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Morgengruß von Helmut Harff: reformieren – nicht einfach

Morgengruß von Helmut Harff: reformieren – nicht einfach

Vor über 500 Jahren brodelte es in Europa, brodelte es in der christlichen Kirche. Die Erfindung des Buchdrucks sorgte für eine Medienrevolution und für eine sprunghafte Wissensverbreitung. Es gab Konflikte zwischen dem aufstrebenden Bürgertum und dem auf seine Privilegien pochendem Adel. Die Bauern hungerten und die Bevölkerungszahl stieg. Die Korruption und die Geldgier der Kirche setzte allem die Krone auf.

Viele der damaligen Geistesgröße hatten schon Jahre zuvor diese Entwicklung kritisiert. Dazu gehörten Erasmus von Rotterdam, aber auch der in England wirkende Pfarrer John Wyclif oder der in Prag wirkende Jan Hus. Und dann waren da selbstverständlich noch Martin Luther, Philipp Melanchthon, Thomas Müntzer, Ulrich Zwingli oder Johannes Calvin.

Das war eine bunte Mischung von studierten Männern, von Geistesgrößen, die vor allem eines wollten, die Kirche zu reformieren. Sie wollten keine neue christliche Kirche schaffen. Die bestehende Amtskirche hatte aus nachvollziehbaren Gründen – es ging um immens viel Geld und Macht – hatte viel gegen die Reformbestrebungen und schrecke nicht vor jahrelangen Kriegen zurück. Am Ende blieb die katholische Papstkirche und die neue evangelische Kirche.

Und wie war das rund 500 Jahre später? Da rumorte es wieder in Europa. Es rumorte in den totalitären Staaten Osteuropas. Auch hier waren es einige Männer und Frauen, die Reformen anstrebten. Da gab es einen Werftarbeiter in Polen, einen Schriftsteller in der Tschechoslowakei, einen Parteivorsitzenden in der Sowjetunion, einen Maurer, einen Anwalt, eine Malerin, eine Bibliothekarin in Deutschland. Wahrscheinlich waren alle keine solchen Geistesgrößen, wie ihre reformbegeisterten Vorgängern. Der eine oder andere war mächtiger oder sogar so wortgewaltig wie die  Pfarrer von vor 500 Jahren. Und doch, auch sie einte der Wunsch nach Reformen. Sie wollen ebenfalls eine Religion, den Sozialismus oder je nach Lesart den Kommunismus, reformieren. Die Geschichte verlief anders, wie wir wissen. Das hat seinen Grund vor allem darin, dass der amtierende „Papst“ der sozialistischen Kirche – der sowjetische Partei- und Staatschef Michail Gorbatschow – selber zu den Reformatoren gehörte. Es war also niemand da, der den Reformbestrebungen in den Arm fiel.

Doch es  wurde innerhalb nur weniger Jahre klar, dass der Sozialismus, so wie er seit Jahrzehnten bestand einfach nicht zu reformieren ist. Man verabschiedete sich deshalb schlicht von ihm. Doch auch das Ergebnis dieser Reform ist nicht überall eine Erfolgsgeschichte. Die Sowjetunion zerfiel und aus anderen Staaten wurden Diktaturen, führten und führen Krieg miteinander.  Einige Staaten wurden demokratische Rechtssysteme und wir in Deutschland haben uns längst daran gewöhnt, wieder ein Land zu sein.

Reformen – im Großen und im Kleinen – sind nicht ohne. Die Folgen sind kaum absehbar und niemand kann vorsagen, wohin die Reise geht. Luther und Co. haben für eine Kirchenspaltung gesorgt, die unzähligen Menschen den Tod brachten. Viele sich liebende Menschen zerbrachen daran, dass jeder einer anderen Kirche per Geburt angehörte. Auch die Reformbestrebungen im 20. Jahrhundert führten zu zigtausenden Toten, zu ethnischen Säuberungen.

Und doch, ohne Reformen jeden Tag geht es nicht. Ansonsten gibt es keinen Fortschritt, können sich keine neuen Ideen Bahn brechen.

 


Veröffentlicht am: 31.10.2016

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