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Morgengruß von Helmut Harff: Glückliches Volk

Heute vor genau 23 Jahren stellte der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin Walter Momper vor dem Schöneberger Rathaus fest: "...Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt.". Da war es noch keine 24 Stunden her, dass die DDR-Bürger, ich kann sagen "wir DDR-Bürger", unter tatkräftiger Mithilfe von SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die Mauer zwischen Ost und West zuerst einmal einen Spalt breit öffneten.

Auch ich, damals Mitglied im Landessprecherrat der Bürgerrechtsbewegung "Neues Forum", war voller Euphorie. Es war der greifbare Anfang vom Ende der DDR. Die Maueröffnung war, worauf wir Deutsche in Ost und West seit Jahrzehnten gehofft und gewartet hatten. Nun ging alles schnell, unspektakulär und fast preußisch korrekt. Allerdings zeigten sich die Grenztruppen wenig preußisch, denn sie dachten und handelten selbstständig. Der Slogan der Groß-Demos in der DDR "Keine Gewalt" hat wohl deutlich nachhaltiger gewirkt als die Durchhalteparolen von Neu-DDR-Chef Egon Krenz.

Mir war aber auch klar, dass wir als DDR-Opposition keinen Plan für ein solches Ereignis hatten. Wir wollten ja eine andere DDR, eine mit Reise-, Rede- und Versammlungsfreiheit, eine mit einem Mehrparteiensystem und freien Wahlen - aber eine DDR. Wie ich wenig später mit Erschrecken feststellen musste, gab es in Bonn - der Hauptstadt von Deutschland-West - auch keine Pläne für ein einiges Deutschland. Das hatte man wohl überhaupt nicht auf dem Schirm.

Heute, 23 Jahre nach der so emotionalen Maueröffnungsnacht vom 9. auf den 10. November 1989, frage ich mich, warum  so wenig von dieser Euphorie übrig ist. Warum sind wir heute nicht mehr das glücklichste Volk? Wenn wir uns in der Welt umsehen, so könnten wir es sein. Es gibt nicht viele Völker, die auf so hohem Niveau jammern können wie wir. Damals, unter dem Eindruck der Ereignisse bei uns, aber auch in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei und vor allem in der UDSSR, war das Glas für uns mehr als voll. Heute ist für viele das Glas fast leer. Ist das wirklich so?

Nun mache ich mir erst einmal mein Frühstück. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich am 10. November 1989 gar nicht gefrühstückt. Ich war viel zu aufgeregt.

Ihnen wünsche ich ein schönes Frühstück - und die Erkenntnis, dass das Glas sicherlich noch mindestens halb voll ist. Sehen Sie einmal unvoreingenommen hin.

 


Veröffentlicht am: 10.11.2012

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