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Aufgespießt von Helmut Harff: Oh, diese Jugend

(Helmut Harff / Chefredakteur) Die Klagen über die nachfolgende Generation durch die Eltern- und Großelterngeneration geht wahrscheinlich schon auf die Höhlenmenschen zurück. Genau so lange beklagen sich auch die Jungen über die Bevormundung der "Alten". Ja, das Verhältnis zwischen den Generationen ist nicht immer einfach.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich und viele aus meiner Generation in jungen Jahren als Gammler bezeichnet wurden. Was machte uns damals in den Augen der Älteren zu einer "verlorenen Generation"? Es waren Äußerlichkeiten. Wir trugen lange Haare, Bart, Jeans, Natoparker, Pali-Tuch und je nach Jahreszeit Jesus-Latschen oder wildlederne Tramper. Damit war man für viele Menschen eben ein Gammler, ein Nichtsnutz, dem man das Arbeiten beibringen musste. Dabei wurde völlig vergessen, dass man in der DDR ohnehin arbeiten musste. Sonst bekam man es mit dem Staat richtig ärger.

Wieso ich mich daran erinnere? Ich hatte gerade ein interessantes Erlebnis: Auf der Straße in der Berliner City machten einige junge Leute Musik. Das ist nichts Ungewöhnliches. Die junge Frau und die beiden gleichaltrigen Männer verstanden aber ihr Metier. Einige ältere Herrschaften gingen vorbei und äußerten lautstark, dass "diese Penner" lieber arbeiten gehen sollten, als hier zu betteln. Ich fand das ziemlich daneben, schließlich standen viele Menschen um die jungen Musiker und spendeten nicht nur Applaus.

Ich sprach die "Meckerer" an, die gar nicht so viel älter waren, als ich selber bin. Sie waren darüber sichtlich irritiert. Doch es ergab sich ein Gespräch, dass von Vorurteilen belastet war. Ich holte die Musiker dazu. Es stellte sich heraus, dass die nicht faul sondern Musikstudenten waren. Dann wurde es lustig: Denn es stellte sich heraus, dass die jungen Leute am Abend im Rahmen der Young Euro Classic im Berliner Konzerthaus musizieren werden. Genau dieses Konzert war das Ziel der älteren Herrschaften.

Von einer Minute auf die andere standen sich nicht mehr jugendliche "Penner" und alte "Meckerer" gegenüber. Plötzlich begegneten sich Musikbegeisterte aus zwei Generationen miteinander. Man sprach über Musik, das Studium und selbstverständlich über das Konzert an Abend. Angesichts der Hitze hatte man sich unter den Schirm eines Straßencafés zurückgezogen. Die älteren Musikliebhaber hatten die jungen und so interessanten Musiker eingeladen.

Ich wollte noch man auf die Vorurteile zurückkommen. Man war etwas verlegen, vor allem auf der Seite der "Alten". Die stellten nämlich fest, dass sie als Altachtundsechziger viel aufmüpfiger wären, als die meisten Jugendlichen von heute. Wir alle konnten dann mit viel Überzeugung feststellen, dass Vorurteile zumeist fehl am Platz sind. Einer der jungen Musiker meinte dann, dass er sich hoffentlich an diese Begegnung erinnert, wenn er erstmals "Oh, diese Jugend" denkt. Dem stimmten alle lachend zu.

 


Veröffentlicht am: 05.08.2013

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