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Morgengruß von Helmut Harff: Lichtgrenze

Ein Wort, mit dem ich Probleme habe

Lichtgrenze – das ist das Wort 2014, gekürt von der Gesellschaft für deutsche Sprache. Ich kann die Entscheidung nur sehr bedingt verstehen, auch wenn diese mit dem Gedenken an den Mauerfall vor 25 Jahren in Berlin begründet wird. Zur Erinnerung: Im November stellte man in der Hauptstadt entlang der ehemaligen Mauer rund 8.000 Lampen auf und ließ die in den Himmel steigen.

Doch Grenze und Licht haben für mich alles andere als eine positive Bedeutung. Grenzen wurden schon immer beleuchtet. Schließlich will man den Feind, will man den Grenzverletzer ja sehen. Licht gab es sicherlich schon am Limes. Geradezu in Licht getaucht wurde die innerdeutsche Grenze. Hier, und nur hier war die DDR nicht grau. Beleuchtet waren die Zäune um das KZ Auschwitz und beleuchtet sind die Zäune um das US-Folterlager Guantanamo.

In gleißendes Licht getaucht ist die Grenze zwischen den USA und Mexiko und sicherlich auch die zwischen Nord- und Südkorea. Licht verbindet zumindest an Grenzen nicht – es teilt. Wo immer Lichterketten zwischen Staaten eine sehr sichtbare Grenze ziehen, geht es nicht wirklich friedlich zu.

Eine Lichtgrenze haben auch diejenigen gezogen, die die Asylbewerber-Unterkünfte nahe Nürnberg angezündet haben. Zumindest war das sicherlich ihre Intention.

Ich finde es gut, wenn ich zwischen den Staaten der Europäischen Gemeinschaft keine Lichtgrenzen mehr sehen muss. Ich fände es noch besser, wenn wir endlich in der Lage wären, überall die Lichtgrenzen abzuschalten. Wir könnten dann gleich noch mehrere Kraftwerke vom Netz nehmen, die noch heute allein dafür arbeiten, dass Licht uns trennt.

Lichtgrenzen mag ich nicht, Lichterketten umso mehr. Das selbstverständlich vor allem in der Advents- und Weihnachtszeit. Ich erinnere mich noch gut, wie der RIAS – ein Rundfunksender in Westberlin – die Bürger aufforderte, ein Licht ins Fenster zu stellen. Man sollte und wollte so die Verbundenheit mit den Menschen im anderen Teil der Stadt zeigen. Das war ein Licht gegen eine Lichtgrenze, die sich quer durch Berlin zog.

Ich mag auch Lichterketten, mit denen Menschen für oder auch gegen etwas protestieren. Ich habe noch die unzähligen Kerzen in Erinnerung, die vor Kirchen in der gerade untergehenden DDR brannten und die auch zu einem friedlichen Protest mahnten. Kerzen in den Händen, das ist ein Licht, das in die Herzen dringt.

Gleiches gilt für Lichterketten, die gerade überall für weihnachtliche Stimmung sorgen. Diese Form von Lichtgrenzen trennen nicht, sie verbinden, sie laden ein, sie setzen ein Zeichen, sie verbreiten Hoffnung und Wärme.

Zu Weihnachten darf man sich ja etwas wünschen: Ich wünsche mir, dass man das Wort Lichtgrenze  ganz schnell vergisst. Ich wünsche mir, dass es keine beleuchteten Grenzen mehr gibt. Ich wünsche mir, dass wir an Lichterketten, nicht an Lichtgrenzen unsere Freude haben. Und ich wünsche mir für 2015 ein Wort des Jahres, das auch mein Wort des Jahres wäre.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück und zünde eine Kerze an.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und ganz viel Licht.

 


Veröffentlicht am: 13.12.2014

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