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21.10.2017

 

 

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Fahrradklau: Münster behauptet Spitzenplatz

Der Sommer ist vorbei und mehr als 360.000 Fahrräder sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz entwendet worden. Das ist das Ergebnis einer großen Kriminalitätserhebung der Verbraucherportals www.geld.de. Hierfür wollten die die Studiendurchführenden wissen: Wo sind eigentlich die Fahrrad-Klau-Hochburgen in den drei Ländern?

Diebstahlhochburgen sind nicht etwa die großen Städte oder Metropolen wie Berlin, München, Hamburg, Wien (AT) oder Zürich (CH) — sondern mittelgroße Städte wie Münster, Bern (CH), Oldenburg, Basel (CH), Celle oder Frankfurt (Oder). Für die Erhebung wurden die zuständigen Landeskriminalämter und Polizeidirektionen der größten Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz angefragt. Erschütternd: Allein in diesen 127 untersuchten Städten wurden im Jahr 2010 170.899 Fahrräder geklaut. Allein für die Bundesrepublik bedeutet das eine von Geld.de geschätzte Schadenshöhe von etwa 120 Millionen Euro.

Fahrrad-Diebstahl-Hochburgen


Die Studie belegt: Die absolute Hochburg beim Fahrraddiebstahl — gleichzeitig unsicherste Stadt für Fahrrad-Eigentümer — ist auch in diesem Jahr Münster. Auf 100.000 Einwohner entfielen 2010 1.828 gestohlene Fahrräder — 257% über dem Studiendurchschnitt. Absolut betrachtet trifft es etwa 14 Münsteraner Fahrradbesitzer pro Tag.

Positiv: Die Diebstahlsrate nahm gegenüber 2009 um 7% ab. Dennoch: Selbst Berlin — keine "Heile-Welt"-Stadt — scheint im Vergleich mit der westfälischen Studentenhochburg geradezu friedlich. Denn an der Spree werden dreimal weniger Fahrräder je 100.000 Einwohner geklaut. Platz zwei im Diebstahlsranking belegt, wie im Jahr 2009 auch, die Schweizer Bundeshauptstadt Bern. In der Stadt an der Aare kamen im vergangen Jahr 1.826 "Velos" (Schweizer Begriff für Fahrräder) pro 100.000 Einwohner abhanden — insgesamt 2.254.

Weitere Fahrrad-Klau-Hochburgen sind: Oldenburg (1.521 pro 100 Tsd. Einwohner)
Basel (CH, 1.502 pro 100 Tsd. Einwohner)
Celle (1.361 pro 100 Tsd.)
Frankfurt (Oder) (1.341 pro 100 Tsd.)
Dessau-Roßlau (1.268 pro 100 Tsd.)
Magdeburg (1.158 pro 100 Tsd.), Lübeck (1.116 pro 100 Tsd.)
Heide (1.104 pro 100 Tsd.)
Bremen (1.063 pro 100 Tsd.) oder Lüneburg (1.004 pro 100 Tsd.)

Insgesamt sind fast 32,3% der untersuchten 127 Städte für Fahrrad-Eigentümer "unsicher".

Betrachtet man nur die absolute Anzahl der gestohlenen Fahrräder, so stellt sich das Ranking etwas anders dar: Hier führt Berlin mit 19.942 gestohlenen Fahrrädern, gefolgt von Hamburg mit 11.241, Wien (AT) mit 6.502, Köln mit 6.172, Bremen (5.822) und München (5.345).

Sicherste Städte

Die Diebstahlsicherste Stadt Deutschlands für Fahrradfahrer ist laut Geld.de-Studie übrigens Remscheid. Dort werden im Schnitt 93% weniger Fahrräder geklaut, als in allen anderen untersuchten 126 Städten. Die Stadt im Bergischen Land verzeichnete 2010 nur 36 Diebstähle pro 100.000 Einwohner. Ähnlich sicher für Fahrradfahrer sind unter anderem:
Neunkirchen/ Saar (50 pro 100 Tsd.)
Balingen, Wuppertal (beide 59 pro 100 Tsd.)
Suhl (61 pro 100 Tsd.)

