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Im Gedenken an Adolph Hoffmann

Sozialist, Verleger, Freireligiöser, Freidenker und Parlamentarier der Sozialdemokratie

Urenkelin Astrid Schmiechen (li.) und Ururenkelin Patricia Piekenbrock am Grab von Adolph Hoffmann auf dem Städtischen Zentralfriedhof in Berlin Friedrichsfelde

Ohne Vergangenheit gibt es keine Gegenwart und lässt sich schwer Zukunft gestalten. Diese Philosophie ist für die Freireligiöse Gemeinde von Berlin Programm: Anlässlich seines 85. Todestages ehrte sie Adolph Hoffmann: Sozialist, Verleger, Freireligiöser, Freidenker und Parlamentarier der Sozialdemokratie.

An der feierlichen Zeremonie auf dem Städtischen Zentralfriedhof Berlin Friedrichsfelde, Gedenkstädte der Sozialisten, nahmen seine Urenkelin Astrid Schmiechen und seine Ururenkelin Patricia Piekenbrock teil.

„Die Frauen und Männer der Arbeiter- und Freidenkerbewegung waren Vorreiter ihrer Generation. Zu ihnen gehören August Bebel, Karl Liebknecht, Paul Singer und eben Adolph Hoffmann“, sagt Anke Reuther vom Vorstand der Freireligiösen Gemeinde. Hoffmann wurde am 23. März 1858 in einer katholischen Berliner Fischerfamilie geboren. Seine Mutter verstarb frühzeitig. Er war Pflegesohn eines Tuchmachers und absolvierte eine Ausbildung als Graveur und Vergolder. Seine späteren beruflichen Stationen waren Buchhändler, Zeitungsredakteur, Verleger, Publizist, Parlamentarier und Minister.

Gedenkworte sprach  Dr. Rainer Sandvoß von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Außerdem ist der Politikwissenschaftler und Historiker Mitglied der Historischen Kommission der Sozialdemokratie. Hoffmann fand 1873 zur Freireligiösen Gemeinde Berlin: 1913 wurde er deren Vorsitzender. 1876 wurde er Mitglied der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP), der späteren Sozialdemokratischen Partei. Fünf Jahre danach, 1881, gehörte Hoffmann zu den Mitbegründern des Deutschen Freidenkerbundes.

Hoffmann war ein vehementer Vertreter für die Trennung von Staat und Kirche, beschlossen auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Erfurt 1891 („Erklärung der Religion zur Privatsache“ und die „Weltlichkeit der Schule“). Als Autor der Schrift „Die zehn Gebote und die besitzende Klasse“ (1891) wurde er schnell als der „Zehn-Gebote-Hoffmann“ genannt und vom bürgerlichen Lager gar der Gotteslästerei bezichtigt. Wein trinken und Wasser predigen ist die Quintessenz dieses Werkes. Selbst Clara Zetkin erkannte zuerst nicht die Botschaft der Broschüre (1897). Jedoch 1904 nahm sie ihre Einwände zurück: Hoffmann konnte die neunte Auflage mit einem „Geleitbrief“ von ihr einleiten und besaß zudem eine weitere bekannte Befürworterin seiner Ansichten.

Der brillante Rhetoriker

1900 wurde Hoffmann Mitglied der Berliner Stadtverordnetenversammlung. Zudem begann die Freundschaft mit Karl Liebknecht. 1904 war Hoffmann Reichtagsabgeordneter und berühmt für seine Zwischenrufe, mit dem eigenen rhetorischen Pfeffer: Im selben Jahr griff Reichskanzler Bülow die Sozialdemokratie scharf an: „Das merken sie sich mal, das große Maul macht es nicht!“ Hoffmann konterte: „Sagen Sie das doch Ihrem Prinzipal!", womit Kaiser Wilhelm II. gemeint war. Das kam seinerzeit einer Majestätsbeleidigung gleich.

Liebknecht bezeichnete Hoffmann 1917 als den geborenen Regisseur für Zwischenrufe. In der Wochenschrift „Der Drache“ von 1928 hieß es: „In Hoffmanns Zwischenrufen steckt mehr als Witz. Es sind einzeilige Epigramme, die besten Reden, die je in einem deutschen Parlament gehalten wurden. In einigen Sekunden sagt er, was andere in einigen Stunden nicht sagen.“

Hoffmann, der zeitweise 1916/17 auch die Berliner Parteiorganisation leitete, gehörte zum linken Flügel der SPD und war 1917 Mitbegründer der USPD. Während der Novemberrevolution (1918) wurde er preußischer Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung. In dieser Position setzte er die Abschaffung der kirchlichen Schulaufsicht in Preußen durch. Wegen der Zerwürfnisse während des Spartakusaufstandes schied Adolph Hoffmann am 4. Januar 1919 aus dem Ministerium. 1926 sprach er sich entschieden für die Fürstenenteignung aus. Am 1. Dezember 1930 starb Adolph Hoffmann.

Auf der feierlichen Zeremonie in Friedrichsfelde verwies Anke Reuther darauf, dass Adolph Hoffmann von 1913 bis 1926 der Vorsitzende der Berliner Freireligiösen Gemeinde war. „Sein politisches Handeln bestärkt unsere Tradition.“

Text und Foto: Erwin Halentz

 


Veröffentlicht am: 08.12.2015

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