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Morgengruß von Helmut Harff: So nicht!

Eine Frau schießt über das Ziel hinaus

Gestern erreichte mich die Mail einer Kollegin, die auch noch am Telefon ziemlich angefressen war - und ich kann sie verstehen. Ihr Ärger richtet sich gegen Ingrid Hüttl. Die gute Frau ist, so ist zu lesen, Mitglied des Katholischen Frauenbundes Biberach und offensichtlich um Moral und Sitte sehr bemüht.

Doch worum geht es eigentlich? Am Kreisverkehr von Primisweiler bewirbt der TSV Neukirch seinen „Fuß-Ball“, einer Fasnetsveranstaltung, mit einem Foto der Partysängerin Mia Julia, die als Stargast den Massen einheizen soll. Mia Julia ist nun nicht gerade dafür bekannt, für ihre Garderobe viel Stoff zu verschwenden. Auf dem Foto hat sie bis auf ein Höschen nichts an. Da sie nicht nur große Brüste, sondern auch recht große Hände hat, reichen die, die Oberweite nahezu völlig zu verhüllen.

Das, so ist zu lesen, reicht wohl Ingrid Hüttl nicht aus, denn sie soll sich mit der Aussage „Dass Männer aus anderen Kulturkreisen dadurch aufgefordert sind, sich so übergriffig zu verhalten“ darüber erregt haben. Sie wird weiter mit der Einlassung zitiert: „Für Kinder, Jugendliche und Menschen mit Behinderung und vor allem für Frauen ist dieses Schild ein öffentliches Ärgernis und als Werbung für eine traditionelle Veranstaltung ungeeignet“.

Das geht nun wirklich nicht. Darf Frau sich nicht zeigen wie sie will? Muss sich Frau, die sich nicht wie von Taliban und IS gefordert völlig verhüllt, einfach damit rechnen, belästigt und vergewaltigt zu werden? Wenn das die Ansicht von Frau Hüttl ist, dann gibt sie allen Vergewaltigern - egal woher die stammen - recht, die so gern behaupten, dass die Frauen sie mit ihrem Minirock und den High Heels zu ihrer Tat animiert haben. Ob das die Biberacherin wirklich wollte?

Eine solche Äußerung ist nicht nur frauenfeindlich, sie ist auch unsinnig. Schließlich war es in der Silvesternacht kalt und die allermeisten Frauen beispielsweise in Köln trugen sicherlich Hosen und dicke Mäntel, zeigten nicht, was Mia Julia mit Mühe verhüllte. Doch egal, was Frau trägt, es darf keine Entschuldigung für Übergriffigkeit sein. Das gilt für Silvester, genau wie für die tollen Tage, das Oktoberfest oder die Kirchweih. Doch genau diese Entschuldigung bietet die Einlassung, wonach Männer aus anderen Kulturkreisen dadurch aufgefordert sind, sich so übergriffig zu verhalten.

Frau Hüttl, die Verallgemeinerung "Männer aus anderen Kulturkreisen" ist schon für sich genommen unsinnig und beleidigend. Meinen Sie damit auch Chinesen, Inder, indigene Bewohner Lateinamerikas, Inuit? Auch daher kommen Männer, die nicht unserem - die vor allem nicht ihrem Kulturkreis - zuzuordnen sind.

Die Äußerung ist auch im hohen Maße männerfeindlich, was Frau Hüttl vielleicht nicht wirklich tangiert. Liebe Frau Hüttl, wir Männer sind nicht alles notgeile und schwanzgesteuerte Monster, die sich auf jede Frau stürzen, die nicht eine Burka trägt. Wir respektieren Frauen. Oder haben Sie schon einmal erlebt, dass Frauen im Dirndl - das häufiger fast genauso viel sehen lässt, wie Mia Julia auf dem Plakat - reihenweise angemacht oder gar vergewaltigt werden?

Mehr als merkwürdig finde ich auch die kolportierte Einlassung von Ingrid Hüttl wonach die Werbung für Menschen mit Behinderung ein öffentliches Ärgernis sei. Für wen soll das ein Ärgernis sein? Für Rollstuhlfahrer, für Menschen mit Down-Syndrom, für Autisten, für Gehörlose? Was hat jemand für ein Weltbild, der sich in der zitierten Form einlässt?

Ich finde Mia Julia hat recht, wenn sie von Frau Hüttl eine Entschuldigung fordert. Ich finde, die Entschuldigung sollte vor allem in Richtung aller Frauen gehen, die sexuelle Gewalt erleben mussten. Sie sollte aber auch die Männer, die Behinderten und schlussendlich auch die „Fuß-Ball“-Veranstalter einschließen. Wobei, wenigsten die hatten eine kostenlose Werbung. Vielleicht gibt es ja für Frau Hüttl eine Ehrenkarte für die Fasnetsveranstaltung.

Ich mache mir jetzt mein Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück und keine so engstirnigen Menschen in ihrem Umfeld.

 


Veröffentlicht am: 02.02.2016

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