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Ein Leben in China – Der lange Weg von Maos Kindern an die Macht

(Margrit Manz) Der chinesische Comic-Autor Li Kunwu und sein französischer Kollege Philippe Autier, alias P. Otié, zwei kongeniale Künstler, deren Werdegang und Wahrnehmung der Welt vorerst unterschiedlicher nicht hätte sein können, haben sich vorgenommen, die Geschichte Chinas von der Machtergreifung Maos bis in die Gegenwart in Form einer graphic novel zu erzählen.

Im ersten Band „Die Zeit meines Vaters“ berichtet Li Kunwu von seinen eigenen biografischen Erfahrungen während des „Grossen Sprung nach vorn“ und der Kulturrevolution, von der Kindheit des „Kleinen Li“ bis zum geschichtsträchtigen Datum, dem Tod Maos am 9. September 1976.

Das Leben der am Anfang der Fünfziger Jahre Geborenen gleicht einem Geschichtsbuch. Diese Generation von „Maos Kindern“ hat Hungersnöte und Katastrophen durchlitten, mit Enthusiasmus und dem „kleinen roten Buch“ in der Hand die immer neuen Kampagnen bestritten, aber auch den Hoffnungsschimmer bewahrt, dass ihr Leben sich zum besseren wende. Die beschleunigten wirtschaftlichen Veränderungen nach 1976 haben den Abstand zwischen den Generationen zunehmend verkürzt. Die Jüngeren haben mit dem Wertekonsens ihrer Eltern nichts mehr zu tun, haben Mühe sie zu verstehen, ihren damaligen Einsatz mit Haut und Haar nachzuvollziehen.

Die Fünfziger-Jahre-Geborenen sind diejenigen, die heute an der wirtschaftlichen und politischen Spitze ihres Landes stehen. Sich mit ihrer Geschichte zu befassen, heisst die Geschichte Chinas zu verstehen, das heute Erfolg und Anerkennung behauptet, um keinen Preis die Fehler der Vergangenheit wiederholen und ein selbstbewusstes, modernes Land aufbauen will. China soll wieder zum Reich der Mitte werden.

Die Geschwindigkeit der Veränderungen ist atemberaubend. Wer sich der „sozialistischen Marktwirtschaft“ anvertraut oder sich zu den Ufern des real existierenden Kapitalismus aufmacht „stürzt sich ins Meer“, sagt ein chinesisches Sprichwort. So gross scheint der Sprung nach vorn zu sein, dass die Erben Maos Schwierigkeiten haben, heute noch Inhalte des „Roten Büchleins“ in irgendeinem Bereich der Gesellschaft wiederzufinden. Als Widerspruch der Geschichte wird das nicht betrachtet, „70 % waren gut, 30% schlecht“.

Wer sich für die Geschichte Chinas interessiert, erhält im ersten Band „Ein Leben in China – Die Zeit meines Vaters“ einen ungeschönten Einblick in den Alltag einer ganz normalen Familie. Wer sich schon eingehender mit den Geschehnissen zwischen 1958 bis 1976 beschäftigt hat, wird jedes Detail auf den Zeichnungen entdecken und einordnen können.

Der zweite Band „Die Zeit der Partei“ setzt die Geschichte nach Maos Tod 1976 fort und erzählt von den Machtkämpfen innerhalb der politischen Elite. Deng Xiaoping, selber mehrmals Opfer von „Säuberungsaktionen“, entscheidet diesen Kampf für sich und verändert das Reich der Mitte mit seiner „Reform- und Öffnungspolitik“ grundlegend. Die im chinesischen Volk vorhandenen Energiereserven werden zu neuem Leben erweckt und das ganze Land zu riesigen Industriegebieten umgestaltet, Millionenstädte entwickeln sich, ein neues China entsteht. Dreissig Jahre später wird es zu einer der stärksten Wirtschaftsmächte aufsteigen.

Aber vorerst, in Band II, entdeckt der „Kleine Li“ der sich als Soldat und Kuhhirte durchgeschlagen hatte, sein Talent als Propagandazeichner in der Armee. Nach mehreren Anläufen schafft er es sogar in die Kommunistische Partei aufgenommen zu werden.

Ob in Bild oder Text, diese graphic novels reissen mit. Geschichte einmal ganz anders erzählt, und um kein bisschen weniger tiefgründig und berührend als ein herkömmlicher Roman. Man darf gespannt sein auf Band III, der im Herbst 2013 bei der Edition Moderne in Zürich erscheinen wird: „Ein Leben in China“ - Die Zeit des Geldes.

Philippe Otié, Pseudonym von Philippe Autier, geboren 1964 in Frankreich, lebte vor allem in Südamerika und Asien. Seit 2008 ist er Direktor der Exportförderungsorganisation Ubifrance in Wuhan/China. In seiner Freizeit betätigt er sich als Comic-Autor.

Li Kunwu, geboren 1955 in der Provinz Yunnan, publizierte bisher schon über 30 Comic-Alben. Früher zeichnete er vor allem propagandistische Comics für die Kommunistische Partei Chinas. Heute widmet er sich ethnographischen Studien über die kulturellen Minoritäten in Yunnan.

EIN LEBEN IN CHINA - DIE ZEIT MEINES VATERS
Autoren: Philippe Otié/Li Kunwu
Zürich: Edition Moderne
Preis: 29.80 SFr. / 24.00 Euro
ISBN 978-3-03731-102-8

EIN LEBEN IN CHINA - DIE ZEIT DER PARTEI
Autoren: Philippe Otié/Li Kunwu
Zürich: Edition Moderne
Preis: 29.80 SFr. / 24.00 Euro
ISBN 978-3-03731-104-2

 


Veröffentlicht am: 23.04.2013

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