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Morgengruß von Helmut Harff: Aus

Ein Tabu muss gebrochen werden

In einen Film den ich letztens sah, fiel der Satz, dass jeder so stirbt, wie er gelebt hat. Klingt toll, aber ich habe daran so meine Zweifel. Das würde ja bedeuten, dass jemand, der sein Leben auf der Couch verbracht hat, ganz in Ruhe einschläft und derjenige, der immer auf der Überholspur unterwegs ist, den Löffel eher in Hektik abgibt.

Der Tod, das ist - wie wir aus der Literatur wissen - ein Meister aus Deutschland. Der Tod hatte immer einen großen Stellenwert im Leben der Deutschen. Viele Kunstwerke beschäftigen sich genau wie unzählige Bücher mit diesem Thema. Unsere Friedhöfe legen ebenfalls davon Zeugnis ab, dass der Tod uns alles andere als egal ist.

Wir geben für den Tod häufig mehr Geld aus als für das Leben. Wir kümmern uns um die Gräber manchmal mehr als um die Lebenden. Manchmal habe ich den Eindruck, dass Gräber um so prächtiger ausfallen, um so aufwändiger gepflegt werden, um so weniger sich die Angehörigen um den Lebenden gekümmert haben. Wie gesagt, das ist nur ein Eindruck.

Wieso geben wir überhaupt so viel Geld für Bestattungen, für Gräber und dessen Pflege aus? Die Toten haben nichts davon, egal ob sie im Fegefeuer oder im Himmel landen oder einfach in der Erde dem natürlichen Lauf der Natur ausgesetzt sind. Vielfach sind es die Nachbarn, die man so davon überzeugen will, dass man seine Angehörigen liebt. Als ob die nicht  wissen, wie es war, als der Verstorbene noch lebte. Es ist vielleicht auch das schlechte Gewissen, mit den Verschiedenen nicht immer so umgegangen zu sein, wie er es eigentlich verdient hätte, wie es sich gehört hätte.

Doch wie macht man es richtig? Wie geht man mit den Tod um? Reden sollte man auf jeden Fall. Ich habe das mit meiner Mutter nie getan. Alle waren sicher, sie wird meinen Vater überleben, aber es kam anders. Ich wollte es bei meinem Vater besser machen. Doch wie redet man mit einem kranken alten Mann über dessen Ableben? Wann ist der richtige Termin? Den gibt es nicht. Man muss es einfach tun. Ich tat es nach einem gemeinsamen Besuch auf dem Friedhof.

Es war eigentlich ganz einfach. Ich hatte sogar den Eindruck, dass mein Vater froh darüber war, darüber reden zu können. Er hatte sich augenscheinlich schon seine Gedanken darüber gemacht und ziemlich konkrete Vorstellungen. Er sagte mir, wie er sich das mit seiner Beerdigung vorstellt. Es waren keine wirklichen Vorgaben, eher die Art und Weise, wie das ablaufen soll. Er hatte Geld für seine Beisetzung zurückgelegt. Es gab sogar eine Liste mit Namen von Menschen, die ich zu seiner Beerdigung einladen soll. Er äußerte, dass er sich von diesen Menschen, die ihm etwas bedeuten, verabschieden will.

Sich verabschieden? Normalerweise verabschieden sich die Hinterbliebenen vom Toten. Doch irgendwie verstand ich ihn. Das Gespräch war gar nicht traurig, manchmal eher sachlich, verständlicherweise auch emotional. Es tat wohl beiden gut, denn - das verrieten wir uns zwischendurch - beschäftige uns das Thema schon länger. Wir hatten ein Tabu, das uns beide beschäftigte, durchbrochen. Sein Ableben ist ihm deshalb sicher nicht leichter gefallen und meine Trauer war nicht geringer, aber es gab zumindest einen Punkt weniger, über den man nicht gesprochen hat.

Wie war das? Jeder stirbt so, wie er gelebt hat. Vielleicht stimmt das doch irgendwie. Wir, mein Vater und ich, haben immer über vieles geredet. Das war gar nicht so einfach, denn bekanntlich fällt der Apfel nicht weit vom Stamm und mein Vater war manchmal ziemlich stur.

Nun muss ich doch erst einmal schlucken, bevor ich mir mein Frühstück mache.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Nicht vergessen: Miteinander reden - nicht nur über den Tod.

 


Veröffentlicht am: 14.07.2015

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