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Morgengruß von Helmut Harff: Wieder einer

Gedanken zu einer Nachricht

Gestern beschäftigte ich mich an dieser Stelle mit dem Alter. Um es noch einmal genau zu sagen, um das Alt werden. Heute bin ich - nicht ich in Person - einen Schritt weiter. Die Nachrichten informierten mich, dass ein Mensch, den ich sehr schätze, gestorben ist. Ich meine den Literaturkritiker, Buchautor und Journalisten Hellmuth Karasek.

Ich mochte den Gegenpol zu Marcel Reich-Ranicki im Literarischen Quartett, der wohl bekanntesten Literatursendung im deutschen Fernsehen. Ich schätzte aber auch den Autor und vor allem den Vorleser Hellmuth Karasek. Ich erlebte den nun Verstorbenen noch 2013 bei einer solchen Lesung. Es war wie immer ein Erlebnis.

Als ich nun von seinem Tod hörte, war mein erster Gedanke: Wieder einer weg. Mein zweiter war, dass all die interessanten Menschen fast im Tagesrhythmus sterben. Das ist sicherlich ein sehr subjektiv gefärbter Eindruck. Wobei, es ist ja nicht so ganz verwunderlich, wenn die Leute sterben, die einem lange Strecken des eigenen Lebens begleitet haben. Schließlich bin ich ja auch schon 60 und solche Begleiter sind häufig deutlich älter als man selber.

In den Nachrufen - die sicherlich schon auf den Redaktionsrechnern abgespeichert waren - ist dann beispielsweise zu hören, das der letzte große Kritiker von uns gegangen sei. So etwas macht sich in Nachrufen vielleicht gut, ist aber Unsinn und eine Beleidigung der heute aktiven Kritiker. Man sieht eben immer ein Stück die Welt, das Abendland oder zumindest die deutsche Kultur untergehen, wenn ein Mann wie Hellmuth Karasek stirbt.

Ich kann ihnen versichern, nichts von dem ist der Fall, ansonsten wären wir längst eine kulturelle Wüste. Wir haben eine sehr lebendige Literatur und wir haben sehr lebendige Kritiker. Man muss sich nur einmal bei den Büchermessen in Frankfurt/Main oder Leipzig umsehen.

Ja, es ist traurig, wenn Menschen sterben die man schon sein ganzes Leben kennt - wenn auch nur aus der Ferne. Es ist traurig, wenn Menschen nicht mehr da sind, deren Bild man kennt, die man schon an der Stimme erkennt. Doch so ist der Lauf der Welt. Vielleicht bietet uns der Tod von solchen omnipräsenten Menschen auch eine Chance, die Chance, neue Menschen wahr zunehmen, die nun für uns aus dem Schatten beispielsweise eines Hellmuth Karasek heraustreten.

Die Welt dreht sich heute nicht langsamer, das Leben wird weiter gehen. Und doch, eines hat zumindest bei Deutschland Radio Kultur Hellmuth Karasek mit seinem Ableben geschafft: Er verdrängte die Themen Flüchtlinge und Volkswagen auf die Plätze verwiesen. Das schaffen nur sehr wenige Menschen und es ist auch eine Form der Ehrung. Eine Ehrung, die man selber sicherlich nie erreichen wird, die aber irgendwie ein Ziel sein kann.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 30.09.2015

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