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Aufgespießt: Idole

... vergisst man nicht

(Helmut Harff / Chefredakteur) Ein oder mehrer Idole zu haben, das kennt wohl jeder von uns. Es gibt Menschen, die begeistern uns, die sind für uns ein Vorbild, mit denen fühlen wir uns verbunden, die geleiten uns eine lange Wegstrecke, manchmal ein Leben lang.

Idole, das sind für viele Menschen Personen, die sie anbeten, verherrlichen, vergöttern. Wer so zu einem Idol steht, der sammelt alles über ihn, will ihm nah sein, versucht ihn zu kopieren, betet ihn an. Dem Idol wird das ganze Leben gewidmet. Man gibt viel Geld aus und richtet ihm Altäre oder ganze Zimmer ein. Man gründet Fanclubs oder ist zumindest Mitglied in einem. Das kann bis zum persönlichen Ruin, bis zum Wahn, bis zu kriminellen Handlungen führen.

Doch das muss nicht sein. Zu meinen Idolen gehört Joan Baez. Die Stimme der US-Folk-Sängerin würde ich, der nicht gerade über das absolute Gehör verfügt, immer raus hören. Nun tat mir ARTE einen großen Gefallen und brachte ein Porträt über die Bürgerrechtlerin und Pazifistin. Fasziniert folgte ich der Doku über die Frau, die jahrelang zumindest weiten Teilen mein Bild von den USA prägte.

Sie war es auch, die mich die DDR kritischer sehen ließ. Da war eine tolle Frau, die sich gegen den Vietnamkrieg aussprach, die gegen die Rassentrennung auf die Straße ging, die Mitstreiterin von Martin Luther King war - und doch war sie nicht wirklich wohl gelitten in der DDR. Zumindest war das in meiner persönlichen Rückschau so. Ich verstand das damals nicht, schließlich war sie absolut gegen jede Gewalt, genau wie Mahatma Gandhi. Doch sie war auch eine Frau, die US-Boys aufforderte, ihre Einberufungsbefehle zurück zugeben. Da hatten die DDR-Oberen wohl Angst, dass genau das auch im Arbeiter- und Bauernstaat Schule machen könnte.

Joan Baez begleitete mich aber weiter durch mein Leben. Ich erinnere mich an Berichte über ihren Auftritt beim legendären Woodstock-Festival. Damals war ich 14 Jahre als und mächtig "revolutionär". Wir zogen mit Plattenspieler, Tonband und Röhrenradio durch die Gegend und sorgten für Musik bei Partys. Den Begriff Discjockey kannten wir damals noch nicht. Dafür kannten wir Bob Dylan oder Joans Schwester Mimi Fariña, mit der mein damaliges und heutiges Idol auftrat. Ich war damals ein riesiger Fan von Joan Baez. Klar, dass Plakate und ähnliches mein Zimmer zierten.

Ich verlor in der Folge mein Idol aus den Augen. Um so mehr riss ich die auf, als sie 1985 das Live-Aid-Konzert eröffnete. Da war sie wieder, die Stimme meiner Jugend.

Es dauerte dann bis 1989, bis mir die charismatische Sängerin wieder in den Kopf kam. Sie, die immer Gewaltlosigkeit predigte und vorlebte erschien mir wie ein Vorbote, ein Vorbild für die Aufforderung der DDR-Bürgerbewegung "Keine Gewalt". Das hat sie sicherlich begeistert.

2008 begeisterten mich dann Fernsehbilder von Joan Baez aus dem kriegszerstörten Sarajevo. Sie sang, angetan mit einer Splitterschutzweste, ohne Gitarre einfach so auf der Straße.

Ja, und nun dieses Porträt dieser einmaligen Künstlerin und politischen Frau. Die hat ganz sicher keine Ahnung, dass sie mein Idol ist. Sie hat ebenso sicher keine Ahnung davon, wie sehr sie mein Leben geprägt hat, wie wichtig sie für mein Leben war. Es wäre nicht schlecht, wenn ich ihr das einmal selber sagen könnte.

Idole, das sind für mich nicht Menschen, die ich in den Stand einer Gottheit erhebe, die ich anbete, denen ich mein Leben widme, für die ich mein eigenes Leben aufgebe. Idole sind für mich Menschen, an denen ich mich orientieren, an denen ich wachsen kann.

Joan Baez ist so ein Idol für mich.

 


Veröffentlicht am: 27.07.2015

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