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Industriekultur in Brandenburg

Nach seiner 2009 erschienenen "Industriekultur in Berlin" hat Jörg Raach 2010 mit "Industriekultur in Brandenburg" ein weiteres Werk zur regionalen Industriegeschichte vorgelegt. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege - dessen Referent für technische Denkmale an dem Buch beteiligt war und ein umfangreiches Vorwort beisteuerte - wird hier, übersichtlich nach Landkreisen strukturiert, das ganze Spektrum jener über 90 noch erhaltenen wichtigen Industrie-, Verwaltungs- und Versorgungsbauten vorgestellt, die das Wirtschaftsleben dieser Region bestimm(t)en. Auf meist je einer Bild- und Textseite kurz, präzise und doch unterhaltsam beschrieben, erschließen sich dem Leser Baugeschichte, Funktion und Nutzung dieser Objekte.


Damit wird jedoch zugleich auch die Interdependenz zwischen nationalen militärstrategischen, politischen und ökonomischen Entscheidungen und regionaler Wirtschafts- und Industriegeschichte deutlich, die in Brandenburg insbesondere die Jahre nach 1871 (Reichsgründung, Industrialisierung) und 1990 (Wiedervereinigung, De-Industrialisierung) bestimmten: So zeigt dieses Buch in einer Momentaufnahme aus dem Jahr 2010 insbesondere Resultate und Auswirkungen des politisch-ökonomischen Umbruchprozesses nach 1990, der beim Leser Freude und Neugier, aber auch Wehmut weckt: Freude über die - seltene - Weiterführung von Industriebetrieben (wie das ehemalige Eisenhüttenkombinat Ost) und den erfolgreichen Transfer von Industriebetrieben in Industriedenkmäler - optisch eindrucksvoll mit dem auf dem Einbandfoto abgebildeten, nun begehbaren Bio-Türmen in Lauchhammer dokumentiert.

Ein wenig Wehmut aber stellt sich dann doch ein, wenn der Verfall architekturgeschichtlich bedeutsamer Bausubstanz zu dokumentieren ist: so die beiden heute ungenutzt leer stehenden Gebäude der ehemaligen Lokomotivfabrik Orenstein & Koppel in Potsdam und des Kraftwerks Heegermühle in Eberswalde, die wie Mahnmale einer längst vergangenen Industrieepoche in unsere Zeit hineinragen. Beispielhaft für eine erfolgreiche und häufig noch nicht abgeschlossene Nutzung jedoch steht schließlich der frühere Flughafen Rangsdorf. Neben seinem leeren Tower (Baujahr 1935) hat sich auf dem anschließenden Gelände einer früheren Flugzeugfabrik ein Künstlerehepaar mit Atelier und Lager etabliert, und ein Förderverein betreibt dort ein kleines Luftfahrtmuseum.

So ist dieses Buch auch ein kleines Denkmal für das Engagement all jener vielen Einzelpersonen und regionalen Initiativen, die das industriegeschichtlich wichtige Erbe Brandenburgs - und damit auch regionale Identität - bewahren helfen. Deshalb ist der "Industriekultur in Brandenburg" eine besonders große Resonanz bei all jenen zu wünschen die sich, privat oder in öffentlichen Institutionen, für wichtige Zeugnissen des Industriezeitalters und deren Erhalt interessieren. Für all die Neugierigen aber, für die die Verbindung von "Industrie" und "Kultur" noch ein wenig fremd und ungewohnt ist, eröffnet sich hier eine Fundgrube an Erkenntnissen und Einsichten in regionale und nationale Geschichte.

Sie für sich zu erschließen fällt nicht schwer, da der Autor, ein profunder Kenner der Materie, dem Leser keine Wertungen aufnötigt. Damit bietet er dem Leser Spiel-Raum zum individuellen Reflektieren, was dieses Buch nicht nur lesenswert macht, sondern Buch und Autor uns auch sympathisch.

Rezensent: Wolfgang Schmidt

Industriekultur in Brandenburg
Jörg Raach
L & H Verlag
Preis: 24,80 Euro

 


Veröffentlicht am: 24.06.2012

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