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23.09.2017

 

 

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Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich

Vom 7. Februar bis 11. Mai 2014 findet im Kunsthaus Zürich die Ausstellung «Von Matisse zum Blauen Reiter. Expressionismus in Deutschland und Frankreich» statt. Über 100 Werke von Cézanne, Gauguin, Matisse oder Delaunay korrigieren im Vergleich mit Schmidt-Rottluff, Kirchner, Pechstein u.a. die allgemeine Ansicht, der Expressionismus sei eine ausschliesslich deutsche Erfindung. Die ebenso erkenntnisreiche wie farbintensive Schau reist anschliessend in die USA und nach Kanada weiter.

«Expressionismus» wird heute gemeinhin als deutsche Bewegung verstanden, ungeachtet der Tatsache, dass er sich am Anfang des 20. Jahrhunderts aus einer lebhaften Auseinandersetzung von deutschen Künstlern mit der Klas­sischen Moderne in Frankreich entwickelte und die aktuelle französische Kunst in Deutschland präsent war. «Van Gogh traf moderne Kunst wie ein Blitzschlag», schrieb ein deutscher Beobachter über den Einfluss des Malers auf die deutschen Künstler zu einer Zeit, als diese bereits Seurat, Signac und die Postimpressionisten rezipierten. Es folgten Cézanne, Gauguin und Matisse. Mit wahren Farbexplosionen reagierten die Künstler der «Brücke» und des «Blauen Reiters» auf die Werke der französischen Postimpressionisten und der«Fauves». Französische Kunst wurde in Deutschland auch eifrig gesammelt, ausgestellt und von fortschrittlichen Museumsdirektoren für die eigenen Sammlungen erworben.
 
EINZIGE STATION IN EUROPA

Die Ausstellung rückt die Verhältnisse ins richtige Licht. Sie zeigt, dass der Expressionismus eine im Geiste des Kosmopolitismus entstandene Bewegung ist, die von produktivem Austausch geprägt war. Zu den 107 Meisterwerken von 38 Künstlerinnen und Künstlern werden neue Forschungsergebnisse dieser bisher kaum wissenschaftlich nachgezeichneten Rezeptionsgeschichte präsentiert. Kuratorin für die einzige Station in Europa ist Cathérine Hug. Zusammen mit Timothy O. Benson, dem am Robert Gore Rifkind Center für Studien auf dem Gebiet des deutschen Expressionismus tätigen Kurator, ist es dem Kunsthaus Zürich gelungen, Gemälde und Grafiken zusammenzutragen, die zur damaligen Zeit in wichtigen Ausstellungen und Sammlungen vertreten oder von deutschen Künstlern in Paris eingehend studiert worden waren. Diesen Werken werden «Pendants» gegenübergestellt, in denen die Wirkung der «Vorbilder» deutlich erkennbar ist.
 
BERLINER SECESSION, SONDERBUND UND ANDERE EINFLÜSSE

Nicht mehr die Umwelt wie beim Impressionismus und Divisionismus, sondern die inneren Empfindungen und Befindlichkeiten des Künstlers finden ihren formalen Ausdruck und ihre kraftvolle, energiegeladene Sprache in der Kunst. Im eher groben Duktus widerspiegeln sich die Ängste, aber auch die Hoffnungen einer äusserst produktiven und bewegten Zeit vor dem ersten Weltkrieg. Unverkennbar ist der grosse Einfluss, den Vereinigungen wie die «Berliner Secession» oder der «Sonderbund» in Köln, Galeristen, Kunsthändler und Sammler wie Paul Cassirer, Harry Graf Kessler oder Karl Osthaus auf das Kunstgeschehen hatten. Progressive Museumsdirektoren bestückten ihre Sammlungen mit Meisterwerken des Impressionismus, des Postimpressionismus und des Fauvismus und erregten öffentliches Aufsehen.
 
WISSENSCHAFTLICHE ERKENNTNISSE ANSCHAULICH VERMITTELT

Neben einem Parcours durch die europäische Kunstgeschichte von Paris bis Berlin reflektiert die Ausstellung neue Untersuchungen über deutsch-französische Beziehungen am Beginn des 20. Jahrhunderts. Es sind frappierende Sehweisen und neue Wege zum Verständnis des Expressionismus, die sich erstaunlich schnell erschliessen. Das Kunsthaus Zürich inszeniert die Werke nach thematischen und formalen Gruppen: van Gogh, Paris, Fauves, Berlin, Kubismus, Brücke, Blaue Reiter. Die Besucher erwartet eine sinnliche Gesamterfahrung mit überraschenden Gegenüberstellungen. Die expressive Kraft der Werke und ihr Bezug zueinander sind für das Publikum sofort spürbar und leicht verständlich. Ein Bereich mit historischen Materialien – Drucksachen wie Quellentexte, Archivalien, Fotografien und Pressestimmen – verdeutlicht zudem die wissenschaftliche Leistung der Ausstellung.
 
LEIHGABEN AUS DEN BEDEUTENDSTEN MUSEEN DER WELT

Die 77 Gemälde und 30 Druckgrafiken stammen aus öffentlichen und privaten Sammlungen in Europa und Übersee. Zu den berühmtesten Leihgebern zählen das Musée d’Orsay, die Tate, das Metropolitan Museum, New York, die National Gallery of Art Washington, die Nationalgalerie Berlin, das Folkwang Museum und die Merzbacher Kunststiftung. Die Ausstellung wird anschliessend im Los Angeles County Museum of Art (LACMA) und im Musée des Beaux-Arts in Montréal gezeigt. Timothy O. Benson zeichnet für die wissenschaftliche Erarbeitung und die Kooperation zwischen dem Kunsthaus und dem LACMA verantwortlich. Seine jüngsten Forschungsergebnisse sind neben Essays von Claudine Grammont, Katherine Kuenzli, Magdalena M. Moeller und einem Beitrag von Cathérine Hug im umfangreichen Katalog versammelt (Prestel, 304 S., ca. 200 farbige Abb., ab Februar im Kunsthaus-Shop und Buchhandel).

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84
www.kunsthaus.ch

Offen: Fr–So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr. Feiertage: Ostern 18.-21. April, 1. Mai: 10–18 Uhr.
Eintritt Ausstellung inkl. Audioguide d/e/f: CHF 22.-/17.- reduziert und Gruppen. Kombiticket inkl. Sammlung: CHF 25.–/18.– reduziert und Gruppen. Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre gratis

Bildlegende:
Ernst Ludwig Kirchner
Dodo am Tisch (Interieur mit Dodo), 1909
Öl auf Leinwand, 120,5 x 90 cm
Kirchner Museum Davos, Rosemarie Ketterer Stiftung

 


Veröffentlicht am: 02.11.2013

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