in den Souks aller größeren Städte Holzdrechslern bei dieser Arbeit zuschauen.
Horizontal verlaufende Sturzbalken aus nachgedunkeltem, reich beschnitztem Zedernholz bilden den oberen Abschluss der seitlichen Schranken und der Portale, bei letzteren finden sich allerdings noch zusätzliche mit Muqarnas-Reliefs und Melonenschnitt-Ornamenten verzierte hölzerne Blendbogen, die durch den Kontrast zu den hellen Stuckarbeiten in ihrer Umgebung äußerst reizvolle optische Wirkungen erzielen.
Der untere Bereich der Innenhofdekoration besteht aus kleinteiligen und deshalb in ihrer Herstellung sehr aufwendigen Kachelmosaiken mit Sternmotiven, die jedoch auch praktische Zwecke erfüllen, indem sie die Pfeilerbasen von Regenwasser und Stossschäden schützen. Darüber befinden sich umlaufende Schriftbänder mit Koranversen in Kursivschrift, die aus den schwarzen Kacheln herausgeschliffen wurden und sowohl mit ihren geschwungenen Linien als auch mit unterschiedlich breiten Einzelbuchstaben den Federstrich eines Schreibers nachahmen, was bei der geradlinigen und strengen Kufe-Schrift nicht möglich ist. Ein Band mit Zinnen- oder Lebensbaummotiven schließt die Kachelornamente ab, und es beginnt die Zone der Stuckarbeiten, die eine geradezu unglaubliche Vielfalt und Filigranität erreichen, wobei vegetalische Ranken- und Blattformen eindeutig überwiegen, was auf ein Anknüpfen an almoravidische Vorbilder schließen lässt. Auch hier finden sich Schriftbänder in Kursivschrift, aber auch Medaillons mit geometrischen Kufe-Schriftzügen, die jedoch letztlich nur noch rein dekorativ wahrgenommen werden Sehr schön sind auch die Muqarnas-Blendbögen über den Umgangsfenstern des Obergeschosses, die im Scheitelpunkt angespitzt sind und mit ihren seitlich schräg nach unten verlaufenden Schenkeln eher einem Korbbogen ähneln. Derartige Bogenformen stammen wohl – wie auch die Muqarnas-Arbeiten – aus der islamischen Kunst Bagdads, die ihrerseits wiederum persische Anregungen aufgenommen haben.
Auch die beiden ursprünglich wohl für Vorlesungen genutzten Annexräume an den Seiten des in der Hofmitte befindlichen Brunnenbeckens verdienen wegen ihrer wunderschönen Artesonado-Kuppeln und ihrer noch im ursprünglichen Zustand erhaltenen Stuckarbeiten Beachtung.
Der eigentliche Gebetsraum jenseits des Wassergrabens ist für die Gläubigen über zwei seitliche Brücken erreichbar. Durch eine mittlere Säulenreihe ist er zweigeteilt. Eine Seltenheit in der Architektur des Maghreb. Säulen wurden nur in Ausnahmefällen im Lande selbst hergestellt, meist kamen sie als Spolien aus antiken römischen Bauten oder wurden fertig in Andalusien oder Italien gegen gutes Geld erworben, oder, wie unter den Saadiern, gegen Zucker eingetauscht. Die Arkadenbogen oberhalb der Kapitelle sind reich mit Stuckarbeiten versehen. Die weitgehend unverzierte Mihrab- Nische weist, wie so oft im Maghreb, nicht Richtung Mekka, sondern eher nach Süden.
Vom Eingangsbereich der Medresse erreicht man über eine schmale Treppe das Obergeschoss. Hier befinden sich weitere Kammern, die trotz ihrer räumlichen Enge oft von zwei Studenten gleichzeitig als Schlafräume genutzt wurden und keinen direkten Blickkontakt zum Innenhof gewähren.
Place Nejjarine, einer der wenigen winzigen Plätze innerhalb der Medina, mit ihrem hübsch gekachelten und von einem hölzernen Vordach geschützten Brunnen und dem unmittelbar daneben liegenden Fonduk, dessen in merinidischer Manier gestaltetes Portal jedoch erst zu Beginn des 18. Jh. entstand. Das harmonisch aufeinander abgestimmte Ensemble von Brunnen und Fonduk-Portal gehört mit Sicherheit zu den meist fotografierten Motiven Fes.
Zaouia „Mausoleum“ Idriss II., dem Gründer des Karaouine- Viertels und Schutzheiligen der Stadt, dessen Grab im Jahr 1437 in einer Zeit der Krisen wiederentdeckt wurde. Der Andersgläubigen verschlossene Bau, aber immerhin dürfen Sie durch eines der reich geschmückten Tore ins Innere sehe, entstand in merinidischer Zeit, wurde aber von ihren Nachfolgern immer wieder restauriert und erweitert. Das geöffnete Hauptportal gewährt einen Blick in den dekorativen Vorraum, in welchem sich oft Pilger niederlassen, um hier im Dunstkreis des Heiligen Hilfe zu erbitten.
