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26.04.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Angst

Hatten wir die vor 25 Jahren?

In den vergangenen Tagen gedachte man den Demos vor 25 Jahren und vor allem der am 9. Oktober 1989. Damals gingen rund 70.000 Leipziger auf die Straße. Dies trotz der Warnung der offiziellen Stellen. Wie wir wissen blieb alles friedlich.

Gefragt werden damals Demonstrierende immer wieder, ob sie Angst hatten. Sicherlich war man nicht frei von Angst. Letztendlich kann diese Frage nur jeder ganz für sich allein beantworten. Wenn ich an die Ereignisse vor 25 Jahren zurück denke, so war das schon etwas wie Angst. Das vorherrschende Gefühl war es zumindest aus der heutigen Sicht nicht.

Als wir im Berliner Stadtbezirk Köpenick im September die Ortsgruppe des Neuen Forums gründeten, war da mehr Neugier, mehr Aufbruchstimmung. Doch es war auch die Angst, dass irgendwelche sogenannten Sicherheitskräfte den Keller im Pfarrhaus stürmten und wir verhaftet werden. Doch so groß konnte meine Angst nicht sein, denn ich bin nicht zum Helden geboren und wäre wohl kaum dabei gewesen, wenn mich meine Angst beherrscht hätte.

Und wie war es dann? Wie war es bei den Treffen des Landessprecherrates vom Neuen Forum? Wie war es beim Besuch vor Gottesdiensten in der Gethsemanekirche, wie bei Demos? Nach der großen Demo in Leipzig war da kaum noch Angst. Irgendwie ist das jahrzehntelang gepflegte Bild von Staatssicherheit, Polizei, Armee und Kampfgruppen als brutaler und überall präsenter Sicherheitsapparat  wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Jungs in Uniform oder uniformer Zivilkleidung hatten fast über Nacht ihren Schrecken verloren.

Mich treibt seit dem Herbst 1989 eine Frage um: Warum hat die DDR-Führung fast ohne jeden Wiederstand den Bürgern die Straße überlassen? Warum hat man sich nicht gewehrt? Macht so etwas eine Diktatur? Fanden sie den Leipziger Slogan "Keine Gewalt" so eindrucksvoll, dass sie sich ihn zu eigen machten? Hatten sie ohne entzogene Unterstützung seitens der Roten Armee einfach die Hosen voll?

Ich habe bis heute keine Antwort auf diese Fragen. Vielleicht fallen mir ja noch einige vage Antworten bezüglich der Clique um Honecker und Krenz ein. Doch warum hielten die Regierenden in Polen, in der Tschechoslowakei, in Ungarn, Bulgarien und Rumänien die Füße still und reagierten nicht mit Gewalt? War es wirklich die versagte militärische Unterstützung durch die Sowjetunion unter Gorbatschow?

Keine Antworten, dafür immer mehr Fragen. Eines weiß ich aber genau: Es war die aufregendste Zeit in meinem Leben. Fast ohne Angst auf die Straße zu gehen, seine Meinung zu sagen - und Gehör zu finden, das war ein unbeschreibliches Gefühl. Ich weiß aber auch, dass damals zumindest in meinem Umfeld niemand ein Ende der DDR als Staat wollte. Das wurde bis zur Maueröffnung nach meiner Erinnerung nie diskutiert. Wenn man überhaupt wusste, was man wirklich wollte, so war das eine andere, eine freiere und demokratischere DDR. Freiheit, dass war es was ich und sicherlich die allermeisten Demonstranten wollten. Es ging nicht wie so oft in  der DDR um Bananen oder mehr Autos. Es ging, wie schon gesagt, um die gesellschaftliche und private Freiheit.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass es vor 25 Jahren stressig, dass es aufregend war. Ich kann aber auch sagen, dass es ein Genuss war, dabei und nicht nur dabei gewesen zu sein. Es war ein Genuss, mit Freunden an der großen Demo am 4. November in Berlin mit einem Plakat zu demonstrieren. Auf dem gelben Stoff stand: Neue Medien für neue Foren. Seit diesem Tag bin ich Journalist.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück und schwelge noch einige Minuten in Nostalgie.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und ein schönes Wochenende.

 


Veröffentlicht am: 11.10.2014

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