Aber auch Städte wie Stuttgart (139 pro 100 Tsd.), Wiesbaden (164 pro 100 Tsd.) und Lugano (CH, 191 pro 100 Tsd.) stuft die Geld.de-Studie als sicher ein.

Aufklärungsquote schwankt zwischen 60% und 1%


Übrigens: In Deutschland beträgt die Aufklärungsquote bei Fahrrad-Diebstählen nur niedrige 10,1%. Auffällig sind vor allem die gewaltigen Unterschiede. So schwanken die Quoten in Deutschland zwischen 60 und 2,1%. In Österreich zwischen 9,3 und 1% und in der Schweiz zwischen 8,7 und 1,2%. Die Gründe, warum in einigen Städten mehr Klau-Fahrräder den ursprünglichen Besitzern übergeben werden können als in anderen Städten, sind vielfältig. So wurde in Balingen, mit 60% Aufklärungsquote, eine Tätergruppe "aus Jugendlichen und Kindern ermittelt, auf deren Konto ein großer Teil der Diebstähle ging", so Peter Mehler von der Polizeidirektion. In Neubrandenburg konnte ein einziger Tatverdächtiger ermittelt werden, der allein für ca. 200 Fahrraddiebstähle verantwortlich sein soll. "Daraus resultiert die hohe Quote im vergangenen Jahr", so Andreas Scholz vom Polizeipräsidium Neubrandenburg.

Anders in Magdeburg: Obwohl es die bekannte "Soko Fahrrad" in der Elbe-Stadt nicht mehr gibt, ist die Aufklärungs-Quote noch relativ hoch: 29,5% (2009: 36,3%) "Eine Dienststelle bearbeitet mittlerweile diese Vorfälle zentral. Die Kollegen machen, ähnlich wie die Soko, nichts anderes", so Bernhard Wessner von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord. In München, mit 22,1% Aufklärungsquote, schauen die Beamten genau hin. Sven Müller, Pressestelle Polizei München: "Unsere Beamten sind sensibilisiert. Wenn ein Fahrer nicht zum Rad passt oder umgekehrt, etwa bei der Größe, werden diese Gefährte kontrolliert." Nach Auskunft der Polizei sind es eher Einzeltäter, die diese Diebstähle begehen — häufig auch Spontandiebstähle. Meist wird das Diebesgut verkauft und dafür Drogen oder Alkohol angeschafft. Bei der "Beute" handelt es sich dabei oft um schlecht gesicherte und nicht codierte Fahrräder.

Ähnlich gute Aufklärungsquoten wie Balingen oder Magdeburg weisen nur Neubrandenburg (51,2%), Pirmasens (32,3%), Fürth (28,6%), Erlangen (26%), München (22,1%), Chemnitz (21%), Bamberg (19%), Straubing (17,8%), Augsburg (17,5%) oder Remscheid (17,5%) auf.

Miserable Aufklärungsquoten, keine Erfolge für Ermittler

Am erfolglosesten arbeiten die Polizeibehörden unter anderem in oder am Rand der Alpen. So "glänzt" die Polizei in Salzburg (AT) mit einer Aufklärungsquote von einem mageren Prozent. Nicht viel besser sind Innsbruck (AT) mit 1,1 und Bern (CH) mit 1,2%. Die Polizei im beschaulichen Traunstein schafft auch nur 2,1%, die Schweizer Metropole Zürich 2,5%. Es folgen Städte wie Schwäbisch-Hall (2,8%), Esslingen (3,2%), Potsdam (3,4%), Linz (AT, 3,6%), Lugano (CH, 3,8%) oder Passau (3,8%).

Auffallend: Gerade in kleineren Städten müssten Fahrraddiebstähle mit mehr polizeilichem Engagement leichter aufgeklärt werden können. Dass die Aufklärungsarbeit nicht leicht ist, gibt die Polizei zu. Als Gründe für schlechte Aufklärungsquoten gibt Andreas Schogalla, Pressestelle Polizei Düsseldorf, beispielsweise an: "Es gibt bei solchen Diebstählen einfach keine Spuren, keine Hinweise auf den Täter. Wird das Schloss geknackt, ist das Rad weg."