Karaouine Moschee, eine der Ältesten der arabischen Welt, die im Jahr 859 angelegt und unter Ali Ben Joussef I der ersten Hälfte des 12. Jh. erweitert wurde. Sie zählt 16 Schiffe mit jeweils 21 Jochen, getrennt durch 15 Säulenreihen mit 270 Stützen und kann über 20.000 Gläubige fassen. Im 14. Jh. wurde sie Mittelpunkt einer Universität, in deren Blütezeit bis zu 8000 Studenten aus allen Teilen der damaligen islamischen Welt den Unterricht über islamische Theologie und islamisches Recht besuchten. Die Karaouine war und ist das religiöse Zentrum Marokkos, ihre Korangelehrten zählen zur höchsten Instanzen in Glaubensfragen.
Attarine Medresse, die kleinste, aber vielleicht schönste Medresse der Stadt, stellt ein Meisterwerk merinidischer Baukunst dar, die in den Jahren 1323-1325 unter Sultan Abou Said Othman erbaut wurde. Nur das Eingangstor zum Innenhof ist in der Art der hölzernen Mashrabiyas gefertigt, darüber hinaus vermisst man diese mit ihren dunklen Farbtönen zur weißen Stuckornamentik so kontrastierend wirkenden Gitter. Zum Ausglich dafür finden sich hier frei stehende oder der Wand vorgelegte Säulen, die mit ihrem Wechselspiel zu den vier massiveren seitlichen Pfeilern ebenfalls für optische Reize und Abwechslung sorgen. Pfeiler und Säulen setzen sich, in Form von eckigen Pilastern, nach oben fort. Auf ihnen ruhen reich beschnitzte Zedernholzpanelle und Balken der Traufe, in denen sich neben geometrischen Motiven auch Muschelformen finden, die unter den Meriniden, im Gegensatz zu ihren Vorgängern, nur äußerst selten auftauchen.
Das wie üblich in der Hofmitte angelegte Brunnenbecken mit seiner eleganten Einfassung aus Kachelmosaik und weißen Marmorplatten erfährt ein optisches Gegengewicht in dem unter reinen Zweckgesichtspunkten eigentlich überflüssigen Becken des Gebetsraums, dessen Schauwand mit den beiden kleineren seitlichen Blendarkaden und dem größeren Mittelportal ein Triumphbogenmotiv imitiert.
Das Kachelmosaik im Eingangsbereich zum Gebetsraum bietet im wesentlichen geometrische Rosettenmotive, in den oberen Zwickeln jedoch finden sich aus winzigen Kachelstückchen gefertigte, kurviglineargeformte Arabeskenmotive, die zum schönsten gehören, was diese Kunst überhaupt bietet. Der weiterführende Stuckdekor nimmt zunächst das Rosettenmotiv auf, dann folgt ein Muqarnas-Gesims, an das sich Arabesken anschließen. Das Ganze endet in einem schönen Muqarnasbogen, dessen Scheitelpunkt noch einmal leicht nach oben gezogen ist, so dass sich eine Art Kielbogen ergibt.
Die Sockelzone des Gebetsraums, der ja nicht wie der offene Innenhof allen Witterungseinflüsse ausgesetzt ist, enthält kein Kachelmosaik, sondern ist lediglich weiß verputzt, darüber setzt die Stuckornamentik ein. Der Raum endet in einer einzigartigen hölzernen Artesonado-Decke, deren Unterkonstruktion in der Art von Walmdächern mehrfach gebrochen ist. Die Mihrab-Nische an der rechten Seitenwand mit ihrer angeblichen Orientierung nach Mekka ist ebenfalls im Bereich der Sockelzone nur weiß verputzt. Ihr außergewöhnliches Gewölbe setzt sich zusammen aus einer Halbrosette im Scheitel mit sieben daran ansetzenden und schräg nach unten führenden Stucksegmenten, deren Dekor im Wechsel flach oder tiefgründig gearbeitet ist.
Von der Dachterrasse der Medresse genießt man einen schönen Überblick über die Dächer und Türme der Stadt und den Innenhof der Karaouine mit seinem schlichten blockhaften Minarett aus dem 10. Jh. sowie den beiden an den Schmalseiten befindlichen Pavillons aus saadischer Zeit.
Bab Boujloud, ein erst im Jahr 1913 errichteter, dreiportaliger „Triumphbogen“ der Kolonialherren ohne praktische Funktion, der ziemlich genau die Grenze zwischen Fes el Bali und Fes el Djedid markiert. Die Farbe seiner mit Rankenwerk geschmückten Kacheln ist nicht ohne Symbolik, die Außenseite ist blau, als Farbe der Stadt und als Willkommensgruss, die Innenseite grün als Farbe des Islam und des Paradieses.
