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Neu in Berlin: Galerie SEXAUER

Eine Tür schließt, eine neue geht auf. So auch in Berlin. In einer ehemaligen Industriehalle eröffnet der Anwalt und Kulturveranstalter Jan-Philipp Sexauer seine Galerie SEXAUER mit der ersten Berliner Einzelausstellung des Künstlers Jay Gard. Gezeigt wird u.a. die monumentale Installation „Torbogen“.

Die Arbeiten: „Torbogen“ und „ScrapPaintings“


Ein gewaltiger „Torbogen“ wölbt sich diagonal durch die Ausstellungshalle. Elf Meter lang, fast 5 hoch. Die Installation besteht aus 20 von Jay Gard handgefertigten Sideboards gleicher Bauart, inspiriert von der Möbel-Serie „602“ des DDR-Designers Franz Ehrlich. Nur ein Sideboard steht „richtig“ auf dem Boden und ist potenziell gebrauchsbereit. Die restlichen 19 entfalten sich, in Form eines riesigen Bogens montiert, durch die Halle.

Die Besucher sind eingeladen, die Arbeit durch Hindurchschreiten und Umgehen, räumlich und körperlich zu erfahren. Der vorherrschende skulpturale Effekt wird kurzzeitig durch den Eindruck einer filmischen Sequenz gebrochen. Wie ein angehaltener Film, bestehend aus Einzelbildern, werden so 19 Phasen eines denkbaren „Kommodenwurfes“, durch das vervielfältigte Objekt selbst, im Raum inszeniert.

Jay Gard zitiert mit der zwanzigfach vervielfältigten Kommode und ihrer slapstickhaften Inszenierung als Torbogen weniger Kindheitserinnerungen seiner Biografie – aufgewachsen in Chemnitz im DDR-Spätherbst als Sohn eines Designers – sondern bezieht sich auf den kollektiven Umgang mit Serienprodukten in heutiger Zeit. Jay Gards Umsetzung eines Serienmodells beinhaltet die deutlich sichtbaren Spuren der handwerklichen Entstehung. Die Grundmaterialien sind Sperrholz, Baumarktschrauben und Acryllack. Die unbehandelten Kanten und Füße der Sideboards unterstreichen den kubisch-geometrischen Aufbau der schnörkellosen Konstruktion, die kein makelloses Endprodukt sein will, sondern eher die Werkstatt-Idee eines Möbels repräsentiert. Im Bogen verlieren die Sideboards dann ihre Funktion und werden als Gebrauchsgegenstand sinnlos. Die Schwerkraft öffnet Türen und Schubladen und verweist auf die ehemalige Funktion.

In besonderer Weise nimmt auch die Serie der ScrapPaintings die Werkstattspuren als Thema auf. Das Liniengewirr auf den Holzbrettern ist zufällig durch deren Verwendung als Unterlage von Sägearbeiten entstanden. Jay Gard fügt dem zufälligen Muster gestaltete Einschnitte sowie Holzreste (engl. „scrap“ = Abfall) als Intarsien hinzu, die sich auf verblüffende Weise zu isometrisch-perspektivischen Körpern formen. Verfahrensbedingt überwiegt bei Jay Gard ein konstruktivistisches Vokabular, das er mit Zitaten der amerikanischen Minimal Art zu plastisch-räumlichen Arbeiten verbindet.

Die formale Anlehnung an Positionen der Minimal Art wird jedoch ebenso durch die handwerklichen Herstellungsspuren gebrochen, wie auch – in manchen Objekten – durch deren Funktionalität, etwa als Musikgerät, Getränkebar oder eben als Kommode. Ein klarer Bezug zum Bauhaus. Durch den Gebrauch des Kunstwerks dringt die Kunst in den Alltag, eine Qualität, die gerade auch andere Künstler schätzen. So erwarb neben bildenden Künstlern wie Robert Lucander auch der Musiker Neil Young eine Plattenspieler-Arbeit Jay Gards.

Das Spiel mit kunsthistorischen Zitaten, dem Gegensatz von Abstraktion und Objekt, von Dysfunktion und Funktion, wird in Jay Gards Kunst auch zum Spiel mit dem „Kunstwert“ an sich. In dieser Lesart wird auch der Torbogen zum Objekt, das auseinandergenommen wieder aus zwanzig Kommoden besteht, die die Geschichte ihrer temporären und wahrscheinlich einmaligen Inszenierung anlässlich der Eröffnungsausstellung bei SEXAUER in sich tragen.

Jay Gard, Jahrgang 1984, studierte an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Von 2006 bis 2008 arbeitete er als künstlerischer Mitarbeiter von Tom Sachs in New York City.

SEXAUER

Jan-Philipp Sexauer eröffnet seine Galerie für zeitgenössische Kunst in einer Industriehalle auf dem Gelände des ehemaligen VEB Isokond in Berlin-Weißensee an der Grenze zu Prenzlauer Berg, wo von 1907 bis 1990 die „Erste Glimmer-Waren-Fabrik in Berlin“ (seit den 1950er Jahren die „VEB Isolierstoff- und Kondensatorenwerk Berlin-Weißensee“, Isokond) Kondensatoren herstellte.

Sexauer macht seit Jahren nichtöffentliche kulturelle Veranstaltungen in Künstlerkreisen – u.a. Filmnächte (DOUBLE MOVIE NIGHT / MIND BLOWING MOVIES) und Künstlerschachturniere (NIGHT OF THE PAWN) – sowie öffentliche Ausstellungen in Deutschland und den USA mit Künstlern wie Norbert Schwontkowski, Gregor Hildebrandt, Norbert Bisky, Jonathan Meese, Jonas Burgert, Robert Lucander, Eberhard Havekost, Uwe Henneken u.v.m.

Mit Eröffnung der Galerie SEXAUER widmet er sich nun hauptberuflich seiner Passion: seiner Begeisterung für Kunst sowie der Weitergabe und Vermittlung derselben.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Sexauer Gallery
Streustr. 90
13086 Berlin

 


Veröffentlicht am: 01.10.2013

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