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„Am Anfang war das Zeichen“

(Margrit Manz) „Regen ist nicht nur ein visuelles, sondern auch ein akustisches Ereignis. Regen kann ganz unterschiedlich klingen“. Chinesische Gelehrte und Dichter lauschten aufmerksam den auf Lotus- und Bananenblätter herabfallenden Tropfen, beschrieben den Klang, ihre Gefühle und Stimmungen. „Beim Anblick der fallenden Tropfen im Zeichen yu scheint mir, als würde ich den Regen hören können“, sagt die Autorin Hsien-Lan Chen.

Die gebürtige Taiwanesin promovierte, nachdem sie Französische Literatur an der Sorbonne in Paris abgeschlossen hatte, 2002 an der Universität Zürich. Seit mittlerweile 20 Jahren ist sie in Europa zu Hause, arbeitet in der Medienbranche sowie als Assistenz-Professorin. Die Kommunikation ist ihre Welt, die Schriftzeichen werden ihre Obsession. Sie spürt, dass sich hinter deren Bild und Klang nicht nur eine jahrtausendealte Historie verbirgt, sondern auch über Generationen weitergegebene Mythen und Legenden. Einer riesigen Schatzkammer gleich öffnete sich vor ihr ein Tor, dessen Lösungswort „Code der Zeichen“ hiess.

Vorgelegt hat sie nun das Ergebnis ihrer Forschungstätigkeit auf dem Gebiet der Sprache, einen kleinen Band, in dem nicht nur die Geschichte der über fünftausend Jahre alten chinesischen Schriftzeichen erzählt, sondern auch ihre Herkunft erkundet wird. Mit 25 Zeichen, deren Begriffen und Bildern, hat die Autorin einen Zugang zu dem Verständnis der chinesischen Sprache, der Kultur und des Denkens geschaffen. Wichtig war ihr, die Ähnlichkeiten und Unterschiede der westlichen und östlichen Lesart herauszuarbeiten. Doch nicht das trennende war vordergründig, sondern das verbindende. Um es mit dem chinesischen Sprichwort zusagen, „einen Backstein hinwerfen, um einen Jadestein anzulocken“, wollte sie die Neugier der Leser am vermeintlich Fremden entfachen.

„In Träumen, Spiegeln und Wasser trifft man den Himmel und die Erde.“ (Chinesisches Sprichwort)

Hsien-Lan Chen hatte nie damit gerechnet, einmal etwas über chinesische Schriftzeichen zu schreiben, zumal noch auf Deutsch. Erst beim Unterrichten hat sie angefangen, über ihre Muttersprache neu nachzudenken. Die Fragen der Studenten haben sie motiviert, noch einmal nach plausiblen Erklärungen zu suchen und an den Anfang der Zeichen zurückzugehen. Sie beschreibt diesen Weg selber, als einem Ruf, dem sie folgen musste. Im Chinesischen würde man sagen „Der Berg wendet sich nicht, doch der Weg.“

Unter den 25 in ihrem Buch ausgewählten Zeichen befinden sich u. a.: Mensch, Berg, Wasser, Reis, Frau, Ich etc. Aber auch das Herz, in dessen Zeichen das Denken vorkommt. „Wahrscheinlich denken die Chinesen mit dem Herzen, nicht mit dem Kopf“, sagt Hsien-Lan Chen lachend. „Aber dahinter verbirgt sich auch die ernste Seite, denn tatsächlich gehören Fühlen und Denken für einen Chinesen zusammen“, ergänzt sie. Das spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Alles hängt mit allem zusammen, Wasser wird Wolke wird Regen wird Dampf usw.

Der Autorin ist ein kleines komprimiertes Meisterwerk gelungen, dessen Geschichten über die Herkunft der Zeichen, dem Leser einen Schlüssel in die Hand geben, der chinesischen Sprache und damit seiner Kultur ein Stück näherzukommen. Sie umfasst alle möglichen Formen der Kommunikation. Auch Augen und Gesten „sprechen“. „Die chinesischen Zeichenschöpfer haben das wahrscheinlich schon früh gewusst“, sagt Hsien-Lan Chen.

Kurz und gut, es macht Freude in diesem kleinen Band zu blättern und sich festzulesen. Obwohl in schwarz/weiss gehalten, verströmt es kräftige Farben, zarte Töne und einen feinen Duft aus China.

„Am Anfang war das Zeichen“ - Schriftzeichen als Schlüssel zur chinesischen Welt
Hsien-Lan Chen,
Berlin: epubli GmbH
Preis: 28,00 SFr. / 19,90 Euro
ISBN 978-3-8442-1128-3

Foto: Hsien-Lan Chen, Hans Kaspar Hugentobler

 


Veröffentlicht am: 23.05.2013

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