Ein weiterer Rundgang, führt vom Bab Boujloud noch einmal durch die Medina von Fes el Bali, an der Karaouine vorbei. Man überquert eine der zahlreichen kleinen Brücken über den Oued Fes und befindet sich im Andalusischen Viertel, dessen Zentrum von der Andalusier Moschee gebildet wird. Unweit der Andalusischen Moschee liegt die Medresse Es Sahrij. Die kleinste der merinidischen Medressen wurde laut der Gründungsinschrift, die sich rechts neben der Mihrab-Nische in eine Marmortafel graviert befindet, vom Prinzen Abou El Hassan gestiftet und in den Jahren 1321-1323 erbaut. Sie erhielt ihren Namen (Medresse des Brunnenbeckens) wegen eines poolartigen Reinigungsbeckens, das einen Grossteil des Innenhofs einnimmt und aus einer kleinen marmornen Brunnenschale mit Wasser gespeist wird. Nicht nur die bescheidenen Ausmaße und die geringe Anzahl der Studentenzimmer, sondern auch die Dekoration aus Kacheln, Stuck und Zedernholz lässt dieses Bauwerk gegenüber den großen Medressen etwas zurückhaltend wirken. Man findet tatsächlich auch weiß verputzte freie Wandflächen. Vielleicht ist diese Tatsache auf die fehlenden Geldmittel des Prinzen oder aber auf den gebührenden Respekt gegenüber seinem Vater Abou Said Othman, dem Gründer der Medresse Attarine, zurückzuführen.
Den Hauptzugang zum Gebetsraum bildet ein wunderschöner hufeisenförmiger Lambrequinbogen mit kielförmigem Scheitel. Die verschiedenen islamischen Bogenformen wurden des öfteren miteinander kombiniert. In der Bogenlaibung finden sich neben den im Zusammenspiel mit Lambrequinbögen häufig anzutreffenden Muqarnas-Elementen auch zwei äußerst fein ziselierte Rosetten.
Der Gebetsraum enthält mit Ausnahme der Mihrab-Einfassung keinerlei Stuckdekoration, links und rechts der Mihrab-Nische befinden sich je zwei kleinere abgewinkelte Räumlichkeiten, über deren Zweck keine Klarheit besteht.
Ein weiterer Rundgang widmet sich im wesentlichen dem im ausgehenden 13. Jh. von den Meriniden gegründeten Fes el Djedid. Wiederum ausgehend vom Bab Boujloud, kommt man zunächst zu den Jardins de Boujloud, einen von den französischen Kolonialherren angelegten und von Bewässerungskanälen durchzogenen hübschen Park mit zum Teil exotischen Pflanzen.
Durch das Tor Bab es Sebaa aus dem 15. Jh. erreicht man den Vieux Mechouar, einen der wenigen Platzanlagen der Stadt, der Repräsentationszwecken, Gerichtsverhandlungen und der Zurschaustellung der Köpfe der Verurteilten diente. An seiner westlichen Seite befindet sich die gegen Ende des 19. Jh. von einem italienischen Architekten errichtete Makina mit einem prächtigen, in neobarocker Manier gestalteten Portal. Der Bau diente ursprünglich als Waffenfabrik, heute beherbergt er eine staatliche Teppichknüpfschule.
Weiterhin und hinter dem Bab Es Semmarin erreichen wir das ehemalige Judenviertel die Mellah. Sie entstand auf Veranlassung des Meriniden-Sultans Abou Said Othman, der sich im Jahr 1310 entschloss, in unmittelbarer Nähe seines neu erbauten Palast ein großes Judenviertel zu errichten, da die alte Mellah, im nördlichen Teil der Medina, nach der Zuwanderung vieler jüdischer Familien aus Andalusien zu klein geworden war. Eine hohe Mauer umgab die neue Mellah, und die Tore wurden nachts verschlossen. Ob zum Schutz oder zur Kontrolle der Bewohner, sei dahingestellt. Innerhalb der Mellah besaßen die Juden jedenfalls weitgehende Autonomie und sogar eine eigene Gerichtsbarkeit, an deren Spitze, ebenso wie in der islamischen Welt, die religiösen Oberhäupter der Gemeinde standen. Nach der Aufhebung der diskriminierenden Ansiedlungsvorschriften durch die französische Kolonialverwaltung im Jahr 1912 zogen viele Juden in die Ville Nouvelle um. Abendessen und Übernachtung in Fes.
6. Tag
Eine der interessantesten Etappen dieser Reise ist die Fahrt durch den landschaftlich faszinierenden Mittleren Atlas, über Wintersportszentrum Ifrane, weiter nach Azrou auf etwa 1250 m Höhe in einem Talkessel gelegen.
Weiterfahrt nach Khenifra in ca. 850 m Höhe in den südwestlichen Hängen des Mittleren Atlas und wird vom Oued Oum Erabia durchflossen, dem längsten der ganzjährig wasserführenden Flüsse Marokkos, der die anschließende Tadla Ebene bewässert und bei Azzemmour in den Atlantik mündet.
An Kasbah Tadla vorbei gelangen wir nach Beni Mellal am Südrand der fruchtbaren Tadla – Ebene, in einer Höhe von ca. 600 m gelegen und von den nahen Bergen des südlichen Mittleren Atlas sowie einem Stausee mit ausreichend Wasser versorgt, ist die inzwischen mehr als 100000 Einwohner zählende Provinzhauptstadt Zentrum der Verwaltung und des Handels in einer von Obst-, Zuckerrohrplantagen sowie weiteren Gemüseanbauflächen bestimmten Landwirtschaft.
Am späten Nachmittag gelangen wir nach Marrakech, der Königsstadt und Oase vor der großartigen Kulisse des Hohen Atlas gelegen. Nirgendwo im Land empfangen die Augen afrikanische, orientalische Eindrücke besser als hier. Rund 100.000 Palmen in Hainen rings um die Stadtmauer prägen das Bild.
