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Morgengruß von Helmut Harff: Menschen

Ich beobachte sie gern...

Ich gebe es zu, ich bin verdammt neugierig. So möchte ich eigentlich immer wissen, welche Menschen mich gerade so umgeben. Im privaten Umfeld ist das ja kein Problem. Und sonst? Da beobachte ich eben die Menschen.

Dieses Beobachten ist schon fast zur Manie geworden, meint zumindest die beste Frau der Welt. Wenn ich ehrlich bin – sie hat recht. Es macht mir einfach Spaß, mir ein Bild von den Menschen zu machen. Ich bin mir sicher, dass ich mit meiner Einschätzung längst nicht immer richtig bin. Doch viel zu beobachten, dass schult das Auge. Ich achte viel mehr auf Kleinigkeiten, auf Bewegungen, auf die Kleidung, auf getragenes oder eben nicht getragenes Beiwerk, auf die Sprache, darauf, wie jemand spricht, sich am Handy verhält.

Auf meiner letzten Reise hatte ich dazu wieder ausreichend Gelegenheit. Ich war schon im Vorfeld neugierig, was das für Menschen sein werden, die sich mit mir auf die sündhaft teure Reise im Venice Simplon-Orient-Express von Venedig nach London begeben werden. Sind das alles alte oder zumindest Leute in meinem Alter? Sind das Reiche, sind das Snobs? Tragen die Damen dicke Klunker und die Männer die Platin-Geldkarte mit sich rum? Ist Frau nur wer mit einer Tasche von Prada oder Loui Vuitton? Trägt man eine sündhaft teure Uhr?

Die ersten Mitreisenden, die sich mit mir und der besten Frau der Welt am Counter in Venedigs Bahnhof Santa Lucia einfanden, machten einen ganz normalen Eindruck. Keine sündhaft teuren Koffer, keine großen Hüte, keine Beautycase – eben Leute wie du und ich.

Doch damit war selbstverständlich meine Neugier noch längst nicht befriedigt. Das war auch nicht der Fall, als ich feststellte, dass viele jüngere Menschen mit mir den Zug bestiegen. Da waren die very british gekleideten Gentleman, die wohl ein Paar sind. Da waren aber auch  zwei Freunde – zumindest habe ich sie so gesehen. Dann waren da die schönen Italienerinnen. Die beiden Blondinen waren augenscheinlich Mutter und Tochter. Die vier etwas lautstärkeren Damen kamen sicherlich auch aus Italien und feierten einen Geburtstag – 4 Kerzen gleich 40 Jahre? - und genossen es, sich stundenlang austauschen zu können. Wie die drei Japanerinnen zusammen gehörten? Ich weiß es nicht. Dem Alter nach könnte es Mama mit ihren Töchtern gewesen sein.

In so einem Zug, in dem man außer aus dem Fenster sehen und lesen vor allem mit essen und trinken beschäftigt ist, hat man viel Zeit, die Leute zu beobachten. Ich hatte also nicht nur an dem Zug, dem Luxus, dem verwöhnt werden, dem wundervollen Essen meinen Spaß. Ich hatte viel Zeit, meine Mitmenschen zu beobachten.

Es war auch interessant, wie sich die Menschen am Abend veränderten. Der Dresscode sah Abendgarderobe vor und die meisten Damen und Herren erschienen auch entsprechend gekleidet. Es ist immer wieder verblüffend, was Kleidung aus einem Menschen macht, wie sie ihn und sein Verhalten verändert. Männer im Anzug, im weißen Hemd mit Krawatte oder Fliege gehen aufrechter. Ich habe immer den Eindruck, dass so ein Outfit wie einst Mama sagt: Du, geh gerade. Als Preuße klinkt das dann so: Brust raus, Bauch rein.

Das hören aber wohl auch die Frauen. Hochhackige Schuhe – in einem schwankenden Zug sicherlich eine doppelte Herausforderung – und ein Abendkleid machen zumindest optisch aus eine Frau eine Dame. Doch geht auch bei den meisten Damen mit der äußerlichen auch eine innerliche Verwandlung vor. Frau wie Mann bewegen sich anders, eleganter, sind aufmerksamer, achten mehr auf sich. Vielleicht sind sie sogar etwas kontrollierter – das aber sicherlich eher unterbewusst.

Wie gesagt, es macht mir Spaß, Leute in meiner Umgebung zu beobachten. Wenn die Umgebung so  exklusiv ist wie im  Venice Simplon-Orient-Express, dann ist das ein wahrer Glücksfall – zumindest für mich.

Jetzt mache ich mir mein Frühstück. Dabei möchte ich mich lieber nicht beobachten.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Wenn Sie heute ihre Mitmenschen beobachten, dann stecken Sie sie nicht in eine Schublade. Meistens ist es ohnehin die falsche.

 


Veröffentlicht am: 21.10.2015

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