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Aufgespießt: Deutsche Sprache

(Helmut Harff / Chefredakteur) Nein, mir geht es heute nicht darum, dass unsere Sprache eine besonders schwer zu erlernende sein soll. Ich bin gerade beim Sortieren meiner Bücher auf den Reclamband "LTI" darin nimmt der Literaturwissenschaftler Viktor Klemperer die Sprache des Dritten Reiches" unter der Lupe.

Der Autor, der als Jude Dank seiner nicht-jüdischen Frau die Nazizeit überlebte, hat während der Nazizeit die Sprache und ihre Wirkung beobachtet und untersucht. Das letzte Mal habe ich das Buch zu DDR-Zeiten gelesen. Ich habe das, was Viktor Klemperer über die Sprache im Dritten reich geschrieben hat mit der Sprache, vor allem mit der der SED-Presse verglichen. Vieles, was der Philologe geschrieben hat, traf auch auf die gleichgeschaltete DDR-Presse zu. Ob damals auch die Allgemeinsprache, also die, in der sich "Otto Normalverbraucher" ausdrückt, dem der offiziellen entsprach, habe ich damals nicht analysiert.

Aber eines ist mir noch erinnerlich: Viel Floskeln wurden genau wie im Reich davor gedankenlos übernommen. Soldaten wurden ebenso wie Polizisten als Genossen bezeichnet, egal ob sie SED-Mitglieder waren. Offizielle Schreiben wurden "mit sozialistischen Grüßen" unterschrieben. Da gab es wohl genug Gemeinsamkeiten in der Sprache von Diktaturen?

Doch wie ist das heute? Die von Klemperer beobachtete Technisierung der Sprache (Lokomotive der Entwicklung) oder das zunehmende Eindringen von Sportbegriffen in die allgemeine Sprache (sich durchboxen) hat bis heute eine völlig neue Qualität erreicht. Nie war unsere Sprache mit technischen und aus dem Sport stammenden begriffen durchsetz, wie heute. Das ist zumindest mein Eindruck.

Auch eine Verarmung der Sprache, wie sie der Autor von "LTI" mit Sicht auf die der Nazizeit beklagt, ist nicht rückläufig. Ganz im Gegenteil, wie Sprachforscher beklagen. Auch die Manie, alles abzukürzen, beklagen wir noch immer. Vielfach wissen nur noch Insider oder angehörige eine bestimmten gesellschaftlichen Gruppe, was sich inter bestimmten Abkürzungen verbergen.

Doch eines unterscheidet unsere heutige Sprache von der des Dritten Reiches: Damals versuchte man fremdsprachliche Begriffe durch deutsche zu ersetzen. So wurde beispielsweise aus dem Regisseur ein Spielleiter. Worte wie Infopoint, Mode-Boutique oder Coffee-Shop wären Viktor Klemperer wohl kaum begegnet. Wir hingegen finden es toll, wenn die Dinge irgendwie nichtdeutsch klingen. Auch wenn den Begriff "Handy" kein englischsprachiger Mensch kennt.

Und doch, allgemein wir sicherlich nicht zu unrecht eine Verarmung der Deutschen Sprache beobachtet. Das gilt auch für den schlampigen Umgang mit ihr. Ein Beispiel: Zugern werden die Worte natürlich und selbstverständlich verwechselt. Augenscheinlich ist natürlich ein höherwertiges Wort, als selbstverständlich. Klar ist es natürlich, dass wir atmen oder sterben. Doch ist es auch natürlich, dass "keiner auf die Frage antworten wollte"? Ist es natürlich, dass wir freie Fahr auf den Autobahnen haben wollen? Das ist maximal selbstverständlich.

"Maximal" ist wieder ein Beispiel dafür, dass wir uns von der Sprache des Dritten Reiches noch immer nicht völlig gelöst haben. Wir setzen immer irgend ein die Sache angeblich steigerndes Wort ein. "Maximal" selbstverständlich hat doch eine ganz andere Wucht, als wenn eine Sache nur selbstverständlich ist. Kann etwas selbstverständlicher als selbstverständlich sein?

Gehen wir etwas pfleglicher mit unserer Sprache um!

 


Veröffentlicht am: 11.11.2013

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