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2016- 500 Jahre „deutsches Reinheitsgebot“

Ein schönes Jubiläum für die erste Kolumne von Biersommelier Matthias Kopp...



Deutsches Reinheitsgebot, was ist das eigentlich? Alle reden darüber, jeder scheint es zu kennen. Aber kennen Sie es wirklich? Ich zitiere jetzt aus dem Gebot die Zeilen, um die es hier geht: „Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.“ Diese Zeilen schrieb der bayerische Herzog Wilhelm IV. im April 1516.

So wie wir unser Bier kennen wird erst seit knapp 100 Jahren gebraut. Nicht mal das Wasser war unserem heutigen gleich. Alles was mälzbar war, wurde verwendet, wie Hirse, Bohnen, Erbsen usw. Dazu kamen noch andere wundersame Zutaten, um den schlechten Geschmack zu überdecken, oder das Bier haltbarer zu machen, wie Pech, Ochsengalle, Tollkirsche und Kreide. Und so kam es, dass zu einem bayerischen Landstädtetag in Ingolstadt es diesen Erlass des sogenannten Reinheitsgebotes gab und dem o.g. Herzog zugeschrieben wurde.

Ein Grund war auch, dass bis zu dem Zeitpunkt die Bier- und Brauqualität aus dem Norden unerreicht war und Bayern mit diesem Erlass aufholen konnte. Dieser Erlass galt erst für Bayern. 1896 kam Baden dazu, Württemberg dann 1900 und ab 1906 galt es im ganzen Kaiserreich.

Dann war es wieder ein paar Jahre ruhig, bis es in der Zeit der Weimarer Republik ein Politikum wurde. Die Weimarer Republik hat dieses Gebot zwangsweise übernehmen müssen, denn sonst wäre Bayern 1916 nicht der Republik beigetreten, so wichtig war den Bayern dieser Erlass. Ein Erlass, ein Gebot, Vorschrift, ja, das gab es alles schon, aber eben nicht den Begriff des „Reinheitsgebotes“. Erste Erwähnung des Reinheitsgebotes fand es ungefähr im Jahr 1918. Und so könnte man diese Umbenennung eher als eine Art ersten Werbeslogan sehen.

Ab dem Jahr 1950 setzte sich der Begriff des „bayerischen Reinheitsgebotes“ durch und zwar im Zuge des Streites um „Süßbier“. Zu der Zeit wurden u.a. zuckerhaltige Biere aus anderen Bundesländern nach Bayern verkauft. In Bayern war aber Zucker im Bier zum Brauen nicht zugelassen. Die Presse berichtete damals sehr emotional und es wurde auf das „bayerische Reinheitsgebot“ bestanden, was es als solches gar nicht gab. So kam es, dass im Zuge dieses „Süßbierstreites“ diese Biere nicht mehr nach Bayern verkauft werden durften.

Irgendwann in den 1960´er Jahren wandelte sich das bayerische in das deutsche Reinheitsgebot um. Die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) wollte Rechtsharmonisierung im Wirtschaftsraum erreichen und hier den Import von anderen Mitgliedsstaaten erlauben. Der deutsche Brauerbund wehrte sich mit der deutschen Regierung dagegen.

Erst richtig im Bewusstsein „verankert“ wurde der Begriff des „deutschen Reinheitsgebotes“ in den 1980er Jahren. Es gab eine große Medienkampagne und ein Aktionsprogramm der deutschen Brauwirtschaft, um ausländisches Bier als „Chemiebier“ zu verunglimpfen.

In der nächsten Kolumne schreibe ich, warum ich vom Reinheitsgebot wenig halte.

„Bierige“ Grüße,
Ihr Biersommelier Matthias Kopp von Bier-Fraktur

 


Veröffentlicht am: 24.02.2016

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