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21.11.2017

 

 

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Partnerschaft dauerhaft glücklich?

Interview mit Diplompädagoge und Bestsellerautor Andreas Winter

„Jeder Mensch hat andere Vorlieben und Interessen, doch auf einer Ebene sind wir alle gleich: Wir wollen Erfüllung durch das Gefühl, uns im anderen wiederzufinden. Auf dem Weg dorthin muss man zunächst sich selbst kennen und lieben lernen und dann den Partner. Eine Beziehung ist wie eine Aktie, deren Wert man selbst steigern kann: durch Liebe.“

In seinem Ratgeber „Artgerechte Partnerhaltung“ zeigt der Diplom-Pädagoge Andreas Winter, wie man durch das Bewusstmachen eigener, unbewusster Verhaltens- oder Gefühlsmuster Beziehungsprobleme lösen oder den richtigen Partner finden und ein Leben zu zweit in Harmonie, Glück und Liebe führen kann.

Herr Winter, wie kommen Sie dazu, das große Thema „Partnerschaft“ erneut aufzugreifen?
Andreas Winter:
Es waren vor allem die Leserzuschriften, die mich dazu ermuntert haben, meinen kleinen Ratgeber „Liebe, Sex und Partnerschaft“ aus dem Jahre 2008 nicht nur zu aktualisieren, sondern auch noch viel mehr darüber zu schreiben, wie man der Liebe einen neuen Frühling einhaucht. Eine unglückliche Partnerschaft ist in unserer Gesellschaft häufiger anzutreffen als eine erfüllte. Nicht nur dass wir hier ein ernstes gesellschaftliches Problem mit hohem Leidensdruck haben – eine unglückliche Beziehung kann die Ursache sein für Krankheitsanfälligkeiten und Verbrechen. Für mich als Gesundheitsberater ist es eine wichtige und dankbare Aufgabe, Auswege aus dem Unglück oder der Einsamkeit aufzuzeigen. Da sich aber mein neues Buch nun stark von der ursprünglichen Fassung unterscheidet und sich im Umfang sehr erweitert hat, bekam es von mir auch einen neuen, passenderen Titel.

Warum der Titel „Artgerechte Partnerhaltung“? Das klingt ja fast so, als wollten Sie sagen, ein Partner wäre gefangen, abhängig und würde darunter leiden, dass er mit jemandem zusammen sein muss.
Andreas Winter:
Stimmt genau, darum geht es! Natürlich gilt das nicht immer und in jeder Situation, schließlich liebt man seinen Partner und würde alles für ihn tun – bis auf die Momente, in denen man sich wegen irgendetwas einmal zu oft über ihn geärgert hat. Da aber eigentlich niemand Ärger will, sondern Harmonie, Frieden, Liebe und ein gemeinsames Leben mit dem oder der Liebsten, gehe ich davon aus, dass in den meisten Partnerschaften etwas gewaltig schiefläuft. Was das alles sein kann und wie man damit umgeht, darum geht es in dem Buch. 

Ist es nicht ein sehr individuelles Problem, ob man eine Partnerin bzw. einen Partner findet? Das ist doch manchmal reine Glückssache?
Andreas Winter:
Richtig ist, dass das Problem sehr individuell ist. Jeder Mensch hat andere Vorlieben und Interessen, doch auf einer bestimmten Ebene sind wir alle gleich: Wir wollen Erfüllung durch das Gefühl, uns im anderen wiederzufinden. Jedoch ist es genauso wenig Glückssache, einen Partner zu finden wie beispielsweise ein persönliches Lieblingslied: Unsere innere Aufmerksamkeit filtert aus Tausenden von Musikstücken eines heraus, das besonders gut zu uns passt. Man muss sich dazu aber öffnen und umhorchen. Doch dann zieht man an, worauf man seine „Antennen“ eingestellt hat. Bei einer so komplexen Angelegenheit wie der Partnersuche wirken ebenfalls unsere unterbewussten „Suchmaschinen“ im Hintergrund. Diese Suchmaschinen sind leider sehr oft falsch eingestellt. Man kann sie aber „optimieren“, hierfür gibt es im Buch eine Audio-CD mit einem tiefenpsychologischen Coachingprogramm. Letztlich ist Liebe kein Zufall, sondern eine Frage der Resonanz, des Sich-aufeinander-„Einschwingens“. So ähnlich, wie wenn man Ihnen eine Speise zum Probieren gibt: Sind Sie schlecht gelaunt, pappsatt und fühlen sich zum Probieren genötigt, wird der Geschmack des Essens sicherlich negativ interpretiert. Sind Sie jedoch neugierig und haben Appetit, wird die Speise Ihnen wohlschmecken. Wir selbst entscheiden, ob wir etwas lieben oder ablehnen.