Ein Hauptgrund für die große Anzahl an Fahrraddiebstählen, ist die Fahrlässigkeit vieler Besitzer. "Nicht nur, dass sie oft vergessen ihre Räder zu sichern, auch sind viele Schlösser ihr Geld und ihr Schutzversprechen nicht wert", so Schogalla. Ein Großteil der Schlösser lässt sich in wenigen Sekunden knacken — etwa durch Bolzenschneider. Diese "Werkzeuge" können die Diebe ohne viel Aufsehen unter der Jacke transportieren. Die oft beschworene Codierung der Räder sei trotz landläufiger Meinung kein Diebstahlschutz.

Deshalb der Geld.de-Tipp: 10% vom Kaufpreis des Fahrrades sollte der Besitzer unbedingt noch zusätzlich in die Sicherheit des Rades investieren. Geld.de machte den Test und meldete der Polizei in Leipzig den Diebstahl eines Fahrrades am Hauptbahnhof. Noch während sich der Ganove des Rades bemächtigte, kam von Seiten der Polizei: "Da können wir auch nichts mehr machen...". Zeuge des Vorfalls: Dr. Konstantin Korosides (Studienleiter).

Geringe Einkommen kein genereller Nährboden für viele Diebstähle


Da bei den geringen Aufklärungsquoten (9,8% Studiendurchschnitt) keine allgemeine Fahrrad-Dieb-Klassifizierung von Seiten der Polizei durchgeführt werden kann, versuchten die Studiendurchführenden über andere Parameter sich dem Thema zu nähern. Ausgeschlossen werden kann, dass grenznahe Lagen der Städte, vor allem nach Osteuropa, generell Fahrraddiebstähle begünstigen. Selbst die hohen Quoten in Frankfurt (Oder) und Neubrandenburg lassen sich nicht ausschließlich auf osteuropäische Diebe zurückführen.

Des Weiteren wurde untersucht, ob möglicherweise niedrige Bruttogehälter auf Landesebene in den untersuchten Städte "Nährböden" für vermehrten Diebstahl verantwortlich sind. Hier ist festzuhalten, dass sich nur 8% der 127 untersuchten Städte in D, AT und CH in diese Gruppe (hohe Diebstahlquote bei niedrigem Gehalt) einstufen lassen.

Auffällig: Speziell einige ostdeutsche Städte fallen in dieses Raster: So zeichnen sich Städte wie Frankfurt (Oder), Neubrandenburg, Dessau-Roßlau, Magdeburg, Cottbus, Leipzig, Potsdam oder Rostock durch einen zum deutschen Durchschnittsgehalt niedrigen Lohnstandard (zwischen 15 und 19% unter dem deutschen Durchschnitt) und verhältnismäßig hohe Diebstahlquoten (zwischen 53 und 162% über dem internationalen Durchschnitt) aus.

Auch bei einzelnen westdeutschen Städten zeichnet sich diese Konstellation ab: Oldenburg (Bruttogehalt -8% unter deutschen Schnitt, Diebstähle +197% über internationalen Schnitt), Celle (Bruttogehalt -4%, Diebstähle +166%), Lübeck (-9%, +118%), Heide (-13%, +116%) oder Lüneburg (-11%, +96%). In Österreich trifft dieser Umstand nur auf Salzburg und Innsbruck zu. Die "Mozart-Stadt" liegt beim Bruttojahreseinkommen 1% unter dem österreichischen Durchschnitt, jedoch bei den Diebstählen 38% über dem internationalen Durchschnitt. In der Hauptstadt von Tirol zeichnet sich ein "Lohn-Diebstahls-Verhältnis" von -6% zu +33% ab.