Marrakech ist das Handelszentrum des Südens. Deutlich wird dies an der Ausdehnung der Souks, welche zu den größten des Landes zählen und an denen die Nomaden, welche die Stadt besuchen, teilnehmen. Die belebten Souks, die Lage in einer Palmenoase und die roten Lehmbauten verleihen Marrakech den Charakter einer Wüstenstadt.
Nach Ankunft und nach dem Hotelzimmerbezug machen Sie eine kurze Orientierungstour mit Besichtigung des Platzes Djemaa el Fna. Hier ist die orientalische Weise lebendig geblieben. Dies ist der Markt, der sein Gesicht wechselt, wie ein Chamäleon die Farbe. Er lebt am intensivsten zwischen Nachmittag und Abenddämmerung.
Dieser Platz stellt ein immerwährendes Volksfest, einen folkloristischen Rummelplatz dar. Hier produzieren sich Musikanten aller Art, Akrobaten, Märchenerzähler, Schlangenbeschwörer, und vieles mehr. Ein altes Märchen wird wahr! Abendessen und Übernachtung in Marrakech.
7. Tag
Im Bus und auch zu Fuß besichtigen wir heute die wichtigsten Sehenswürdigkeiten der einstigen Königsstadt. Die Stadt ist im 11. Jahrhundert gegründet worden und weist hervorragende Kulturdenkmäler des hispano-maurischen Stils vom 11. bis 19. Jahrhundert auf. Sie besichtigen, die Menara-Gärten mit ihrem riesigen Wasserbassin. Die Anlage des Wasserspeichers, der von unterirdischen Kanälen gespeist wird, und der Garten, die mit ihrem geometrischen Plan als reine Nutzanlagen, aber auch als irdisches Paradies gesehen werden können, geht noch auf die Almohaden zurück. Die heutige Gestaltung mit einer Vielzahl von Oliven- und wenigen Obstbäumen entstand jedoch erst in der zweiten Hälfte des 19 Jh. unter dem Alaouiten-Sultan Mohammed Ben Abderrahmane.
Die Koutoubia-Moschee, deren großartiges Minarett, eines der Wahrzeichen Marokkos und des gesamten Maghre, schon von weitem sichtbar ist. Unter den Almohaden, in der zweiten Hälfte des 12. Jh. auf freiem Gelände erbaut und zu keiner Zeit, wie sonst üblich, von Wohnhäusern umgeben, stellt die Koutoubia-Moschee ein einmaliges Ensemble dar. Der Name dieser Moschee ist abgeleitet von „Koutoubiyines“, Buchhändler, da sich im 16. Jh. eine Vielzahl von Buchhändlern unmittelbar in der Umgebung des Baues niedergelassen hatten weil sie sich dort die besten Umsätze erhofften. Ähnliches hat es im mittelalterlichen Europa auch gegeben.
Wie zum Beispiel das Buchhändlergässchen an der Nordseite der Kathedrale von Rouen beweist. Der Moscheebau hat eine interessante Geschichte. Ein almoravidische Vorgängerbau, etwas nördlich der heutigen Moschee gelegen, wurde sofort nach der Eroberung Marrakechs durch die Almohaden niedergerissen, um jegliche Erinnerung an die als gotteslästerlich betrachtete Vorgängerdynastie auszulöschen. Unter Abdelmoumene wurde mit dem Bau einer neuen Freitagsmoschee begonnen, die jedoch bereits kurz nach ihrer Fertigstellung abgerissen wurde, da die Kiblawand angeblich nicht exakt in Richtung Mekka wies. Die Pfeiler- und Wandfundamente des ersten Baus wurden bei Ausgrabungsarbeiten durch französische Archäologen freigelegt, teilweise rekonstruiert und sind an der Nordseite der jetzigen Moschee sichtbar. Bereits ein Jahr später, 1158, war mit Ausnahme des Minaretts der jetzige Bau vollendet, der mit 90 m Breite und 60 m Tiefe ca. 25 000 Gläubigen Platz bietet. Eine leichte Verbreiterung des mittleren der insgesamt 17 Längsschiffe sowie ein der Kiblawand vorgelagertes Querschiff ergeben die typische, allerdings nur im Grundriss wahrnehmbare, T-Form der almohadischen Moschee. Wie in den Moscheebauten der Almoraviden und den almohadischen Vorgängerbauten von Taza und Tinmal wurden auch im Innern der Koutoubia nur aus Ziegelstein gemauerte und anschließend verputzte Pfeiler als Stützen verwendet, währen beim Bau der Grossen Moschee von Rabat wieder auf die repräsentativeren Säulen zurückgegriffen wurde, die so charakteristisch für die frühen großen Moscheen des westlichen Islam (Kairaouane und Cordoba) sind.