Was sagen Sie Leuten, die in einer unglücklichen Beziehung leben?
Andreas Winter:
Meist halten sie sich für Opfer: Der Partner wäre nicht verständnisvoll genug, oder man selbst wäre durch äußere Umstände oder was auch immer benachteiligt. Dass man oft genug selbst der Schlüssel zum eigenen Unglück ist und es deshalb auch selbst wieder zum Guten wenden könnte, auf diese Idee kommt kaum jemand. Ich führe mit den Menschen einen Perspektivenwechsel durch. Der amerikanische Psychotherapeut David Calof beschreibt, wie man in einer Hypnosesitzung sogar mit seinem Partner vorübergehend die Rollen tauschen kann, um ihn einmal wirklich kennen zu lernen.

Was sind Ihrer Ansicht nach die häufigsten Probleme in ganz normalen Partnerschaften?
Andreas Winter:
Ganz klar: Unwissenheit über die Persönlichkeit und den Charakter des anderen! Wir leben mit einem Menschen zusammen, von dem wir denken, dass er die gleichen Vorlieben, Interessen, aber auch Bedürfnisse und Konfliktlösungsstrategien hat wie wir selbst. Wussten Sie beispielsweise, dass ein Mensch mit Sternzeichen Wassermann oder Waage versucht, in einem Streit immer kontrolliert und sachlich zu bleiben, während hingegen ein Widder oder Schütze sein Gegenüber zu einer Reaktion provozieren möchte, damit sich aufgestaute Gefühle entladen können und die Luft wieder rein wird? Das bedeutet, aufgrund von zwei völlig unterschiedlichen Konfliktstrategien kann es gehörig knallen. Wer das für Esoterik hält und mit Vorbehalten abwinkt, der verspielt eine gewaltige Chance auf eine harmonische Partnerschaft.

Was raten Sie Eltern von pubertierenden Jugendlichen?
Andreas Winter:
Die Pubertät ist der Abschnitt, in dem die Heranwachsenden merken, dass sie keine Kinder mehr sind, und die entsprechenden Rechte einfordern. Ich rate den Eltern: Respektieren Sie Ihre Kinder wie Untermieter und geben Sie ihnen genug Vorschussvertrauen und Verantwortung. Die Pubertätsrevolte richtet sich als Gegendruckmaßnahme immer nur gegen subjektiv empfundene Bevormundungen. Kein Druck – kein Gegendruck. Wenn Sie aber auf die sexuelle Experimentierfreudigkeit der Jugendlichen anspielen, da rate ich: Klären Sie gründlich und unverkrampft über Verhütung auf und lassen Sie sie ihre Erfahrungen machen. Wenn Eltern so tun, als gäbe es keinen Sex oder als wäre Erotik verboten, ist das so ähnlich wie der geheimnisvolle, verschlossene Koffer auf dem Dachboden – irgendwann bricht man das Schloss auf, weil man endlich wissen will, was drin ist! Die Statistik zeigt: Die meisten ungewollten Schwangerschaften bei Minderjährigen entstehen ausgerechnet im prüden Amerika.

Wie soll man in der eigenen Beziehung glücklich, zufrieden und angstfrei sein, wenn man überall nur mit Idealisierungen oder Horrorgeschichten konfrontiert wird?
Andreas Winter:
Ist das so? Märchenerzählungen wie „Und sie liebten sich bis ans Ende ihrer Tage“ oder von der ewig unzufriedenen Fischersfrau sind ja nicht neu. Wer sich zu stark an anderen orientiert, dem fehlt es meist an Selbstsicherheit. Das Wichtigste ist, sich selbst zu lieben. Wer sich selbst nicht für einen tollen Partner hält, wird dieses Prädikat erst recht nicht von jemand anderem bekommen. Die größte Horrorgeschichte ist meiner Ansicht nach eine erniedrigende Erziehung, die uns immer das Gefühl gibt, wir wären wertlos und unvollkommen. Diese Erfahrungen formieren sich zu Glaubenssätzen und führen damit oft zu Überkompensation. Eifersucht, Misstrauen, emotionale Erpressung und Wut sind dann die Folge. Die eigene Beziehung ist eine Aktie, deren Wert man selbst steigert: durch Liebe.

