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Liaison d'amour im Porzellanikon Hohenberg

Wenn ein pflanzenbeschuhter, freizügiger Pan in seine Flöte bläst, wenn einem Lyra spielenden Orpheus Hasen wie Löwen träumerisch zu Füßen liegen, wenn ein russischer Bauer seiner andächtig lauschenden Frau Schwermütiges auf der Domra vorspielt, wenn ein höfisches Paar des Rokoko einander sich zuneigt im gemeinsamen Musizieren oder Elvis trotzig über die Saiten seiner Gitarre schrammt – dann suchen alle diese Bilder etwas festzuhalten, was doch schon längst verklungen ist: den Ton der Musik, die Melodien, die diese Figuren musizierend erzeugten.

Oder: Ist es nicht viel mehr die Wirkung, die Musik auf uns ausübt und in uns hinterlässt und die diese hier beschriebenen Porzellanarbeiten aus vier Jahrhunderten dauerhaft zu bannen suchen? Die Wirkung, die Musik auf Musizierende wie auf Zuhörer hat – seien es Menschen, Tiere, Götter, Engel oder sonstige himmlische oder eher irdische Zwischenwesen?

Die Ausstellung „Liaison d‘amour“, die das Porzellanikon – Deutsches Porzellanmuseum in Hohenberg a. d. Eger mit seiner neuen Ausstellung ab dem 17.05.2013 zeigt, beweist, dass die Emotion, die die Musik hervorzurufen im Stande ist, schon seit Menschengedenken währt. Dass dieser Zauber auch dauerhaft nachspürbar bleibt, daran sind im Falle dieser Ausstellung Porzellankünstler schuld.

Das Sujet der Musik inspirierte sie seit der Nacherfindung des Weißen Goldes vor über dreihundert Jahren in Europa immer wieder. Vom Barock über das Rokoko bis zum Jugendstil und schließlich den Figurinen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, zeigt die Ausstellung mit gut 150 Exponaten, wie unterschiedlich die künstlerische und weltanschauliche Darstellung des Musikalischen dabei war. Dabei wird die Vielfalt des individuellen Ausdrucks und der jeweiligen Moden der Zeit präsentiert.

Vollplastische Arbeiten dominieren dabei die Schau, ob stark farbig koloriert, zart bemalt oder schließlich ganz in weiß. Sie schildern die Macht der Musik, die Kommunikation der Melodien und Töne jenseits der Sprache. Gerne lässt man sich auf die höfisch-heiteren, manchmal durchaus skurrilen oder grotesken Darstellung (zwei Ludwigsburger „Volkstypen“ aus dem 18. Jh.) ein.

Erotische Anspielungen und eine Vorliebe für mythologische Darstellungen (etwa eine Loreley von Rudolf Schwanthaler um 1880-85) belegen das verführerische, betörende Element der Musik. Musizierende Engel (z.B. die Puttenkapelle aus der Von Schierholz‘schen Porzellanmanufaktur Plaue GmbH in Plaue) hingegen sprechen von der göttlichen Macht der Musik, die Länder und Welten umspannt.

Die Reinheit der Porzellanerde, die strahlenden Farbtöne und das Tiefenlicht der durch und durch weißen Körper scheinen besonders gut geeignet, etwas derart Sphärisches wie Musik und ihre Wirkung darzustellen. Die meisterliche kunsthandwerkliche Nutzung des Werkstoffes Porzellan und seiner Eigenart, bringt sowohl äußerste Zartheit in den Modulationen wie auch eine große Klarheit in den formalen Kompositionen zum Ausdruck – egal, ob die Darstellungen ins Humorvolle oder eher ins Tiefgründige zielen.

Der Intimität des musikalischen Moments und des persönlichen Erlebens wird in den kleinformatigen Darstellungen bestens gewahrt, ja konzentriert. Auch deshalb scheint sich Porzellan für eine derartige „Liaison d’amour“ mit der Musik und ihrer Wirkung auf die wesenhafte Welt durch die Jahrhunderte direkt anzubieten.

 


Veröffentlicht am: 12.05.2013

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