Die monumentale Strenge des Minaretts wird lediglich durch mehrere kleine Fensterpaare und einige Einzelfenster aufgelockert, die sich nur in der Gestaltung ihrer verschiedenen Einfassungen voneinander unterscheiden. Die von der gleichzeitigen spätromantischen und frühgotischen Architektur Europas so vertrauten Wandauflagen wie Lisenen, Blendarkaden oder zumindest Gesimse, die den Baukörper gliedern können, um seine Massivität zu mildern, sind nicht oder nur ansatzweise im oberen Bereich vorhanden, dessen Ornamentformen, im Kontrast zur Turmschaft, auf allen vier Seiten gleich gestaltet sind. Den oberen Abschluss des Turmschafts bildet ein etwa 2 m hohes Band aus grünen Mosaikkacheln, die durch schmale, weiße Fugenkacheln voneinander abgegrenzt werden und hier erstmalig in der Architektur des islamischen Westens auftreten. Die in ihrer Grundfläche deutlich kleinere Laterne mit jeweils zwei von gezackten Blendbogen überfangenen Fenstern an jeder Seite, über denen sich ein Rautengeflecht, das aus sich überschneidenden Bögen entsteht, und ein weiteres Kachelmosaikband befinden, wird von einer Rippenkuppel abgeschlossen.
Die Spitze des Minaretts bildet der sogenannte Jamur. Er setzt sich zusammen aus einer Art Galgen, an welcher der Muezzin zum Freitagsgebet und an besonderen religiösen Feiertagen die grüne Fahne des Islam hisst, sowie mehreren übereinandergestellten goldglänzenden Kugeln, wie sie bereits für das im 10. Jh. errichtete und seit Ende des 16. Jh. zum Campanile umgewandelte Minarett der großen Moschee von Cordoba nachgewiesen sind. Eine eventuelle frühere Symbolfunktion der Kugeln ist nicht mehr eindeutig zu erklären. Jedenfalls finden sich zwei, drei oder vier derartige Kugeln, oft mit einer liegenden Mondsichel als obersten Abschluss. Ein bereits aus frühen Zeiten des Islam bestehendes Zeichen. Auf Minaretten, wie zum Beispiel in Kairaouane, aber auch auf nahezu allen bedeutenden Moschee- und Grabbauten des Maghreb und der gesamten islamischen Welt, finden wir dieses Symbol.
Die sechs Stockwerke des Turms sind über schräg verlaufende Rampen verbunden, über die mit Hilfe von Lasttieren auch das Baumaterial nach oben befördert werden konnte. Vor der Installierung von Lautsprecheranlagen legte auch der Muezzin den beschwerlichen Weg bis zur Terrasse, die, wie auch der Laternenaufsatz, von einem Kranz aus gezackten Zinnen umgeben ist, auf dem Rücken eines Pferdes zurück. Die monumentale, geradezu monolithische Erscheinung der almohadischen Minarette (die Almoraviden verzichteten bei ihren Moscheebauten auf jede Art von Türmen) und ihre dekorative Gestaltung, in denen andalusische, nordafrikanische und berberische Formen zu einer neuen Einheit, dem maurischen Stil, zusammengeschmolzen wurden, sollte weitreichende Bedeutung für die Zukunft haben und ist aus der Architektur der Nachfolgedynastien nicht mehr wegzudenken, wenngleich alle späteren Minarette kleiner sind und das reine Steinornament sowie die Vielfalt des Dekors der Almohaden durch farbige Kacheln und einheitliches Rautengitterwerk abgelöst wurden.
Saadier-Gräber, der schönsten Nekropole des Maghreb, die nach der Vermauerung durch Moulay Ismail, der voller Hass auf die in Luxus und Wohlleben erstarrte Vorgängerdynastie war, erst im Jahr 1917 von den Franzosen wiederentdeckt und als architektonisches Meisterwerk der staunenden Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Schon in merinidischer Zeit wurden hie, im ehemaligen Garten der Kasbah Moschee, Angehörige des Herrscherhauses bestatte, doch erst nachdem Marrakech von den Saadiern wieder zur Hauptstadt des Landes gemacht wurde, zog man eine Mauer um das Areal, und alle Sultane samt ihren Familienangehörigen fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Moulay Ismail ließ zwar den Haupteingang zur Nekropole zumauern, doch respektierte er die Totenruhe und zerstörte oder plünderte die Grabstätten nicht. Die Anlage beinhaltet zwei Mausoleen und darüber hinaus eine Vielzahl von Gräbern unter freiem Himmel.
Sultan Ahmed El Mansour, der Erbauer des El Badi Palastes, ließ das aus drei Räumen bestehende und gleich hinter dem Eingang gelegene Mausoleum gegen Ende des 16. Jh. errichten. Die bauliche Ausstattung gehört zum reichhaltigsten, was Marokko zu bieten hat und vermittelt eine annähernde Vorstellung vom Prunk des Sultanspalastes. Der erste der drei Räume, der Saal des Mihrab, war ursprünglich als reiner Gebetsraum gedacht, wenngleich die Mihrab-Nische hier in Richtung Südwesten orientiert ist. Sie wird durch zwei weiße und zwei graue Marmorsäulen unterteilt. Erst später wurden die Gräber, die geographisch exakter als die Mihrab-Nischen nach Mekka weisen, hinzugefügt. Der anschließende Saal der zwölf Säulen ist der dekorreichste der ganzen Anlage. In den Ecken des Mittelquadrats in Dreiergruppen angeordnet, ergibt sich, wie in einigen merinidischen Medressen, die, neben andalusischen Bauten, mit Sicherheit als Vorbilder gedient haben, jeweils ein sich wiederholendes Triumphbogenschema. Feinste Kachelmosaiken und Stuckarbeiten überziehen die Innenwände. Die Kapitelle der Säulen gehören zu den schönsten des Landes. Das kleine Fenster im oberen Bereich ist aus einer Marmorplatte herausgearbeitet, ein Detail, das im Maghreb ansonsten nicht anzutreffen ist und auf Einflüsse aus Andalusien oder aber der Gebiete des östlichen Islam verweist.
