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Aufgespießt: Schlechtes Gewissen

Sklave oder Sklavenhalter

(Helmut Harff/Chefredakteur) Wenn wir einkaufen, so kaufen wir - zumeist ohne es wirklich zu wissen - Produkte, die zumindest in Teilen nicht aus Deutschland kommen. Vieles wird in Ländern produziert, die unseren Standards nicht entsprechen. Das kann man bedauern, man kann darüber aber auch lamentieren, ohne etwas zu ändern.

Stichwort lamentieren: Vor wenigen Tagen hörte ich im Radio eine Wissenschaftlerin, die behauptet, dass wir alle 70 Sklaven beschäftigen. Oho dachte ich, wie kommt sie darauf. Noch mehr wunderte mich, dass sie dann behauptete, dass 21 Millionen Menschen weltweit als Sklaven gehalten werden. Da passt was rechnerisch nur, wenn wir uns alle Sklaven teilen.

Ich weiß, das klingt sarkastisch. Doch wer ist eigentlich ein Sklave. Auch darauf hatte die Dame eine Antwort, die mich erstaunte. Für sie sind Menschen Sklaven, die sich ihre Arbeit, die sich ihre Arbeitsbedingungen nicht selber aussuchen können und die nicht von ihrer Hände Arbeit leben können. Ich dache wieder einmal oho und dachte an Jobs, die ich und andere Menschen machen mussten. Ich dachte an die unzähligen 1-Euro-Jobs. Die kann man sich nicht aussuchen, man kann sich die Arbeitsbedingungen nicht aussuchen und leben kann man davon auch nicht. Ich denke an die vielen Menschen, die einen 450-Euro-Job haben oder die notgedrungen einen miserablen Job annehmen müssen, um irgendwie über die Runden zu kommen.

All diese Menschen können sich vielleicht noch in bescheidenem Maß ihren Job aussuchen. An ihren Arbeitsbedingungen können sie so gut wie nie etwas ändern und leben können sie von ihrer Hände Arbeit auch nicht. Das trifft trotz Mindestlohn Millionen Menschen in Deutschland. Folgt man der Wissenschaftlerin, so leben also unter uns viele Sklaven. Ja, deutsche Sklaven leben viel besser, als die Sklaven in der zweiten oder dritten Welt. Doch nur, weil es anderen noch schlechter geht, ist man ja kein Sklave. Diese Unterschiede gab es schon vor Tausenden von Jahren. Wer als Schreiber-Sklave sein Dasein fristen musste, dem ging es sehr wahrscheinlich besser, als einem, der im Bergwerk oder als Gladiator leben musste.

Doch wie gehen wir mit den Sklaven und deren Arbeit um? Wir bedaueren die armen Näherinnen in Vietnam oder die Kaffeepflücker in Brasilien. Doch bedauern wir auch die Frauen und Männer, die unsere Büros putzen, die im Supermarkt an der Kasse sitzen oder für unsere Sicherheit sorgen? Die bedauern wir maximal dann, wenn wir sie kennen oder wenn wir selber zu dieser Gruppe gehören.

Das perverse ist nun, dass die heimischen Sklaven nur ihr Leben fristen können, weil es in anderen Ländern Sklaven gibt, die für noch weniger Geld unter noch schlimmeren Arbeitsbedingungen schuften müssen.

Doch was machen wir, damit es weniger Sklaven gibt? Was machen wir, dass es bald niemand mehr gibt, der von seiner Hände Arbeit nicht leben kann? Es gibt viele wohlfeile Antworten. Ich habe aber noch keine gehört, die das Probelm wirklich lösen könnte. Der Wohlstand einer kleineren Gruppe basiert immer auf dem deutlich schlechteren Leben einer größeren Gruppe. Ich kenne keine Epoche der Menschheit, wo das wirklich anders war. Diesen Teufelskreis konnte bisher keine Religion, keine Weltanschauung, keine Diktatur, keine Demokratie durchbrechen. Das verdeutlich einer der bekanntesten DDR-Witze: Im Kapitalismus wird der Mensch durch den Menschen ausgebeutet. Im Sozialismus ist es umgekehrt.

Das ist kein wirklich positives Fazit, aber es ist wenigstens ehrlich. Ich wäre schon sehr froh, wenn es uns gelingen würde, dass die da unten Aufstiegschancen hätten. Nach unten geht es immer, nach oben nur in den seltensten Fällen. Zumindest daran sollten all die denken, die von der Arbeit der hiesigen und der entfernt lebenden Sklaven profitieren.

 


Veröffentlicht am: 06.06.2016

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