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Morgengruß von Helmut Harff: Pflegebedüftig

Noch ist es nicht soweit...

Heute ist der Tag der Pflege. Ich finde, das ist wirklich ein guter und wichtiger Tag. Die meisten von uns müssen damit rechnen, einmal auf Hilfe, auf Pflege angewiesen zu sein. Viele haben oder hatten einen pflegebedürftigen Angehörigen. Wir haben also weit mehr als nur eine Ahnung, was es heißt, pflegebedürftig zu sein.

Allerdings ist es auch ein Thema, mit dem sich gern Finanzmenschen und Politiker beschäftigen. Die einen wollen, dass die Kosten nicht expoldieren, die anderen sehen vor allem in pflegenden Angehörigen ein Wählerpotential. Doch es geht bei der Pflege nicht um Zahlen oder Wählerstimmen, es geht um Menschen. Es geht um Menschen, denen man bei allen Handicaps ein menschenwürdiges Leben ermöglichen will. Es geht aber auch um die pflegenden Menschen. Auch die haben ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben, auch auf ein eigenes Leben.

Pflege eines Menschen, der nicht oder nur noch eingeschränkt für sich selber sorgen kann, das ist mehr als ein Volltagsjob, dass ist ein Job, der keinen Feierabend kennt. Ich weiß, wovon ich rede. Selbst mit drei Menschen, die alle voll im Berufsleben standen, konnten wir unseren Vater nicht ohne fremde Hilfe so betreuen, wie es notwendig gewesen wäre. Das kostete Geld und für alle viel Zeit, viel Engagement und eine gute Planung. Das galt bei uns nicht nur für die Pflegenden, sondern auch für den Vater. Der musste seine Termine, seine Wünsche und Bedürfnisse an unserem Zeitregime und an dem des Pflegedienstes anpassen.

Pflege, das ist, so ist immer wieder zu hören, vor allem Frauensache. Das stimmt sicherlich. Doch stimmt auch der Umkehrschluss? Stimmt es, dass Männer nicht ihre bedürftigen Angehörigen pflegen? Nein, so ein Umkehrschluss ist unsinnig. Ja, viel mehr Frauen pflegen ihre Männer als umgekehrt. Doch das hat nicht zur Ursache, dass Männer das nicht umgekehrt auch tun. Doch in der Generation der heute Pflegebedürfigen war es nunmal üblich, dass die Frau bei der Hochzeit jünger war, als der Mann. Wechselte der noch ein- oder mehrmals die Partnerin, so wurde der Altersunterschied zumeist noch größer. Wenn Frau mit 30 einen 20 Jahre älteren Mann heiratet, heiratet sie in der Regel schon einen potentienten Pflegefall.

Doch wie sieht es aus, wenn der Altersunterschied nicht so groß und die Frau pflegebedürfig ist? Dann steht der Mann, wie man so schön sagt, auch seinen Mann. Ich kenne niemanden, der seine pflegebedürftige Frau im Stich gelassen hat. Dafür kenne ich genug Männer, die sich liebevoll um ihre Frau kümmern. Sie sind vielleicht eher in der Lage, sich auch fremde Hilfe zu holen. Niemand nimmt einem Mann übel, wenn er sagt, dass er die Pflege nicht allein hinbekommt. Sagt das eine Frau, rechnet sie damit, zumindest schief angesehen zu werden.

Den Mann pflegen, dass ist nun mal die Aufgabe der Frau. Solchen Schwachsinn hört man immer wieder. Auch Frau hat nur begrenzte Kräfte und vor allem auch ein Recht auf ein eigenes Leben. Das kann sie aber genau wie der Mann nur wahrnehmen, wenn sie bei der Pflege unterstützt wird.

Und die Kinder? Wir konnten unserem Vater helfen, weil wir alle in der Nähe wohnten. Doch in vielen Fällen ist das eben nicht der Fall. Kinder - aber auch andere Angehörige - ziehen in alle Welt, wohnen immer häufiger weit von einander entfernt. Dann ist die direkte Pflege ein Ding der Unmöglichkeit. Dann muss Hilfe von Dritten, von Profis und Freunden organisiert werden. Wer glaubt, dass das einfach ist, hat eine solche Situation noch nicht erlebt, nicht durchlitten.

Ich ziehe - nicht nur weil heute der Tag der Pflege ist - vor allen, die Menschen pflegen, ganz tief meinen Hut und hoffe, dass ich zumindest nie in die Situation gerate, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein.

Noch kann ich jedenfalls das Frühstück machen - und das tue ich jetzt.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 12.05.2016

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