Auch die Decke aus Zedernholz ist ein Meisterwerk ihrer Art. Die Marmorkenotaphe, der mittlere ist der Ahmed el Mansourssind reich geschmückt mit Inschriften, die Lobpreisungen Allahs oder Koransuren enthalten und nur in wenigen Fällen den Namen des Toten wiedergeben. Der Leichnam ist nach islamischem Verständnis nur eine leere Hülle und keiner weiteren Beachtung würdig. Eine Ansicht, die allerdings im Rahmen der zunehmenden Verehrung heiliger Männer (Marabouts) und der Errichtung von aufwendigen Grabbauten seit der Zeit der Meriniden allmählich aufgegeben wurde und seit der Kolonialzeit nur noch auf den einfachen Friedhöfen in den Berbergebieten anzutreffen ist.
Der letzte Raum, der Saal der drei Nischen, die in Richtung Nordosten weisen, beherbergt die Gräber von Nachkommen der Saadier-Herrscher, die nicht an die Macht gelangten.
Das zweite, nur aus zwei Räumen bestehende Mausoleum, ist weniger reich ausgestattet als das erste, doch die Außenfassaden des Hauptraums zeigen auf jeder Seite eine wunderschöne Loggia, deren hochgezogener Mittelbogen auf zwei Säulen ruht, während die seitlichen Bögen sehr viel kleiner und unscheinbarer sind. Dennoch ergibt sich auch hier das so überaus repräsentative klassische Triumphbogenschema, das manchmal als Paradiespforte interpretiert wird. Die Fußböden beider Räume sind mit Kachelmosaiken bedeckt, die Decken bestehen zum einen aus einem Walmdach in Artesonado-Manier. d. h. aus kunstvoll ineinandergefügten kurzen Zedernholzbalken, die überdies doch leicht beschnitzt und bemalt sind, zum anderen aus bemalten Muqarnas-Gewölben. Im Innenhof zwischen beiden Mausoleen sind, erkennbar an den einfachen Grabplatten aus schriftlosem Kachelmosaik, weitere Angehörige der Familie bestattet.
Bab Agnaou, das schönste Tor von Marrakech aus der Blütezeit der Almohaden (Ende 12.Jh.). Wie die nur wenig später errichteten Prunktore in Rabat (Bab el Rouah und Bab des Oudaias), das ja als neue Hauptstadt des Reichs geplant war, besteht es, im Kontrast zu den in Stampflehm errichteten Mauern der Stadt, ganz aus Stein. Als Hauptzugang zur Kasbah, d.h. dem von der Medina abgegrenzten Palastbezirk, und im Gegensatz zum benachbarten Bab el Robb, diente es weniger Verteidigungs- als Repräsentationszwecken. Das Tor zeigt eine reichhaltige Ornamentik, die jedoch, wegen des helleren Steinmaterials, weniger plastisch und auffällig erscheint als am Bab des Oudaias in Rabat. Ein innerer, im Scheitelpunkt leicht angespitzter, jedoch nicht dekorierte Rundbogen wird von einem Hufeisenbogen aus trapezförmig behauenen Blendarkaden überfangen.
Diesen wiederum fasst ein Rundbogen aus zwei sich wechselweise überschneidenden Vielpassbögen ein, der seinerseits umrahmt ist von einem weiteren Rundbogen aus längsrechteckigen Platten, die in der Tiefe variieren. Alle diese Bögen, unter denen der Hufeisenbogen nur einmal auftritt, sind in der Art eines Stufenportals leicht in die Tiefe gestaffelt und werden eingerahmt von einem Alfiz, d.h. einem großen Rechteck, das in etwa 2 m Höhe zusammen mit den Bogenläufen einsetzt. Die Dekoration der Zwickel enthält Rankenwerk und die bei den Almohaden obligatorischen Muschelmotive. Links und rechts schließen sich Friese mit Kufe-Schriftzügen an. Der obere Fries zeigt aneinandergereihte Blendbogen, innerhalb derer Ansätze zu Lambrequin-Bogen erkennbar sind. Die Beschreibung macht deutlich, wie komplex der dekorative Aufbau des Tors ist und welche Vielzahl von Einzelformen, vor allem Bögen, hier zu finden sind. Kein mittelalterliches Stadttor in Europa bietet Vergleichbares. Der weiße, aus Marmor gefertigte Aufsatz wurde erst von den Saadiern im 16. Jh., hinzugefügt. Die seitlich, oberhalb der paarweise angeordneten Säulenvorlagen geplanten Konsolen wurden nie vollendet. Daher auch der Name des Tores, „Widder ohne Hörner“.
