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Aufgespießt: Abgehängte Regionen

Berlin ist nicht überall

Ich hatte gerade drei, eigentlich noch mehr Erlebnisse zum Tourismus in Deutschland. Da ist einerseits Boomtown Berlin, da ist die Porzellanstadt Selb, der Kurort Bad Füssing, der Glasort Bodenmais und die ehemalige Stadt der Spitze Plauen im Vogtland.

Meine Heimatstadt Berlin boomt. Allein 2013 stieg die Zahl der offiziell registrierten Gästeübernachtungen um 8,2 Prozent auf fast 27 Millionen. Diese Zahl stieg in den vergangenen fünf Jahren um irrsinnige knapp 43 Prozent.

Bad Füssing, ein Kurort mit dem Charme der 70er und 80er Jahre hat alles, was ein Kurort so braucht. Thermalwasser, Kur-Kliniken, eine Kurpromenade, einen Kurpark, Geschäfte, Gaststätten und Cafés, sogar eine Spielbank. Und dennoch geht es dem Ort nicht gut- und das schon seit die Krankenkassen Kuren nicht mehr mit dem Gießkannenprinzip vergeben.

Dann ist da die Porzellanstadt Selb nahe der tschechischen Grenze. Von porzellanem Glanz ist hier mit Ausnahme eines Brunnens im Zentrum nichts zu spüren. Hier will man, wie man so sagt, nicht tot über dem Zaun hängen. Gäbe es hier nicht das Porzellanikon und Werksverkäufe von renommierten Porzellanherstellern, würde sich wahrscheinlich niemand nach Selb verirren.

Ganz anders die Situation in Bodemmais. Hier scheint alles aus Glas. Das gibt es hier jeden Tag - auch am Sonntag - zu kaufen und zu bewundern. Die Besucher können sich sogar selber als Glasbläser versuchen. Bodemais boomt und damit die Region.

Und dann Plauen, eingebettet zwischen zwei Talsperren und im Vogtland gelegen. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für eine Tourismusregion. Doch wandern und radeln kann man überall in Sachsen und dem angrenzenden Thüringen sowie dem nahe gelegenen Bayern. Plauen, einst weit über die Landesgrenzen hinaus für seine textilen Spitzen und Gardinen bekannt, ist heute nahezu tot. Touristen verirren sich hier her nur selten.

Warum ich diese Orte miteinander vergleiche? Weil es Orte gibt, die scheinen einfach von der Entwicklung überrollt, vergessen zu werden. Es gibt Orte, die haben das Glück, dass in ihren Mauern Unternehmen gibt, die für viele Menschen interessant sind. So ein Ort ist Bodenmais. Hier setzen Wirtschaft und Kommune konsequent auf Vermarktung und alle scheinen davon zu profitieren. Andere, wie Selb, schaffen das einfach nicht. Der Ort sieht aus wie die Kulisse für einen Film über einen Ort zum Ende der DDR - traurig.

Anders ist es noch in Bad Füssing. Noch kommen die Gäste hier her, doch deren Zahl ist rückläufig. Dass Gäste kommen, ist- so ist zu hören - der Tatsache geschuldet, dass man immer wieder an der Preisschraube dreht. Das heißt, der Gast zahlt immer weniger. Das geht aber nicht ewig so weiter. Wenn man da nicht aufwacht, wird man sehr bald sehr unsanft geweckt.

Geweckt müssen ganz sicher und sehr schnell die Verantwortlichen in Plauen und im Freistaat Sachsen. Sonst ist die Stadt mausetot. Da nützt es nichts, Dörfer einzugemeinden, um die Einwohnerzahl künstlich hoch zu halten. Die Menschen kehren ihrer Heimat den Rücken und sind somit auch keine guten Botschafter Plauens. Hier hat das Sterben einer Stadt längst dramatische Formen angenommen.

Das ist in Berlin ganz anders. Ja, die Stadt hat ein Flughafen-Problem, doch die meisten Touristen stört das wenig. Berlin ist seit Jahren, wenn nicht seit Jahrzehnten eine der kreativsten und angesagtesten Citys der Welt. Klar sagen die mehrheitlich skeptischen Berliner Tag für Tag ein Ende des Booms voraus. Doch wir meckern ohnehin gern, platzen aber eigentlich vor Stolz.

Wir - auch hier in Berlin - müssen aufpassen, dass Regionen nicht einfach abgehängt werden. Hier ist die Politik, aber vor allem die Leute, die verbliebenen Macher vor Ort gefragt.

 


Veröffentlicht am: 28.07.2014

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