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Morgengruß von Prof. Helmut Graf von Harff: Titelwahn

Warum faszinieren uns die so?

Ja, Sie haben richtig gelesen, ich habe heute mal meine wichtigsten Titel zu meinem Namen gesetzt. Ich bin Professor für Wortwissenschaften an einer der renommiertesten Privatuniversitäten. Ich bin auch Graf Harff. Bisher bin ich nicht mit meinen Titeln haussieren gegangen, doch das ist nun zu Ende. Nur der Vollständigkeit halber noch dies: Ich bin auch Vicomte de Montfort.

Sie glauben mir nicht? Das trifft mich aber sehr tief. Schön, die Uni kenne nur ich, doch googeln sie mal. Sie werden feststellen, dass es einen Vicomte de Montfort gibt - und meine Oma ist eine geborene von Montfort. Da ist der Titel doch nur eine marginale Flunkerei. Wenn Sie sich schon mal bei Google eingeloggt haben, dann sehen Sie mal nach, was Sie unter Harff finden. Es gibt wirklich adlige Harffs. Noch weiß ich allerdings nicht, wie ich mit denen verbandelt bin.

Wie ich auf diesen teilweise frei erfundenen, teils denkbaren Unsinn komme? Na, das liegt doch auf der Hand. Dazu hat mich die nunmehrige Ex-SPD-Politikerin Petra Hinz annimiert. Die 54 Jahre alte Frau hat seit Jahren mit einer falschen Vita gelebt. Warum sie das getan hat, wird sie nur selber wissen und vielleicht irgendwann ihr Psychater. Mich interessiert dieser Teil der Geschichte auch nicht. Mich bewegt viel mehr die Frage, warum Hochschulabschlüsse, warum Titel für uns so wichtig sind.

Wer hierzulande mit einem Hochschulabschluss, mit einem Titel, mit einem adligen Namen aufwarten kann, der ist geachtet. Wer einen akademischen Titel, wer einen Namen mit einem "von" darin vorweisen kann, der ist wer. Wenn man sich Professor, wenn man sich Graf nennen kann, muss man Türen nicht mehr selber aufmachen. Das geht dann ganz allein. Ich vermute, dass diese Ehrfurcht vor Titel und Namen ganz tief bei uns verwurzelt ist. Das ist für mich auch der eigentliche Grund, warum nicht wenige Menschen bei ihren Doktorarbeiten schummeln oder die gleich von anderen schreiben lassen. Es ist so, dass mit Titeln die Wertschätzung, die einem Menschen zuteil wird, dramatisch steigt.

Es scheint auch so, dass wir noch immer vor Ehrfurcht schier dahin schmelzen, wenn jemand einen Adelstitel führt. Das ändert sich nicht einmal dann, wenn alle wissen, dass der für viel Geld gekauft ist. Diese Sehnsucht nach adligen Begriffen konnte man selbst in der DDR beobachten. Man denke nur an den "Palast der Republik". Wo anders hätte man den als "Haus des Volkes" oder so ähnlich bezeichnet.

Was mich bei Frau Hinz noch mehr wundert ist die Tatsache, dass augenscheinlich niemand aufgefallen ist, dass die Frau bei ihrem Lebenslauf so lügt, dass sich die sprichwörtlichen Balken biegen. Da wird die Frau, die ganz sicher nicht dumm ist, Bundestagsabgeordnete und niemand kommt spätestens jetzt mal auf die Idee, Unterlagen einzusehen, die ihren Lebenslauf belegen. Das - so hoffe ich zumindest - passiert aber jedem, der im Bundestag die Toiletten putzt. Ich vermute, dass Frau Hinz auch Zugang zu Unterlagen hatte, die nicht jeder Bürger in die Hand bekommt. Überprüft in diesem Land niemand, ob ein Mensch die Eignung hat, solche Unterlagen in die Hände zu bekommen? Schließlich war Frau Hinz bei ihrem gefälschten Lebenslauf auch erpressbar. Ich will Frau Hinz nichts unterstellen, Angst macht mir so etwas schon.

Ich mache mir mein Frühstück. Ob ich mich nicht lieber Professore di panini per la colazione von der Università di godimento nennen sollte?

Professore, ich wünsche Ihnen ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 21.07.2016

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