Bahia – Palast, Ende des 19. Jh. Der wohl bedeutendste Wesirspalast Marokkos, der, im Gegensatz zu anderen Bauten dieser Art, den weitaus größten Teil seiner reichhaltigen Innenausstattung, die schon in der Entstehungszeit die Bewunderung der Zeitgenossen hervorgerufen hat (Bahia = Schönheit, Wunder), bis auf den heutigen Tag bewahrt hat. Nur das bewegliche Mobiliar, Truhen, Leuchter, Teppiche, Kissen, Kupfer- und Silbergeschirr, wurden nach dem Tod des Wesirs von seinem Herrn, dem Sultan Moulay Abdelaziz, beschlagnahmt. Die Bauzeit des in andalusisch-maurischem Stil errichteten Palasts betrug sieben Jahre. Ein marokkanischer und ein französischer Architekt waren für Planung und Bauüberwachung zuständig. Wenngleich die Gestaltung der Räumlichkeiten manchmal etwas kitschig erscheinen mag, so bietet der Bau doch einen guten Einblick in das Geschmackempfinden und die Fähigkeiten der marokkanischen Kunsthandwerker gegen Ende des 19. Jh.
Musée Dar Si Said, das in einem gegen Ende des 19. Jh. errichteten Wesirspalast untergebracht ist und zu den sehenswertesten Museen Marokkos gehört.
Im langgestreckten Zugang zum Innenbereich sind mehrere handwerklich und künstlerisch bemerkenswerte Holztüren aus den Berbergebieten des Südens ausgestellt. Am Ende des Gangs steht ein eher unscheinbares, in seiner kunsthistorischen Bedeutung jedoch kaum zu überschätzendes Brunnenbecken, das in den Jahren 1002-1007 in Andalusien gefertigt und wohl schon Mitte des 11. Jh. nach dem Untergang des Kalifats von Cordoba nach Marrakech gebracht wurde, ist, bis vor wenigen Jahren in der Medresse Ben Joussef aufbewahrt worden. Zwei seiner ursprünglich vier Schauseiten sind zerstört. Die erhaltene Schmalseite zeigt zu beiden Seiten der Abschlussrinnen zwei Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Symbole der Mach. Die zerstörte Längsseite enthielt ehemals neben rein dekorativen Motiven auch zwei Inschriftbänder mit Widmungen an den Auftraggeber Die noch sichtbaren Reste ermöglichen eine ziemlich exakte Datierung. Die erhaltene Längsseite dagegen zeigt Formen von schön gearbeitetem Rankenwerk mit stark abstrahierten Blattornamenten, die im Gegensatz zu den variantenreichen Dekorationsformen am Minbar der Karaouine-Moschee in Fes bereits deutliche Tendenzen zur Wiederholung und Aneinanderreihung eines einzigen Motivs erkennen lassen, ohne jedoch die gesamte Fläche mit einem einheitlich gestalteten, unendlichen Muster zu überziehen.
Die weiteren Räume enthalten schöne Sammlungen von ausschließlich aus Silber gefertigtem Berberschmuck. In Aufbautechnik, das heißt, ohne Töpferscheibe gearbeiteter, unglasierter Berberkeramik. Produkte der arabischen Töpferkunst aus den Städten des Nordens mit typisch arabischen Ornamentmotiven sowie Waffen und Teppiche aus dem 19. und 20. Jh.
Ben Joussef – Medresse, einer Mitte des 14. Jh. unter dem Meriniden Sultan Abou el Hassan gegründeten Koranschule bzw. allgemeine höhere Lehranstalt, die allerdings ihre heutige Gestalt erst zwei Jahrhunderte später unter den in Marrakech residierenden Saadiern erhielt, die sie zur größten und bedeutendsten Schule des Maghreb machten. Erst im Jahr 1960 wurde der Lehrbetrieb eingestellt. Die Medresse wurde restauriert und für Besucher geöffnet.
Am Ende eines langgestreckten Gangs mit einer schönen, früher wohl auch bemalten Holzdecke bildet ein wunderschönes, aus gedrechselten Einzelteilen in Mashrabiya- Technik zusammen gefügtes hölzernes Portal, das von einem Rundbogen mit äußerem Strahlenkranz bekrönt wird, den Übergang zum Innenhof, dessen Mitte von einem großen rechteckigen Brunnenbecken eingenommen wird. Das Konstruktions- und Dekorationsschema folgt weitgehend dem der merinidischen Medressen von Fes, Meknes und Sale, wenngleich die dortigen Tendenzen zur vollständigen Ornamentierung und Verschleierung der Wandfläche hier nicht in gleichem Masse zu beobachten sind. Bis in etwa 1,50 m Höhe ist die Sockelzone zum Schutz vor Feuchtigkeit mit Kachelmosaiken in Form von aneinandergereihten Rosetten geschmückt. An den Pfeilern des Innenhofs, nicht jedoch im Bereich des Umgangs, schließen sich wundervolle, fastvegetabilisch wirkende Schriftbänder in Kursivschrift an. Darüber folgt, als obligatorischer Abschluss, ein umlaufendes Band aus schwarz-weiß ineinander verzahnten Zinnen, die häufig als stark abstrahiertes Lebensbaummotiv bezeichnet werden, die jedoch eher als gern verwandtes Schmuckmotiv (auch in Profanbauten) zu charakterisieren sind und sich u.a. aus römischen Vorbildern in den Mosaiken von Volubilis und Lixus ableiten lassen.
