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26.04.2017

 

 

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Tante Grete Möbelgeschichten

... erzählt von Deike Scharnberg


Deike Scharnberg begann ihre kreative Karriere 1992 mit dem Studium der Architektur an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Schon während ihres Studiums beschäftigte sie sich mit der praktischen Gestaltung von Möbeln. Als prämiertes Werk ging daraus das rollbare Einpersonenbüro “Mobil-Ei” hervor, welches öffentlich ausgezeichnet und im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ausgestellt wurde.

Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete Deike Scharnberg zunächst als Architektin, später baute sie für ein Wohnungsunternehmen funktionale Siedlungshäuser, bevor sie dann in die Immobilienwirtschaft wechselte.

Doch die Sehnsucht zur Gestaltung am konkreten Objekt, der tiefe Wunsch, sich künstlerisch auszudrücken, blieb. Nach Ausflügen in die Fotografie realisierte sie im Hamburger Schanzenviertel die Fotoausstellung “Die schlafende Schöne”.

Während eines längeren Auslandaufenthaltes in Bombay/Indien ließ sich Deike Scharnberg von der Farbigkeit, Lebendigkeit und dem kulturellen Mix dieser faszinierenden Kultur zutiefst beeindrucken. Möbel im britischen Kolonialstil, einzigartige Art déco Fassaden, leuchtende Sari-Stoffe und glitzernde Mode inspirierten sie zu der Idee, klassische Gebrauchskunst durch individuelle Umgestaltung in die heutige Zeit zu transformieren. Damit war die Idee zu Tante Grete und Design als Selbsterfahrung geboren.

Im Gespräch verrät Deike Scharnberg mehr über Tante Grete und die Möbelgeschichten.

Frau Scharnberg, was verbindet Sie mit alten Möbeln?
Deike Scharnberg:
Ich habe alte Möbel schon immer geliebt. Damit meine ich nicht unbedingt antike Möbel, die zum Beispiel aus der Zeit Louis XVI stammen – obwohl ich die auch mag. Nein, ich meine Möbel, die ich bereits als Kind oder Jugendliche selbst erleben durfte. Ich kann mich noch sehr gut an das Wohnzimmer meiner Großeltern erinnern, an den wuchtigen Wohnzimmertisch mit Marmorplatte, unter dem ich immer saß und malte.

Würden Sie sich also gern so einrichten wie es Ihre Großeltern taten?
Deike Scharnberg:
Um Gottes Willen nein, das wäre mir viel zu altmodisch und wenig modern. Ich finde aber, dass die Möbel, die vor rund 70 bis 80 Jahren produziert wurden, weitaus hochwertiger gearbeitet sind. Das Furnier ist mindestens 3 mm stark und aus Holz und nicht aus Plastik. Diese Qualität sieht man den Möbeln auch an. Aber mich gänzlich in Eiche rustikal einzurichten, kommt mir dabei trotzdem nicht in den Sinn.

Haben Sie selbst Möbelstücke, die Sie ein Leben lang begleiten?
Deike Scharnberg:
Ich habe zwei Musterring Kommoden von meiner Großtante geerbt. Diese sind unglaublich schlicht in ihrer Form – modern in Anlehnung an die 20er/30er Jahre. Vor Jahren habe ich diese dunkelbraun lasiert. Ich mag es immer noch, doch heute hätte ich das Nussbaumfurnier lieber aufgearbeitet, als es zu lasieren. Mit den Möbeln ist es wie in der Mode, das ein oder andere kommt wieder – nur anders.

Ihr Label heißt „Tante Grete Möbelgeschichten“. Warum? Und gab es in Ihrem Leben eine Tante Grete?
Deike Scharnberg:
Ja, es gab wirklich eine Tante Grete. Die zweite Frau und Nachbarin meines Opas und quasi meine Oma. Sie hatte einen sehr erlesenen Einrichtungsgeschmack. Die Möbel, die ich umgestalte, stammen aus der Zeit meiner Tante Grete und ich finde, der Name Grete ist doch heute wieder voll im Trend. Genauso verhält es sich mit meinen Möbeln und Leuchten, irgendwie von gestern aber im Heute angekommen. Ich finde diese Stücke haben alle viel erlebt und viel zu erzählen, sowohl von damals als auch von heute – eben Möbelgeschichten.

