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Pizza Globale

Wie wird unsere Nahrung heute hergestellt? Dieser Frage ist der Wirtschaftsjournalist Paul Trummer nachgegangen und hat die Entstehung einer Tiefkühlpizza genauer unter die Lupe genommen. In seinem Buch "Pizza Globale" ( Econ Verlag) beschreibt er, welche Folgen die industrielle Fertigung moderner Nahrung für Mensch, Tier und Umwelt hat und welche politischen Entscheidungen dahinter stecken.

Er verfolgt den Weg der Zutaten beinahe über den ganzen Globus und macht damit anschaulich, wie der Preisdruck im Lebensmittelsektor - ausgelöst vor allem durch die großen Discounter - zu immer neuen Problemen führt. "Noch nie gaben wir so wenig für Essen aus, und noch nie waren die Probleme so zahlreich", meint Autor Paul Trummer. "Lag der Anteil der Nahrungsmittel bei den Ausgaben deutscher Haushalte 1970 noch bei 18,8 Prozent, sind es heute nur mehr 11,1 Prozent."

System der Ausbeutung

"Vielen Menschen ist kaum bewusst, wie Nahrung heute hergestellt wird", meint Trummer. "Die Preise für unser Essen sind oftmals so günstig, weil jemand anderer die Rechnung zahlt, von dem die Konsumenten nichts wissen." Besonders drastisch schildert Trummer das am Beispiel von Erntehelfern in Italien, die von 200 Euro im Monat ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Ihn schockierte, was er bei seiner Recherche im süditalienischen Rosarno erfuhr: "Da bleibt kein Geld für Miete übrig, und so schlafen die meist aus Afrika stammenden Erntehelfer auf dem kalten Betonboden einer aufgelassenen Fabrik, ohne Heizung, ohne Strom und ohne fließendes Wasser." Die Behörden wissen über diese lebensunwürdigen Bedingungen, in denen Menschen in einem EU-Land arbeiten, längst Bescheid - doch Abhilfe bleibt vorerst aus.

Verdrängt werden nicht nur die Lebensbedingungen der Saisonarbeiter, sondern auch die der Nutztiere, die die Basis liefern für Bratenstück oder Schinken. "Hier werden Tiere ohne Betäubung kastriert und verstümmelt, vegetieren ohne natürliches Tageslicht monatelang auf engstem Raum und sehen nie eine Wiese aus der Nähe." Nur 0,75 Quadratmeter Platz würden etwa einem Schwein zugestanden, erfuhr Trummer bei der Recherche, schon nach vier bis sechs Monaten endet das Leben des Tieres. Wie groß der Hunger der Europäer nach Fleisch ist, zeigen beeindruckende Zahlen: Um für jeden Europäer jährlich 86,6 Kilogramm Fleisch zu erzeugen, müssen 255 Millionen Schweine, 23 Millionen Kühe und Milliarden an Hühnern jährlich sterben. Perfektioniert wurde das System der Massentierhaltung in Deutschland: Mit 26,7 Millionen geschlachteten Schweinen war Deutschland 2008 der größte Schweinefleischerzeuger in der EU.

Milliarden-Subventionen

Generell nimmt die EU und die Politik entscheidenden Einfluss auf die Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik: 59,5 Milliarden Euro gibt die Union 2010 für die Unterstützung "Natürlicher Ressourcen" aus, 73,6 Prozent davon erhält die Landwirtschaft. Von den Milliardenzahlungen profitieren aber vor allem Großbetriebe: "Zwei Drittel aller EU-Bauern müssen laut offiziellen Zahlen mit weniger als 2000 Euro Förderung jährlich auskommen". Im Gegenzug erhalten rund 2700 Großbauern aber 5,4 Milliarden Euro.

Der Autor schildert weiter die Dominanz weniger milliardenschwerer Konzerne im Agrarbereich, wie Gentechnik über Tierfutter täglich auf unserem Teller landet oder wie uns Überangebot und niedrige Preise dazu verführen, große Mengen an Essen wöchentlich unangetastet in den Müll zu werfen. Er hat Bauern aus Deutschland, Italien, Rumänien oder dem Senegal ebenso interviewt wie Experten der UNO: "Alle sechs Sekunden stirbt ein Kind an Problemen, die durch Hunger verursacht wurden", schildert der Autor schockierende Zahlen - und lässt die UNO-Experten erläutern, wie man Hunger in absehbarer Zeit aus der Welt schaffen könnte.

Übergewicht

Schließlich geht es in diesem Buch auch um die verheerenden gesundheitlichen Folgen unseres westliche Ernährungsstils: "Zwei Drittel aller deutschen Männer und 50,6 Prozent der Frauen sind übergewichtig" macht Trummer auf entsprechende Statistiken aufmerksam, "weltweit ist die Zahl der übergewichtigen Personen laut UNO auf eine Milliarde explodiert." Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs oder Diabetes sind die Folge - und die Kosten für die Behandlung liegen allein in der EU bei 81 Milliarden Euro.

Dass es so nicht weitergehen kann, haben auch Millionen von Menschen in diversen Organisationen erkannt, von denen der Autor einige am Ende des Buches vorstellt. Abschließend gibt er Anregungen, wie jeder einzelne Konsument dazu beitragen kann, um die angeführten Probleme zu mindern: "Essen Sie weniger Fleisch, kaufen Sie regional, lernen Sie kochen und probieren Sie Neues aus", sind nur einige davon.

Pizza Globale
Paul Trummer
Econ Verlag
Preis: € (D) 17,95 / € (A) 18,50 / SFr 32,90
ISBN 987-3-430-20100-1
Mehr Infos: www.pizzaglobale.com

 


Veröffentlicht am: 05.10.2010

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