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25.11.2017

 

 

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Monolithic Water

Kunsthaus Zürich zeigt eine Ausstellung zum Thema Wasser


Vom 28. November 2014 bis 1. März 2015 geht die Ausstellung «Monolithic Water» aus der Reihe «Bilderwahl!» dem Element Wasser in der Kunst nach. Das malerisch und fotografisch untersuchte Phänomen der flimmernden Oberfläche und der menschliche Bezug zum Wasser stehen im Mittelpunkt.

Gemälde, Fotografien, Druckgrafik, Videos und Installationen von James Ensor, Morris Louis, Gerhard Richter, Roni Horn, Klara Hobza, Pamela Rosenkranz u.a. eröffnen eine historische und thematische Spannweite.

«Nous sommes tous sortis de la mer» – proklamierte James Ensor 1922. Diese Aussage knüpft an Schöpfungsvorstellungen an, in denen das Wasser das Alles hervorbringende Element ist: von der griechischen Naturphilosophie des Thales von Milet über die Bibel bis zur Evolutionstheorie des Landganges. Wiederholt verklärt Ensor (1860–1949) in seinen Schriften das Meer als künstlerischen Ursprungsort. Dem Belgier, der an der Nordsee den grössten Teil seines Lebens verbrachte, war der Blick auf das Meer Inspiration und Schulung des Auges zugleich. Im «Strand von Ostende» (um 1915) sind Strand, Meer und Himmel in horizontale Farbzonen gegliedert, die beinahe ineinander übergehen.

DER BLICK IN DEN TEICH: VON NARZISS ZUR THEMSE

Das Farbspiel, die Lichtreflexe und das Flimmern der Oberflächen – insbesondere die des Meeres – faszinieren die Maler seit jeher und fordern ihr Talent heraus. Die Analogie zwischen der Spiegelung der Natur in der Wasseroberfläche und dem Bild als Spiegel der Realität besteht seit der Renaissance. Der als Humanist und Erfinder der Kunstgeschichte geltende Leon Battista Alberti (1404–1472) führt die Geschichte des Narziss als Gründungsmythos der Malerei an: «Würdest du vom Malen sagen, es sei etwas anderes als ein ähnliches Umarmen jener Wasseroberfläche durch Kunst?».

Bildfüllende Aufnahmen von bald flüssig-goldenen, bald grau-rauen Wasseroberflächen, in denen der Horizont gänzlich verdrängt wurde, finden sich in Roni Horns Fotoserie «Still Water (The River Thames for Example)» von 1999. Die Künstlerin hält in dieser mehrteiligen Arbeit die changierende, bewegte Themse fotografisch fest und begleitet die Bilder mit einer Flut von literarischen, wissenschaftlichen, musikalischen oder alltäglichen Verknüpfungen, die sie als Fussnoten hinzusetzt. Darin formuliert sie die Vorstellung, Wasser habe eine monolithische Qualität: alles Wasser sei miteinander verbunden. Es trete nur an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Aggregatszuständen und im menschlichen Körper auf. Mit ihrer Suche nach einer Darstellungsform der unfassbaren Reflexion des Wassers stellt sich Roni Horn (*1955) in die lange Historie der Wasserdarstellungen in der Kunst. Ihr Blick auf die Wasseroberflächen folgt zunächst der Perspektive des Narziss um dann einen Bezug des menschlichen Organismus zum grösseren Kreislauf des Wassers herzustellen.

