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23.06.2017

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Leihhühner

Auf Balkons wird es lebendig

Diejenigen unter uns, die sich an die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg erinnern können, wissen noch, wie es damals auf Balkonen, Hinterhöfen und Schrebergärten aussah. Überall mümmelten Kaninchen, gackerten Hühner und hier und da grunzte ein Schwein. Mitten in den Großstädten wurden sogar Kühe gehalten.

Damals war es die schiere Not, der Hunger, der die Großstädter zu Minibauern machte. Niemand kümmerte sich um artgerechte Tierhaltung. Die Hühner sollten erst jeden Tag ein Ei legen und dann in den Suppentopf wandern. Die Kaninchen sorgten mit ihren Fell für warme Finger und ansonsten für einen vollen Magen. Gefüttert wurde mit allem, was so ein Vieh am Leben erhielt, zum Eier legen inspirierte und sie schön fett machte. Niemand störte sich an irgendwelchen Gerüchen oder Geräuschen. Es waren eben Notzeiten.

Die Notzeiten sind lange vorbei. Geht es heute ums Essen, so muss es nicht satt machen, sondern gesund und glücklich. Es soll bio-dynamisch erzeugt worden sein und dem Esser ein gutes Gewissen machen. Doch wer weiß schon, was er kauft. Selbst wer zum Bauern seines Vertrauens völlig unökologisch 100 Kilometer fährt, um sich mit frischen Eiern einzudecken, muss - wie der Name schon sagt - dem Bauern vertrauen. Was der seinem Federvieh wirklich füttert und womit er es ansonsten versorgt weiß der Großstädter nicht.

Nun haben findige Bauern eine neue Idee, wie man Großstadt-Gutmenschen wieder zu Großstadt-Bauern machen kann. Man verleiht ihnen Hühner. Ja, man kann sich Hühner ausleihen - vorausgesetzt, man hat genügend Platz für die Eierproduzenten. Bestimmt kann man gleich auch veganes Super-Biofutter beim Hühnerverleiher kaufen. Wie zu erfahren war, sind die Leihhühner für die Bedürfnisse der Großstädter gezüchtet worden. Sie sollen sich sogar streicheln lassen.

Großstädter, lasst die Finger von den Leihhühnern! Ihr macht Euch schuldig an dem unschuldigen Federvieh. Wer kann schon in der Großstadt Hühner artgerecht und damit gesetzestreu halten. Darf man artgerecht gehaltenen Hühnern den Hahn vorenthalten? Von Leihhähnen war nie die Rede. Darf man den Hühnern aus Eigennutz alle Eier wegnehmen? Was ist mit dem Recht der Hühner auf eigenen Nachwuchs?

Wie will man die Hühner artgerecht halten? Wo können sie in der Großstadt nach Würmern scharren oder es sich - die romantische Bauernhofidylle kreist ja noch in vielen Städterköpfen - auf dem Misthaufen bequem machen? Wie schützt man in Berlin, München, Hamburg oder anderen Zentren die Viecher vor Verkehrslärm, Feinstaub und Smog? Ich bin überzeugt davon, dass so ein Möchtegern-Großstadthühnerhalter all die Fragen nicht hühnergerecht beantworten kann.

Und, sind die Leihhuhnhalter sich eigentlich sicher, dass ihre Rechtschutzversicherung all die Prozesse finanziert, die hühnerlärm-geplagte Anwohner mit Sicherheit anstreben. Wer schon gegen Kinderlärm die Gerichte bemüht, wird ein gackerndes Huhn bestimmt nicht ungerupft davon kommen lassen. Die Leihhühner lassen sich zwar streicheln - wo zu eigentlich - Krach und Dreck machen sie aber genau wie ihre Leidensgenossen in der Legebatterie. Wer am Ende des Tages das schlechtere Los gezogen hat? Fragen wir die Hühner.

Ich halte die Idee der Leihhühner für völlig bekloppt, auch wenn hier einige wenig tierliebende Bauern ein Zusatzgeschäft wittern.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück - mit Rührei.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 27.08.2015

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