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Delikatesse zur Abschreckung von Steuereintreibern und Herumtreibern

Leipziger Allerlei kann soooo lecker sein



Eigentlich sollte dieses Gericht seinen Platz unter den Delikatessen haben. Denn - nicht nur in seiner ursprünglichen Form - besteht es aus knackigem, frischem jungen Gemüse, Flusskrebsen und schmackhaften Morcheln.

Doch da es inzwischen häufig aus der Dose auf den Teller kommt, ist das Leipziger Allerlei vielfach zu einer mehr oder weniger pappigen und geschmacksfreien, vorgekochten Beilage verkommen. Schade, denn tatsächlich ist die Speise ein gutes Beispiel für die Eleganz, die auch der deutschen Küche zu eigen sein kann.

Traditionell wird Leipziger Allerlei aus jungem Frühlingsgemüse zubereitet, als da wären Erbsen, Karotten, Spargel, Blumenkohl und Kohlrabi. Dem werden Morcheln, Flusskrebse und - je nach Gusto - auch kleine Semmelklöße hinzugefügt. Alternativ zu den Krebsen kommen heute auch Mettwurst oder Krakauer in das Mischgemüse. Wenn das nicht die Zutaten für eine feine Speise sind.

Doch schon lange vor seinem Niedergang zum "Dosenfutter" der heutigen Zeit ist das Leipziger Allerlei in schlechten Ruf geraten. Es sollte nämlich Bettler und Steuereintreiber abschrecken. Dazu müssen wir in die Geschichte einsteigen: Anfang des 19. Jahrhunderts, gegen Ende der Napoleonischen Kriege, war Leipzig eine reiche Stadt. Die sächsische Metropole hatte sich als wichtiges Handelszentrum etabliert und bereits einen Namen als internationale Messestadt gemacht. Den dabei gewonnenen Reichtum wollte man verstecken, um Steuereintreiber zu täuschen und herumziehende, hungrige Streuner abzuschrecken.

Deshalb soll Stadtschreiber Malthus Hempel den Stadtvätern nahegelegt haben: "Verstecken wir den Speck und bringen nur noch Gemüse auf den Tisch, sonntags vielleicht ein Stückchen Mettwurst oder ein Krebslein aus der Pleiße dazu. Und wer kommt und etwas will, der bekommt statt Fleisch ein Schälchen Gemüsebrühe und all die Bettler und Steuereintreiber werden sich nach Halle oder Dresden orientieren." Das Leipziger Allerlei war geboren.

Ob der Plan so aufging, ist nicht überliefert. Allerdings hatte das Leipziger Allerlei danach erst einmal einen Ruf als "Arme-Leute-Essen" weg. Dabei ist es nicht nur ein sehr schmackhaftes Gemüsegericht, sondern als solches ebenfalls reich an wertvollen Nährstoffen. Nicht zuletzt auch deshalb konnte sich die Speise unterdessen wieder ihren Platz auf den Speisekarten der Feinschmecker zurückerobern.

Wer sich die "Mühe" macht, Leipziger Allerlei frisch zuzubereiten, oder wenigstens auf den "Dosenbrei" verzichtet, der kommt auch in den Genuss der für die Gesundheit wertvollen Inhaltsstoffe. So gelten allein die Erbsen als pflanzliche Proteinbombe. Sie enthalten zudem Vitamin A und Vitamin C sowie Folsäure, Eisen, Kalzium, Kalium, Magnesium und Zink. Diese Liste ließe sich für die anderen Gemüse beliebig fortsetzen. Deshalb zählt das Leipziger Allerlei heute auch wieder zu den Leckerbissen, die dem Wohlbefinden zuträglich sind.

 


Veröffentlicht am: 22.08.2016

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