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28.07.2017

 

 

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Im Rückspiegel

Opel setzte vor 130 Jahren aufs Fahrrad

Opel feiert in diesem Jahr den 130. Geburtstag seiner Fahrradproduktion, die in der frühen Unternehmensgeschichte eine wichtige Rolle für den Aufstieg der Marke gespielt hat. Denn nach dem Bau des ersten Hochrads im Frühjahr 1886 stieg Opel in den 1920er-Jahren zum weltweit größten Fahrradhersteller auf.

Selbst die 1929 einsetzende Wirtschaftskrise konnte das erfolgreiche Fahrradgeschäft nicht stoppen. Dennoch wurde der Unternehmenszweig im Dezember 1936 an NSU verkauft, um sich voll und ganz auf die Automobilproduktion zu konzentrieren.

23 Jahre nach der Firmengründung – bis dato hatte Opel ausschließlich Nähmaschinen produziert – kam Adam Opel 1885 von einer Geschäftsreise aus Paris zurück. Vor seinem Besuch in der französischen Hauptstadt hielt er Hochräder für „eine neumodische Spielerei. Eine Modeerscheinung, die genauso schnell wieder vorüber gehen wird, wie sie gekommen ist“. Eine Aussage, die nach dem Paris-Besuch nur noch Schnee von gestern war. Inspiriert vom dort florierenden Handel mit Hochrädern und unter dem Eindruck des Bicycle-Booms in England, hatte Opel eine Idee. Er ließ sich Einzelteile von der Insel liefern und begann zur Freude seiner Söhne mit dem Bau des ersten Hochrads. 1886 verkaufte Opel das erste Exemplar – und die unternehmenseigene Fahrradproduktion startete.

Bereits ein Jahr später begann Opel mit der Fabrikation von Dreirädern und Niederrädern, den sogenannten Safeties. Ein solches Sicherheitsrad hatte sein Sohn Karl von einer Studienreise über die Fahrradproduktion aus dem englischen Sheffield mitgebracht. Das Safety hatte zwei nahezu gleich große Räder und war nun wesentlich einfacher zu fahren als das Hochrad, außerdem war schon die Fallhöhe um einiges geringer.

Karl ging nun bei Fahrradrennen an den Start. Er brachte von dem ersten Sieg in Frankfurt gleich fünf Fahrradbestellungen mit nach Hause, zahlreiche weitere Rennerfolge hatten immer neue Aufträge zur Folge. Allein das Jahr 1889 brachte 240 Rennsiege, darunter 13 Meisterschaften, die auf Opel-Fahrrädern gewonnen wurden. Für die nationale Anerkennung der Opel-Räder sollte der 20. Juli 1889 zu einem Meilenstein werden. Symbolisch für die Originalität und den Unternehmergeist der Opel-Brüder ist ein Foto aus dem Jahre 1895, das sie alle auf einem Sondermodell mit fünf Sitzen – dem „Quintuplet“ – in Szene setzte.

1899 bauten die Opel-Söhne – Vater Adam war 1895 verstorben – zwar das erste Automobil, das Fahrradgeschäft forcierten sie aber weiterhin. Bis in die 1920er-Jahre verpflichteten sie regelmäßig die weltbesten Radrennfahrer, die reihenweise Siege einfuhren. Weil die Nachfrage nach den Zweirädern weiter zunahm, stellten die Rüsselsheimer ihre Produktion 1923 grundlegend um und führten als erstes deutsches Unternehmen die Fließbandfertigung für die Fahrradproduktion ein. Nun lief alle sieben Sekunden ein neues Rad vom Band. Die sinkenden Produktionskosten drückten auch die Anschaffungskosten für die Kunden und machten das Fahrrad für weite Teile der Bevölkerung zu einem erschwinglichen Fortbewegungsmittel. 1925 stieg Opel so zum größten Fahrradhersteller der Welt auf und ein Jahr später lief das millionste Opel-Fahrrad vom Band.

Nach dem Tod der Opel-Söhne Karl und Heinrich in den Jahren 1927 und 1928 gerieten die Brüder Wilhelm und Fritz wegen der nun doppelt zu zahlenden Erbschaftssteuer in finanzielle Nöte. Als das Geld zur Renovierung der zuvor stets ausgelasteten Produktionsanlagen fehlte, schauten sich die Opels nach einem Käufer um. Zu diesem Zeitpunkt kam ein Übernahmeangebot von General Motors, dem weltgrößten Automobilhersteller, gerade recht. Im September 1929 wurde I.J. Reuter als erster Amerikaner zum Generaldirektor von Opel ernannt, die Brüder Wilhelm und Fritz Opel wurden Mitglieder des Aufsichtsrates.

Der Vorstand und Aufsichtsrat der Adam Opel AG entschied dann Ende 1936, das Fahrradgeschäft an NSU zu verkaufen. Am 15. Februar 1937 lief das letzte Opel-Fahrrad vom Band und beendete eine mehr als 50-jährige Tradition mit rund 2,6 Millionen gefertigten Drahteseln.



Fast auf den Tag genau 75 Jahre später kehrte Opel zu seinen Wurzeln zurück. Die umweltfreundliche Designstudie RAD e feierte im März 2012 ihre Premiere auf dem Genfer Automobilsalon. Im Jahr des 150-jährigen Bestehens der Marke ließen sich die Konstrukteure dabei von einem historischen Fahrzeug inspirieren, dem Opel-Motorrad Motoclub 500 von 1928. (ampnet/nic)

Fotos: Opel, Auto-Medienportal.Net/Opel

 


Veröffentlicht am: 07.09.2016

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