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Morgengruß von Helmut Harff: Sterben

... ist kein Genussthema...

Es ist wohl eine der ältesten Erkenntnisse der Menschheit, dass jeder sterben muss. Totenkulte gibt es seit dem Auftauchen des Homo Sapiens. Der Tod spielt in wohl allen Religionen eine entscheidende Rolle. Nur wir ach so modernen und aufgeklärten Menschen tun uns mit dem Thema so unendlich schwer. Wir sind Meister im Verdrängen der Tatsache, dass unsere Zeit auf der Erde begrenzt ist.

Vielleicht ist es sogar verständlich, dass wir mit dem Thema Sterben so wenig anfangen können. Unsere Kinder sterben nur in sehr seltenen Fällen in jungen Jahren, Mütter überleben nahezu jede Geburt und wir werden immer älter. Der Tod ist also für die meisten von uns kein ständiger Begleiter.

Wir bekommen auch vom Sterben kaum noch etwas mit, viele von uns haben nie einen Menschen sterben gesehen. Das passiert immer häufiger anonym im Krankenhaus oder im Pflegeheim. Wenn uns das Sterben begegnet, dann eher auf dem Friedhof oder in Form von Traueranzeigen in lokalen Zeitungen.

Und doch, überall leiden Menschen, wissen, dass ihr Lebenslicht verlöscht. Es gibt auch überall Menschen, die wollen nicht mehr leiden, wollen ihrem, aus ihrer Sicht nicht mehr lebenswertem Leben, ein Ende setzten. Dass man in eine solche Situation kommen kann, in der man den Tod als Erlösung ansieht, kann wohl nur wirklich nachvollziehen, wer schon einmal in einer solchen Situation war oder zumindest einen Menschen in einer solchen Lebensphase intensiv begleitet hat.

Was tun, wenn jemand einfach die Schnauze voll hat, nicht mehr leiden will, nicht dahin vegetieren will, nicht mehr selber für sich sorgen kann, rund um die Uhr auf Hilfe, auf Medikamente angewiesen ist? Gibt man ihm, so er das noch klar artikulieren kann, die Möglichkeit, sich mit Würde aus dem Leben zu verabschieden? Hilft man ihm dabei? Legt man selber Hand an, wenn der Sterbewillige das selber nicht mehr kann?

Genau vor dieser Frage stehen heute die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Es geht um vier entsprechende Gesetzesentwürfe, die zumeist parteiübergreifend erarbeitet wurden. Da verwundert es auch nicht, dass der sogenannte Fraktionszwang aufgehoben wurde und jeder Abgeordneter nach seinem eigenen Gusto - sprich Gewissen - abstimmen kann. Ja, dass sollte immer so sein, doch das eine ist die Theorie und das andere die Realität.

Ehrlich, ich möchte - nicht nur bei dieser Entscheidung - nicht in der Haut eines Abgeordneten stecken. Die entscheiden über nicht mehr als über Leben und Tod. Sie entscheiden darüber, ob ein Mensch so lange leiden muss, bis ihn der natürliche Tod erlöst. Sie entschieden darüber, ob schon der einfach geäußerte Sterbewunsch ausreicht, beispielsweise die lebenserhaltenden Maßnahmen zu beenden.

Das ist wirklich nicht leicht. Wer hat nicht schon mal bei dollen Zahnschmerzen, bei einer Nierenkolik oder einem Hexenschuß laut gedacht, dass man angesichts der Schmerzen lieber sterben möchte? Doch das meinten wir nicht ernst. Doch wann ist der Todeswunsch dann ernst gemeint? Wenn er in einer Patientenverfügung steht? Woher weiß ich ziemlich gesund mit 30, 40 oder 50, ob ich 20 oder 30 Jahre später und austherapiert wirklich sterben will? Ich weiß es auch mit 60 nicht.

Und doch, die Möglichkeit selber über mein Lebensende entscheiden zu können, Hilfe beim Ableben einfordern zu können, das ist irgendwie beruhigend. Ob ich mich jedoch für den geplanten Tod entschieden würde? Ich weiß es nicht und möchte auch nie vor dieser Frage stehen. Ein wahrscheinlich frommer Wunsch.

Doch noch liebe ich das Leben und gleich mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich eine genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 06.11.2015

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