In der Schweiz trifft es nur Bern. Die schweizerische Hauptstadt liegt beim Gehalt 1% unter dem Schnitt, bei den Diebstählen jedoch 256% über dem Dreiländerschnitt. Doch Ausnahmen gibt es auch hier. Obwohl Neunkirchen/ Saar (Bruttogehalt -10%), Suhl (-19%) Hof (-6%), Gera (-23%) oder Lugano (CH, -14%) niedrigere Durchschnittsgehälter aufweisen, zählen die Kommunen bei den Fahrraddiebstählen zu den sichersten Städten in der Dreiländerstudie.

Nord-Südgefälle in Deutschland

Ähnlich wie beim Pro-Kopf-Einkommen, gibt es auch im Bereich Fahrrad-Klau seit Jahren das bekannte Nord-Süd-Gefälle in Deutschland. Auf den ersten sechs Plätzen liegen im Fahrraddiebstahl-Ranking und damit als "unsicher" bewertet, nur Bundesländer nördlich von Harz und Weser-Bergland. An der Spitze, mal wieder, Bremen. Mit 1.053 Diebstählen pro 100.000 Einwohner verzeichnet das Bundesland, bestehend aus den Städten Bremen und Bremerhaven, eine fast doppelt so hohe Quote wie Hamburg auf dem zweiten Platz. In der Metropole an der Elbe verschwanden "nur" 634 Räder pro 100.000 Einwohner. Platz drei belegt das Land zwischen den Meeren, Schleswig-Holstein. Hier kamen 2010 618 "Drahtesel" pro 100.000 Einwohner abhanden. Platz vier und fünf gehen an Berlin und Brandenburg. Rund um Spree und Havel verschwanden 579 und 557 Räder pro 100.000 Einwohner. Niedersachsen (526 pro 100 Tsd.) komplettiert das "unsichere" Sextett.

Ebenfalls überdurchschnittlich viele Räder werden noch in Sachsen-Anhalt (479 pro 100 Tsd.), Mecklenburg-Vorpommern (474 pro 100 Tsd. und Nordrhein-Westfalen (469 pro 100 Tsd.) gestohlen. Deshalb fallen auch diese Länder in die Kategorie "unsicher".

Das Mittelfeld bildet der Freistaat Sachsen (334 pro 100 Tsd.).

Als "sicher" können sich immerhin sechs Bundesländer bezeichnen. Dies sind: Hessen (235 pro 100 Tsd.), Baden Württemberg (230 pro 100 Tsd.), Bayern (220 pro 100 Tsd.), Rheinland-Pfalz (187 pro 100 Tsd.), Thüringen (150 pro 100 Tsd.) und Saarland (91 pro 100 Tsd.). Positiv: Fast alle Bundesländer verzeichnen einen Diebstahlrückgang, sogar die Diebstahl-Hochburgen Bremen (-17,4%), Hamburg (-13,4%) oder Schleswig-Holstein (-12,3%). Allein der Freistaat Sachsen fällt aus der Reihe: +5,4%.

Insgesamt wurden in Deutschland 375 Räder pro 100 Tsd. Einwohner im Jahr 2010 gestohlen. Dies sind immerhin 11,2% weniger Diebstähle als 2009.

Tipps vom Experten

Geld.de empfiehlt: "Man muss es dem Dieb so schwer wie möglich machen. Wenn das Schloss schwierig zu knacken ist, lässt er die Hände davon", so Friedrich Wiedemann, Geschäftsführer von Geld.de. Wiedemann rät, dass Fahrräder besonders über Nacht im Keller oder in der Garage an festen Gegenständen gesichert werden. Außerdem empfiehlt das Verbraucherportal geld.de in der Hausratsversicherung grundsätzlich einen Fahrrad-Diebstahlschutz zu integrieren. Das mache den Diebstahl nicht ganz so schmerzlich.

Diebstahlgeplagte Münsteraner könnten beispielsweise für bereits 81,39 € im Jahr eine solche Versicherung abschließen. Wie bei Kfz-Versicherungen gilt auch für die Hausratsversicherung: Je weniger Schaden, desto niedriger der Beitrag. Im sicheren Remscheid zahlt man für die gleiche Versicherungsleistung nur 58,92 €.

 


Veröffentlicht am: 21.11.2011

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