HORIZONTVERSCHIEBUNG: VON FEST ZU FLÜSSIG

In der Genesis geht die Scheidung von Himmel und Gewässer mit der Erschaffung des Horizonts einher, dem weitest entfernten sichtbaren Punkt, der Malern wie Betrachtern zur Orientierung dient. Besonders in der Fotografie, dem Medium des Brenn- und Fluchtpunkts par excellence, wird dieses Motiv oft aufgegriffen. Die Serien von Meereslandschaften von Gerhard Richter (*1932) und Hiroshi Sugimoto (*1948) scheinen mit den feinen Variationen des immer Gleichen geradezu um ein Urbild zu zirkulieren. Gänzlich verselbständigt sich die Farbe als Materie der Malerei bei Morris Louis (1912–1962). Der Maler des Amerikanischen Farbfeldmalerei nutzt die flüssige Eigenschaft von Acrylfarbe und lässt sie auf ungrundierte Leinwände in abstrakte Farbströme verfliessen. Die Farbstreifen in «Parting of Waters» (1961), die sichtbaren Tropfen und Linearität des Bildaufbaus vermitteln ein Moment des Fliessens. Die biblische wie technische Trennung von fest und flüssig, die im Titel anklingt, trifft das malerische Vorgehen von Louis präzise.

VON DER QUELLE ZUM KANAL: UNSER UMGANG MIT DER RESSOURCE

Als lebenswichtiges Element, Inbegriff von Reinheit, unverzichtbar als Trinkwasser, genutzt für die Gewinnung von Energie oder als Verkehrsweg – das Wasser ist allgegenwärtig und ein Spiegel von gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Themen. Im Video «Flooded McDonald‘s» (2009) des Künstlerkollektivs Superflex dringt Wasser in eine Filiale der Fast Food-Kette und flutet das menschenleere Restaurant bis das ganze Inventar und die Esswaren in einer braunen Suppe schwimmen. Symbolisch dringt die Überschwemmung bei einem Verursacher der klimatischen Veränderungen als zerstörerische Masse ein. Das Szenario von Verflüssigung lässt ebenso an Prozesse von Verdauung und Verfall denken.

Auch Pamela Rosenkranz' mit trüber Masse gefüllte Evian-Flasche (2011) durchkreuzt das Versprechen der Marke von reinem Wasser aus natürlicher Quelle und wirft ein kritisches Licht auf den menschlichen Umgang mit den Ressourcen. Natur und Kultur, die Domestizierung der Naturkräfte und ihr zerstörerisches Potenzial prallen auf beklemmende Weise aufeinander. Klara Hobza setzt sich in Tauchaktionen der körperlichen Wucht des Wassers aus, durchbricht die Oberfläche um das Darunterliegende zu entdecken. In Basel hob sie 2014 vom Flussbett einen Felsbrocken auf, der die Vorstellung von zerklüfteten Unterwasserlandschaften erweckt. Zeichnungen und eine Skulptur zeugen von dieser Aktion.

WERKE VON 1915 BIS HEUTE

Die diesjährige «Bilderwahl! Monolithic Water», für die die Mitglieder der Zürcher Kunstgesellschaft das Seestück von James Ensor gewählt haben, ist von Kunsthistorikerin Claire Hoffmann kuratiert. Sie setzt sich mit Werken der Sammlung des Kunsthauses auseinander und stellt diesen einige Leihgaben, wie diejenigen Arbeiten der Berliner Künstlerin Klara Hobza, gegenüber. Anhand von rund 20 Positionen aus den letzten 100 Jahren zeigt Hoffmann, wie das Phänomen der Wasseroberfläche  Künstlerinnen und Künstler in verschiedenen Gattungen inspiriert. Die neben den materiell-künstlerischen Lösungen oftmals narrativen Praktiken stossen zusätzliche Dimensionen auf. Näher beschrieben und diskutiert werden können diese Erkenntnisse an den öffentlichen Führungen, die die Kuratorin persönlich durchführt. Private Führungen organisiert das Kunsthaus gerne auf Anfrage.

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84
www.kunsthaus.ch

Offen: Fr–So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr

Eintritt in Ausstellung inkl. Sammlung: CHF 15.-/10.- reduziert und Gruppen. Bis 16 Jahre und mittwochs gratis

Öffentliche Führungen: Mi 3. Dezember/28. Januar/25. Februar, 18.30 Uhr

Bild:
James Ensor
Strand von Ostende
um 1915 Öl auf Leinwand
54 x 66 cm
Kunsthaus Zürich
© 2014 ProLitteris, Zürich

 


Veröffentlicht am: 20.09.2014

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