Oberhalb der mit Kachelmosaiken geschmückten Sockelzone schließt sich die Zone der Stuckarbeiten an, beginnend mit einem ebenfalls sehr schön gearbeiteten Kursivschriftband. Der anschließende Bereich ist teilweise undekoriert. Ein Merkmal, das sich bei den merinidischen Medressen und ihrem „Horror vacui“ nur selten findet und schon auf die alaouitische Medresse Echerratin in Fes vorausweist. Bestimmendes Schmuckelement in den großen Stuckpaneelen sind in unendlicher Manier aneinandergereihte Rauten, ein Motiv, das unter den Almoraviden und Almohaden entwickelt, in merinidischer und saadischer Zeit zur Blüte gelangt. Das ganze horizontale Tragwerk besteht aus mächtigen, an der Schauseite mit Ornamenten reich beschnitzten Zedernholzbalken, deren tragende Funktion jedoch durch die Dekorationsfülle und das Ineinandergreifen von Stuck- und Holzzone verschleiert wird.
Die Gehwände des Eingangs zum Gebetssaal sind geschmückt mit zwei reich reliefvierten Marmorplatten. Eine Seltenheit in Marokko und erst seit saadischer Zeit anzutreffen Eine wahrhaft sensationelle Stuckarbeit im Bogenlauf, in der die verschiedensten Einzelmotive (Rosetten, Muscheln, Pinienzapfen) zu einer dekorativen Einheit ohnegleichen zusammen geschmolzen sind. Ähnliche Ornamente findet man nur noch in den Kapitellen der Saadier-Gräber und des El Badi Palasts. Durch vier Marmorsäulen und vier mit Stuck überzogene Halbsäulen ist der Gebetssaal in drei Schiffe geteilt. Die Decke des Zentralraums wird gebildet von einer Artesonado-Kuppel, an der noch Spuren von Malerei zu sehen sind. Reiche Säulen im Innern umranden die Mihrab-Nisch., Ihre Sockelzone bleibt wie so oft undekoriert, doch der obere Bereich ist geschmückt mit wundervollen, teilweise fast freiplastisch gearbeiteten Stuckfeldern, oberhalb derer eine schöne Muqarnas-Kuppel mit Resten von einstiger Bemalung den Abschluss bildet.
Durchaus sehenswert ist auch die architektonische Gestaltung des Obergeschosses, das vom Vorraum über eine Treppe zugänglich ist und in dem sich wie üblich die Kammern der Studenten befinden. Über mehrere kleine Innenhöfe mit umlaufenden hölzernen Balkongittern gelangt Licht und Luft in die umliegenden Zellen, deren Eingänge, eine Seltenheit, von Stuckarbeiten eingefasst sind. Einige Zellen werden zusätzlich über sich zum Innenhof öffnende Fenster belichtet. Die nicht immer geöffnete Dachterrasse bietet einen schönen Rundblick über die Dächer der Medina.
Nach den Besichtigungen kehren wir zum Hotel zurück. Freizeit zum sich etwas erholen.
Abends, beim Verlassen des Hotels bietet sich den Teilnehmern ein erstaunlicher Anblick: Zahlreiche marokkanische Pferdekutschen säumen die Hoteleinfahrt. In diesen sogenannten Kaleschen geht es heute im Konvoi zu dem inmitten der Altstadt von Marrakech gelegenen typisch marokkanischen Palast, dem Restaurant Yacout. Renoviert dient dieser Palast als exklusives Restaurant. - von außen unscheinbar, von innen .... feenhaft!
Hier wird die Atmosphäre aus „1001 Nacht“ noch verstärkt. Man genießt auf der Dachterrasse den Welcome-Drink mit einem herrlichen Blick über die Medina und auf das Minarett der Kotoubia, bevor des traditionellen marokkanischen Abendessen serviert wird. Das exquisite Dinner wird von andalusischen Klängen, von Gnaoua-Musikanten untermalt.
8. Tag
Auch alles Schöne hat einmal ein Ende. Es heißt “Aufwiedersehn” sagen. Transfer zum Flughafen, Check-in, Paßkontrolle und Heimflug.
Reisetermine:
27.02.10 - 06.03.10
23.10.10 - 30.10.10
Preise:
1.680 € Person im Doppelzimmer
175 € Zuschlag Einzelzimmer
eingeschlossene Leistungen:
- Internationaler Flug von Europa nach Casablanca und zurück in Economy
- Transport in klimatisiertem marokkanischen Reisebus
- Deutschsprachiger marokkanischer Reiseleiter
- Spezialist in Architektur
- Lokale Reiseführung wo notwendig
- Alle vorgesehenen Eintritte
- 7 Übernachtungen in 4* Hotels in Halbpension
- Abschlussabend in Marrakech wie beschrieben
nicht eingeschlossene Leistungen:
- Reiseversicherung
- Getränke
- Persönliche Ausgaben
- Trinkgelder
Reiseanmeldung unter 0041 61 683 4885 oder Email.
Nennen Sie uns Ihren Wunschtermin, Name der Teilnehmer und Ihre Flugwünsche.
Für Fragen und Anregungen zur Reise stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
