Ist es wirklich so einfach?
Andreas Winter:
Ja. Auf dem Weg zur erfüllten Partnerschaft sollte man zunächst sich selbst gut kennen und lieben lernen – und dann den anderen und dessen Eigenschaften. Aber davon abgesehen: Hatten Sie als Kind einen Teddy? Haben Sie ihn geliebt? Was musste Teddy tun, damit Sie ihn lieben? Nichts! Sie haben in ihm einfach etwas gesehen und ihn dafür geliebt. Liebe ist einfach, wenn man lieben will und nicht darauf wartet, geliebt zu werden! Außerdem ist es niemals ratsam, in einer aussichtslosen und vertrauenslosen Partnerschaft passiv zu verharren. In diesem Fall ist oft eine Trennung der Schlüssel zum Glück.

Heutige Familien sind oft Teil-Familien oder Patchwork-Familien mit schwierigen Hintergrundgeschichten. Wie können Kinder da ein selbstbewusstes und funktionierendes Rollenmodell von den Eltern lernen?
Andreas Winter:
Eltern denken, sie müssten Kinder stets aktiv erziehen, doch das stimmt nicht. Kinder sind hervorragende Modell-Lerner und können gut unterscheiden zwischen Personen und Umständen. Sie schauen sich von uns ab, wie wir grundsätzlich unser Leben meistern. Wenn Eltern ihre Probleme einvernehmlich lösen, Missverständnisse klären und ihre Aufgaben angehen, können Kinder von ihnen lernen, selbst ihr Leben erfolgreich zu gestalten. Das hängt nicht davon ab, in welcher Familien-Konstellation die Kinder aufwachsen.

Was meinen Sie mit dem Satz „Wir heiraten unsere Eltern“?
Andreas Winter:
Als Kinder erleben wir oft, dass unsere Harmonie zu einem unserer Elternteile gestört ist. Um diese „alte Baustelle“ zu beenden, suchen wir uns dann als Erwachsene ganz unbewusst einen Partner, der mit jenem Elternteil einige negative Eigenschaften gemeinsam hat. So ziehen Frauen, die einen cholerischen und ungerechten Vater hatten, oft einen ungerechten und verständnislosen Partner an, nur um diesem dann zu zeigen, dass sie es doch wert sind, geliebt zu werden. Männer, die eine gefühlskalte und rigide Mutter erlebten, versuchen mittels einer aalglatten und perfektionistischen Partnerin aufzulösen, was die Mutter dem Sohn unwissentlich an Liebesentzug angetan hat. Dass man mit solchen Partnern keine Erfüllung finden kann, sondern bestenfalls Absolution, liegt auf der Hand. Macht man sich dieses Muster bewusst, ändert sich auch die Affinität zu einem bestimmten Partner, und man kann dann den Menschen finden, mit dem man gemeinsam stark ist.

Was würden Sie jemandem raten, der nicht länger Single sein will?
Andreas Winter:
Werde dir deiner Eigenschaften klar, finde heraus, was du eigentlich willst, fang an, dich selbst zu lieben. Dann verlasse deine Bude und zeige dich dort, wo der Traumpartner zu erwarten ist ...

Und was würden Sie einem Menschen empfehlen, der in einer festen, aber belasteten Beziehung steckt und diese nicht aufgeben will?
Andreas Winter:
Gib deinem Partner eine neue Chance. Lerne ihn neu kennen, so als gäbe es ihn erst seit gestern. Verzeih ihm alles, als seist du frisch verliebt. Mit der Starthilfe-CD in meinem Buch führe ich die Menschen auf genau diesen Weg.

Andreas Winter ist Autor des Buches Buch „Artgerechte Partnerhaltung. Lieben ohne Stress“ (ISBN 978-3-86374-136-5, Mankau Verlag, ; 16,95 Euro)

 


Veröffentlicht am: 09.03.2014

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