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Aufgespießt: (keine) Dichter und Denker

(Helmut Harff / Chefredakteur) Wir Deutschen lieben es, wenn unser Land als das der Dichter und Denker bezeichnet wird. Fast noch mehr lieben wir es, genau das in Frage zu stellen. Die kulturellen Eliten üben sich genauso wie viele Journalisten und Politiker darin, uns abzusprechen, ein Land von Dichtern und Denkern zu sein.

Sicherlich stimmt, dass die deutsche Geschichte nicht eine Geschichte von hochgeehrten Genies ist. Und viele, auf die wir mehrheitlich mit Stolz blicken, haben mehr als eine sprichwörtliche Leiche im Keller. Dennoch können wir Stolz auf den Teil unsere Geschichte sein, die uns den Ruf des Landes der Dichter und Denker eingebracht haben.

Und heute? Da versteigt man sich in allgemeinem Kulturpessimismus. Das Untergang des Abendlandes ist ein gern diskutiertes Thema an den Stammtischen - heute Talkshows genannt - und in den Feuilletons von Zeitungen und Magazinen. Doch sind wir heute kein Volk mehr, dass ein großes Interesse an Dichtern und Denkern hat? Ich bin davon überzeugt, dass wir genau das nicht sind.

Einige Beispiele gefällig? Die Zahl der Theater- und Kinobesucher in Deutschland ist im ersten Halbjahr gestiegen. Ein gutes Argument für die große Dichte von Theatern, Opernhäusern und Kinos in Deutschland. Interessante Ausstellungen in großen und kleineren Orten sorgen regelmäßig für lange Schlangen an den Kassen und die Öffnungszeiten müssen verlängert werden. Es gibt kaum einen etwas größeren Ort in der Republik, in dem man nicht jeden Tag Kultur genießen kann. Und die Menschen nutzen die Angebote.

Auch die Dichter sind nicht verschwunden. Immer mehr Menschen veröffentlichen Ihre Bücher - auch und vor allem Dank der modernen Medien. Die sind - vernünftig genutzt - ein sehr gutes Medium, um Dichtern und Denkern neue Ausdrucks- und Austauschmöglichkeiten zu eröffnen. Das Internet ist vor allem eine kulturelle Errungenschaft wie der Buchdruck, das Radio oder der Film. Daran können auch Kulturpessimisten nichts ändern. Daneben gibt es landauf, landab tägliche Lesungen von Autoren aus ganz altmodisch auf Papier gedruckten Büchern in den unterschiedlichsten Locationen.

Deutschland ist nach wie vor ein Volk von Denkern, wir gerade in Berlin auf der Campus Party auf dem Gelände des ehemaligen Flughafen Tempelhof erleben dürfen. Hier diskutieren rund 10.000 Menschen über unsere Zukunft. Ohne Denker geht das wohl kaum.

Deutschland ist auch ein Land von hochbegabten bildenden Künstlern. In vielen Galerien und Museen der Welt kann man ihre Werke bewundern. Die künstlerische Welt ins Land bringen unzählige Galerien und Sammler. Gerade letzter sorgen dafür, dass viele interessante zeitgenössische Werke der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden.

Sorgen machen mir nur die Mächtigen in diesem Land. Einst waren es die Herrschenden, die Deutschland zum Land der Dichter und Denker gemacht haben. Sie umgaben sich mit intelligenten und kreativen Köpfen, förderten Kunst und Wissenschaft. Heute setzte man gerade hier den Rotstift an. Ich sehe kaum Dichter und Denker im direkten Umfeld der Macht (sorry, wenn ich jemand übersehen habe). Ich hoffe, dass Krisenerscheinungen nicht wieder dazu führt, dass die materiell Mächtigen ihre Engagement für die Dichter und Denker "überdenken" - sprich drosseln.

Ich genieße immer wieder, im Land der aktiven und nicht mehr aktiven Dichter und Denker zu leben. Ich freue mich über jedes intellektuelle und künstlerische Erlebnis, jeder Entdeckung, selbst über die eine oder andere Enttäuschung.

Mein Tipp: Tun Sie es mir gleich. Kunst und Kultur machen Spaß, sind die besten Mittel zu einem entspannten Miteinander. Genießen Sie es einfach, in einem Land der Dichter und Denker zu leben.

 


Veröffentlicht am: 27.08.2012

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