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Morgengruß von Helmut Harff: Merkwürdige Worte-2

Mein Kindheitsalbtraum Muckefuck

Sie kennen Muckefuck nicht? Ihnen sagen auch Begriffe wie Getreidekaffee, Gerstenkaffee, Landkaffee, Deutscher Kaffee, Fruchtkaffee nichts? Dann beneide ich Sie. Ich musste als Kind Muckefuck trinken und ich hasste ihn.

Muckefuck, das ist Ersatzkaffee aus Getreide, der kein Koffein enthält. Er wird, wie Wikipedia weiß, zumeinst aus Gerste, Malz, Roggen, Dinkel, Eicheln, Bucheckern, Feigen oder den Wurzeln der Zichorie gewonnen. Da schüttelte es mich gleich wieder.

Allerdings hat mein erzwungener Muckefuck-"Genuss" nichts mit meinem Leben in der DDR zutun, denn mein Muckefuck stammte aus dem "Westen". Erfunden wurde er bereits in grauer Vorzeit in Babylon und im alten Ägypten. Ob der da auch schon Muckefuck hieß? Klingt ja fast so, ist aber nicht der Fall. Wie weiter bei Wikipedia zu erfahren ist, stammt der Begriff wie so viele aus dem französischen, den die Deutschen nicht richtig aussprechen konnten (und können). Aus Mocca faux (französisch für falscher Kaffee) wurde irgendwann Muckefuck. Doch auch französisch ausgesprochen bleibt es eine mir nicht schmeckende bittere braune Brühe.

Noch besser gefällt mir die Erklärung im Duden 7 – Das Herkunftswörterbuch: Da wird die Herkunft des Begriffs mit der umgangssprachlichen Verwendung Muckefuck als dünnen Kaffee seit dem 19. Jahrhundert im Rheinisch-Westfälischen erklärt. Er soll sich aus dem rheinischen Mucken für braunen Holzmulm und dem rheinischen fuck für faul gebildet haben.

In Deutschland wurde erstmals 1769/70 eine Konzession für die Produktion von Zichorienkaffee in Braunschweig und Berlin vergeben. Na ja, in beiden Städten ist es bis heute nicht gerade einfach, einen guten Bohnenkaffee - von meiner Oma gern als "richtiger" oder guter Kaffee bezeichnet - zu bekommen.

Malzkaffee, wie der Muckefuck vor allem nach dem 2. Weltkrieg auch genannt wurde, ist nie vom Mark verschwunden. Während man im Westen zum Instant-Ersatzkaffee "Caro" griff, war es im Osten die Marke "Im Nu". Als Genussmittel gingen beide ebenso wenig durch, wie der DDR-Kaffee-Mix. Der auch als "Erichs Krönung" bezeichnete "Kaffee" bestand zu größeren Teilen aus geröstetem Getreide. Man wollte so der Kaffeekrise begegnen. Es gab aber nur Ärger, Hohn und Spott, denn Erich stand selbstverständlich für Erich Honecker. Plötzlich gab es in der DDR wieder "richtigen" Kaffee - zumeist aus dem Westen und dem Intershop.

Neuerdings begegnet man Getreidekaffee wieder bei Naturkostfreaks. Als ob Bohnenkaffee nicht auch ein Naturprodukt ist. Ich hoffe, nicht so bald wieder Muckefuck trinken zu müssen.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück, mit "richtigem" Kaffee oder einem tollen Tee.

 


Veröffentlicht am: 17.12.2014

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