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Morgengruß von Helmut Harff: Radikale

Was sind das eigentlich...

Ich höre immer wieder von Radikalen in diesem Land. Mal sind es freie Radikale, die mein Leben bedrohen, mal sind es Linksradikale, die das Land in die kommunistische Unterjochung führen wollen. Mal gehörte ich aus Sicht der DDR-Oberen auch zu den Radikalen, die die Nase voll von der SED-Herrschaft hatten. Dann gibt es noch die radikalen Fußball-Fans, die radikalen G-7-Gegner, die radikalen Atomkraftgegner, die radikalen Feministinnen und die radikalen Schwulen. Es gibt die radikalen Abtreibungsgegner und die radikalen Moslems, die radikalen Evangelikalen und die radikalen Katholiken.

Sicherlich gibt es noch viel mehr – ich denke bloß an die radikalen Veganer, die radikalen Raucher und die radikalen Antialkoholiker. Es gibt die radikalen Tierschützer und radikale Gemüseverweigerer. Wenn man das so sieht, sind wir eigentlich ein Volk von Radikalen. Haben Sie das gewusst?

Und nun beherrschen wieder Radikale die Medien. Mal sind es nur Radikale – wie kann man eigentlich nur so radikal sein – mal sind es Rechtsradikale. Ja, es gibt in diesem Land Radikale an allen politischen und religiösen Rändern. Doch der Rest, der gerade in Dresden auf sich aufmerksam macht, was für Radikale sind das?

Aus meiner Sicht sind es – wenn der Begriff überhaupt zutrifft – heimatlose Radikale. Die rechten und die linken, die tierschützenden und rauchenden Radikale haben alle eines gemeinsam: Sie haben Treffpunkte, sie sind vielfach organisiert, haben Gleichgesinnte von denen sie wissen, wo man sich trifft. Sie planen und führen gemeinsame Aktionen durch, sie gründen Vereine.

Und die in Dresden auf die Straße gehen? Wenn das alles Rechtsradikale sind, warum sind dann nicht tausende Dresdner Mitglied in als rechtslastig eingestuften Parteien? Warum wandern sie nicht nach Bayern aus, um Jünger von CSU-Boss Seehofer zu werden? Vielleicht, weil die Mehrzahl der Demonstranten gar nicht radikal ist?

Sind das da in Dresden – und in vielen anderen Orten der Republik – einfach nur Menschen, die Angst haben, die Fragen haben, die niemand beantwortet? Fühlen sie sich vielleicht von all den Gutmenschen um sich herum, von den Parteien (CSU?), den Gewerkschaften, den Kirchen, den Vereinen und was es da noch so gibt, einfach allein gelassen?

Ja, was da zum Teil in Dresden abläuft, geht auch mir über die Hutschnur. Wer sich nicht an die Gesetzte hält, muss spüren, dass wir immer noch wissen, wie man mit Radikalen verfährt. Das muss schnell und nachdrücklich passieren. Doch alle Dresdner Pegida-Demonstranten in einen Sack stecken, das geht auch auf keinen Fall. Schließlich ist auch nicht jeder ein Hooligan, der ein Fußballspiel besucht, bei dem es zu Ausschreitungen oder Beleidigungen kommt. Nicht jeder Moslem, der warum auch immer einem Hassprediger zuhört, ist ja auch ein radikaler Moslem.

Aber eines muss ich den Dresdnern doch noch mitgeben: Wer sich gegen Ausländer ausspricht, wer Angst vor Zuwanderung hat, wer A sagt, sollte auch B sagen und all die Ausländer vor seinem Besuch bewahren. Sprich, wer sich jetzt gegen Zuwanderung ausspricht, sollte mit seinem Hintern in Dresden bleiben. Der sollte auch überlegen, ob er zukünftig noch die heimliche Sachsenhymne „Sing mei Sachse, sing“ anstimmt. Darin heißt es ja „Der Sachse liebt das Reise sehr, nu dem lich das in' Knochen!
Drum fährt er gerne hin und her in sein' drei Urlaubswochen.
Bis nunder nach Bulgarchen, tut er de' Welt beschnarchen!
Und sin' die Koffer noch so schwer, und sin' zu voll die Zieche
und is' es Essen nich weit her, das kennt er zur Genieche.“

Das macht doch niemand, der mit Ausländern nichts anfangen kann. Wobei, so ganz radikal sollte ich das wohl auch nicht sehen.

Jetzt mache ich mir mal ganz radikal mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 22.10.2015

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