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Löcher der Welt

Ein topologisches Tagebuch von Ulrich Strothjohann

Die Publikation Löcher der Welt zeigt erstmalig die gesamte Werkgruppe der von Ulrich Strothjohann entwickelten »Ikonografie des Nichtvorhandenen«. Was in New York mit der Wahrnehmung einer Öffnung in einem Metallkasten begann, ließ den Berliner Künstler über Jahre nicht mehr los: Auf zahlreichen Reisen durch Europa, Asien und Amerika fotografierte er 116 Löcher – beiläufig, entkoppelt und zunächst ohne Absicht.

Entstanden ist ein topologisches Tagebuch mit einer Sammlung von Orten, die nicht gesucht werden wollen.

Ein Aufenthalt in New York Mitte der 1980er Jahre inspirierte Ulrich Strothjohann zu seiner Werkgruppe Löcher der Welt. Nachdem er mit einem alten Fahrrad die Stadt akribisch von Osten nach Westen erkundet hatte, lauschte er, auf dem Dach seines Arpartmenthauses liegend, dem Schwalbengezwitscher. Beiläufig entdeckte er dabei einen metallenen Kasten mit einem Loch – die Initialzündung für die Serie Löcher der Welt.

Seine Faszination für das Loch erklärt sich im entkoppelten Raum-Zeit-Kontext: »Der einzige vor der Zeit verborgene Ort ist das Loch, es handelt sich um einen Nicht-Ort«, so Strothjohann. Zeit sei für ihn relativ und stehe somit im Gegensatz zum Loch. Zeit bedeute Aktion, das Loch hingegen sei absolut.

Ulrich Strothjohann ist ein Flaneur. Die Motive seiner Serie Löcher der Welt fand er auf der Durchreise, ohne Ziel oder Anlass. Er entdeckte, ohne zu suchen. »Der Reisende nimmt seine Umgebung mit geschärften Sinnen wahr, weil er sich als Fremder durch Unbekanntes bewegt«, so der Künstler. »Loch muss nichts tun, es ist einfach nur da. Das Drumherum muss sich in Szene setzen und bewähren, sonst wird es auch Loch«, erklärt Strothjohann. Jedes Foto, festgehalten mit einer analogen Kompaktkamera, entstand auf Reisen, ist verknüpft mit einer Erinnerung und erzählt seine eigene Geschichte. Die Serie Löcher der Welt stellt keine Dokumentation dar, sondern kann als sehr persönliches, topologisches Tagebuch des Künstlers betrachtet werden.

Das Fotomotiv Supershadows ein Jahr später, aufgenommen in Athen, zeigt beispielsweise einen alten Wassertank vor einem baufälligen Geäude, an dessen Fassade sich ein Ausstellungsplakat für eine längst vergangene Schau Strothjohanns befindet. Mit der Waschmaschine am Strand verweist der Künstler dagegen nicht nur auf das Nichtvorhandensein des Gerätebesitzers, sondern thematisiert durch die vorgefundene abwegige Situation gleichzeitig die Mechanismen unserer Wahrnehmung sowie deren Konditionierung. Der auf dem Sperrmüll gefundene, defekte Spielautomat des Werks Goldene Sieben faszinierte Strothjohann, weil er sich als Jugendlicher von einem derartigen Automaten im nachbarschaftlichen Imbiss so angezogen fühlte, dass er versuchte, diesen nachzubauen.

Auch mit seiner aktuell in der EDITION GERD HATJE erschienenen Arbeit Reenactment Spielautomat (2016) nimmt er Bezug auf diese jugendliche Begeisterung: Sein Multiple transformiert die Fotoaufnahme zu einem dreidimensionalen Kunstobjekt. Strothjohann übernimmt Ausschnitte, Löcher und alte Schriftzüge real existierender Automaten, wie »ULTRA-TREFF«, »ADMIRAL«, »GHOST SLIDER« oder »MYSTIK MIRROR«, und überträgt diese per Hand auf eine lasierte Holzplatte, welche auf einen Holzkorpus montiert ist, rückseitig ist das
Objekt signiert. Die 15 erhältlichen Unikate werden jeweils in einer vom Künstler handgefertigten Aufbewahrungskiste aus verzinktem Metall sowie mit der Publikation Löcher der Welt geliefert.

Ulrich Strothjohanns (*1954) Arbeiten kommentieren auf humorvolle Weise stets die Absurdität und Widersprüchlichkeit unserer Existenz. Diskret und pointiert stellt er ironische Bezüge her, schafft hintergründige Allegorien und führt den Betrachter vergnüglich in die Irre. Strothjohann ist Fotograf, Bildhauer und Performance-Künstler und lässt sich zwischen Konzeptkunst, Minimal und Land-Art nur schwer konkret einordnen. Mitte der 1980er-Jahre war er Teil der Kölner Kunstszene und machte im Umfeld von Martin Kippenberger auf sich aufmerksam.

Vom 14. bis zum 28. Juli stellt die Adamski Gallery for Contemporary Art die Löcher der Welt in Berlin aus. Ulrich Strothjohann wird bei der Eröffnung am Donnerstag, dem 14. Juli ab 18 Uhr anwesend sein, das Buch signieren und die in der EDITION GERD HATJE erschienene Originalarbeit präsentieren.

Löcher der Welt

Autor: Ulrich Strothjohann
Verlag: Hatje Cantz 
Preis: 49,80 Euro
ISBN 978-3-7757-4202-3

 


Veröffentlicht am: 14.07.2016

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