Sie gestalten zurzeit vornehmlich Leuchten, außergewöhnliche, manchmal durchaus schrill im Design, wie kam es dazu?
Deike Scharnberg:
Nach meiner Rückkehr aus Indien habe ich mein Wohnzimmer in Rottönen gestaltet - eben farbenfroh wie in Indien. Zu meinem roten Sofa schwebte mir eine Leuchte in knalligem Magenta vor. Doch diese gab es nirgendwo zu kaufen. Also fing ich an, mich auf die Suche zu begeben. Ich fand eine unscheinbare Leuchte mit einem Lampenschirm aus hautfarbener Schweineblase – wirklich hässlich. Ich färbte den Lampenschirm pink ein und versah ihn mit goldenen Fransen und Bordüren. Das Ergebnis ist wirklich erstaunlich, erstaunlich welch anderen Charakter diese Leuchte nach Ihrer Transformation erhalten hat.

Und diese Leuchte heißt?
Deike Scharnberg:
Ich habe sie Primera genannt – und sie ist übrigens unverkäuflich.

Sie haben unterschiedliche Design-Serien erstellt. Was hat es zum Beispiel mit Ihrer Burlesque-Serie auf sich?
Deike Scharnberg:
Ich finde, dass diese wunderschön geschwungenen Lampenschirme an das weibliche Schönheitsideal der 30er/40er Jahre erinnern, mit schmaler Taille und ausladenden Hüften. So kam ich auf die Idee, meine Leuchten in edle Dessous zu kleiden. Ich bin erst einmal durch die entsprechenden Fachgeschäfte gebummelt, um mich inspirieren zu lassen. Nun trägt Irma La Rouge eine geschnürte Korsage und La Dita Strapse mit kleinen Schleifen.



Und wieso Burlesque?
Deike Scharnberg:
Burlesque ist nicht zu verwechseln mit Pornografie, Striptease à la Dollhouse und Frauen in Reizwäsche. Burlesque entstammt dem amerikanischen Unterhaltungstheater der 30er und 40er Jahre. Es sind humorvolle/fantasievolle Tanzvorführungen, bei denen sich die Frauen zwar ausziehen, doch der Striptease dient der nicht-erotischen Unterhaltung und nicht der erotischen Animation. Burlesque ist immer parodierend, frech und häufig grotesk. Immer mit einem Augenzwinkern und wunderschön anzuschauen. Genauso wie meine Burlesque-Lampenschönheiten.

Die Künstlernamen kommen Ihnen dann einfach so in den Sinn?
Deike Scharnberg:
Irma La Rouge erinnert selbstverständlich an das Freudenmädchen Irma La Douce der gleichnamigen Filmkomödie – La Rouge, da ihr Unterkleid sehr pink ist. La Dita hat den blassen, pudrigen Teint ihres Vorbildes Dita von Teese und Caitlyn trägt einen Catsuit im Leoprint – also musste der Name katzenartig sein und die Geschichte von Caitlyn Jenner hat mich zusätzlich inspiriert.

Mit Ihrer Häkelleuchten-Serie schlagen Sie einen ganz anderen Weg ein.
Deike Scharnberg:
Ja, bei der Häkelserie stehen die wunderschönen und extravaganten Leuchtstehlen im Vordergrund. Die sind so einzigartig, dass sie durch keinen schweren Lampenschirm erdrückt werden dürfen. Ich fand, dass sie am meisten zur Geltung kommen, wenn der Lampenschirm auf das Wesentliche – also auf das Gestell reduziert wird. Trotzdem wollte ich den Schirm bekleiden und so kam ich auf einen goldenen engen Lurexanzug – und zum Glück kann ich ganz ordentlich häkeln. Den eigentlichen Lampenschirm, der ja auch als Blendschutz dient, habe ich dann einfach nach innen in Form einer Rotunde
verlegt.


Passen Ihre Leuchten denn zu jedermann?
Deike Scharnberg:
Zu jedermann, der sie mag, der sich in sie verliebt. Sicherlich sind meine Leuchten auffallend, schrill, verspielt, fedrig und opulent. Meinen Werken geht es nicht darum, sich in einen Raum einzufügen, sondern sie wollen auf sich aufmerksam machen. Es sind dann doch individuell gestaltete Schmuckstücke und sicherlich wirken sie besser, wenn man ihnen die passende Bühne bietet – aber das geht auch in einer nicht so herrschaftlichen Wohnung.

Die Preise Ihrer Leuchten liegen bei ca. 500,- bis 1000,- Euro. Möchte sich das jeder leisten?
Deike Scharnberg:
Alle meine Stücke sind individuell gestaltet. Das fängt schon bei der Suche nach ihnen an und wird dann fortgeführt in der Konzeption und der aufwendigen Handarbeit. Meine Kunden können sicher sein, dass es ihre Leuchte nur einmal gibt beziehungsweise einer limitierten Kleinstserie angehört. Mit der Massenproduktion möchte ich gar nicht konkurrieren.

Fotos: Jörg Modrow

 


Veröffentlicht am: 25.09.2015

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