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26.09.2017

 

 

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Implantate: ja oder nein?

5 häufige Fragen an den Implantologen

Lassen sich die eigenen Zähne nicht mehr retten, müssen Patienten auf Ersatz zurückgreifen. Neben künstlichem Gebiss und Brücke entscheiden sich immer mehr für Implantate – die modernste Alternative. Mit ihnen schließen Implantologen nicht nur einzelne Lücken.

Auch komplett zahnlose Kiefer lassen sich heutzutage mit speziellen Behandlungskonzepten, die nur zwei bis vier Implantate erfordern, versorgen. Ob und wann die künstlichen Zahnwurzeln Sinn ergeben und was Patienten vor der Entscheidung beachten sollten, erklärt Dr. Christoph Sliwowski, Leiter der Zahnimplantat-Klinik Düsseldorf im St. Vinzenz-Krankenhaus.

Sind Implantate für jeden geeignet?
Dr. Christoph Sliwowski:
Bevor künstliche Zahnwurzeln zum Einsatz kommen, müssen Patienten bestimmte Voraussetzungen erfüllen. In erster Linie betreffen diese den Kieferknochen. Er sollte ausgewachsen sein und in ausreichender Menge sowie Dichte vorliegen, die wir anhand der strahlungsarmen digitalen Volumen-Tomografie ermitteln. Kam es aufgrund von Lücken im Gebiss bereits zu einem Knochenabbau, bedarf es gezielter Aufbaumaßnahmen mit patienteneigenem Knochen oder verträglichem Fremdmaterial, die wir meistens gleich direkt bei der Implantation vornehmen. Aber auch bestimmte Gewohnheiten und Erkrankungen spielen bei der Entscheidung für oder gegen den Einsatz von Implantaten eine Rolle. Raucher etwa haben eine schlechtere Immunabwehr und somit ein erhöhtes Risiko, an einer Periimplantitis zu erkranken, also einer Entzündung des Gewebes um das Implantat. Auch Patienten, die an Diabetes leiden, müssen mit einer verzögerten Wundheilung rechnen. Blutverdünner wiederum, die oftmals bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen zum Einsatz kommen, erschweren eine Implantation ebenfalls. Mit ihnen treten aufgrund der gerinnungshemmenden Wirkung häufiger Blutungen während des Eingriffes auf. In Abstimmung mit dem Hausarzt lässt sich die Medikation aber anpassen und das Blutungsrisiko so minimal wie möglich halten. Vor jeder Behandlung wägen wir das Für und Wider sorgfältig ab.

Wie lange dauert der Eingriff?
Dr. Christoph Sliwowski:
Da es sich bei einer Implantation meist nur um eine kleine, minimalinvasive Behandlung unter lokaler Betäubung handelt, dauert das Setzen von Implantaten bei idealen Voraussetzungen lediglich 20 bis 30 Minuten. Nach drei bis sechs Monaten verwachsen die künstlichen Wurzeln fest mit dem eigenen Knochen. Erst jetzt setzen wir Verbindungsstück sowie Krone und der neue Zahn ist sodann vollständig belastbar. In einigen Fällen ist auch eine schnellere sogenannte Sofortbelastung möglich. Hierbei setzen wir die Provisorien, also vorübergehenden Zahnersatz, bereits nach zwei bis drei Tagen auf die implantierten Wurzeln.  In dem Fall raten wir unseren Patienten, die ersten drei Monate auf harte Lebensmittel zu verzichten. Nach sechs Monaten dürfen sie die neuen Zähne normal belasten.

Muss jeder einzelne ausgefallene Zahn mit einem Implantat ersetzt werden oder gibt es auch implantatgetragene Brücken?
Dr. Christoph Sliwowski:
Grundsätzlich ist die Anzahl der zu setzenden Implantate abhängig von Knochenmenge und -Qualität. Bei optimalen Bedingungen sind die künstlichen Wurzeln durchaus in der Lage, mehrere Kronen, also eine Implantatbrücke, zu tragen. Für komplett zahnlose Kiefer gibt es heutzutage zwei Möglichkeiten. Wünschen sich Patienten eine festsitzende Zahnreihe, findet diese je nach Knochenbeschaffenheit auf vier bis sechs, im Oberkiefer auf sechs bis acht Implantaten Halt. Soll das neue Gebiss stabil sitzen, aber dennoch zur besseren Reinigung herausnehmbar sein, gibt es eine andere, wesentlich preiswertere Lösung. Bei der sogenannten SOS-Methode setzen wir im Unterkiefer lediglich zwei, im Oberkiefer vier Implantate, auf denen wir bereits nach wenigen Tagen eine spezielle Stegkonstruktion befestigen. In diese lässt sich die neue Zahnreihe oder aber auch die eigene vorhandene Prothese einfach fest ein- und ausklinken.

Erfordern Implantate eine Ernährungsumstellung?
Dr. Christoph Sliwowski:
Direkt nach dem Eingriff raten wir Patienten für einige Tage auf flüssige, weiche Nahrung auszuweichen, um den Heilungsprozess zu unterstützen. Blutdrucksteigernde Getränke wie etwa Cola, Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol sollten Betroffene vermeiden, solange die Nähte noch drin sind. Sobald der sichtbare Teil, also die Krone, auf der künstlichen Wurzel sitzt, hält der neue Zahn die gleiche Belastung wie ein eigener aus.

Wie lange halten Implantate?
Dr. Christoph Sliwowski:
Im Normalfall halten Implantate ein Leben lang. Vorausgesetzt, Patienten achten auf eine gründliche Pflege. Viele bedenken nicht, dass die künstlichen Zähne einer genauso intensiven Reinigung wie die natürlichen bedürfen. Nur auf den Gebrauch einer Bürste zu setzen, reicht dabei nicht aus, um Plaque sowie entzündlichen Erkrankungen von Zahnfleisch und -halteapparat vorzubeugen. Auch die Verwendung von Zahnseide oder Interdentalbürstchen sowie Mundspüllösungen gehören dazu. Eine zweimal jährlich stattfindende professionelle Reinigung beim Arzt rundet das nötige Mundpflegeprogramm ab.

Foto: pixabay

 


Veröffentlicht am: 22.07.2016

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