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24.11.2017

 

 

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Grossstadtrausch/Naturidyll. Kirchner – Die Berliner Jahre

... im Kunsthaus Zürich



Vom 10. Februar – 7. Mai 2017 findet erstmals in der Schweiz eine grosse Ausstellung zu den Berliner Jahren von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) statt.

Anhand von rund 160 Gemälden, Pastellen, Zeichnungen, Druckgrafiken, Skizzenbüchern und einer Auswahl von Stoffarbeiten, Skulpturen und Fotografien präsentiert das Kunsthaus Zürich Kirchners Schaffen aus der pulsierenden Grossstadt Berlin und von der idyllischen Ostseeinsel Fehmarn.

Die zwei gegensätzlichen Inspirationsorte markieren zwischen 1912 und 1914 den Höhepunkt in Kirchners expressionistischem Werk. Der Mitbegründer der Künstlergruppe «Brücke», der in der Schweiz vor allem für seine Bilder der «heilen» Davoser Bergwelt berühmt ist, wird von seiner hierzulande weniger bekannten, umso spannungsreicheren Seite gezeigt.

LEIHGABEN AUS BERLIN, SYDNEY, NEW YORK, MADRID …


Dem Kunsthaus Zürich ist es in Zusammenarbeit mit dem renommierten Brücke-Museum, Berlin, gelungen, Leihgaben aus vielen Kontinenten zu einem dialektischen Parcours zusammenzuführen. Bedeutende Bestände kommen aus dem Städel (Frankfurt), der Pinakothek der Moderne (München), dem Museo Thyssen-Bornemisza (Madrid), dem Guggenheim Museum und dem Museum of Modern Art (beide New York), dem Getty Research Institute (Los Angeles), der Art Gallery of New South Wales (Sydney) sowie dem beliebten Kirchner Museum Davos. Private Leihgeber beteiligen sich mit teilweise nie öffentlich gezeigten Werken. Erstmals für die Schweiz wird auch die Mansardennische von Kirchners zweiter Berliner Atelierwohnung in Originalgrösse rekonstruiert. Der Künstler hatte sie mit selbst entworfenen Stoffen mit Fehmarn-Motiven gestaltet.

INSPIRATIONSORTE BERLIN UND FEHMARN

Der Ausstellungsparcours ist chronologisch angelegt. Die Inspirationsorte Berlin und Fehmarn wechseln einander ab. Sie werden oft als Gegenpole angesehen: Hier das frenetisch-nervöse Grossstadtleben, da die Erholung in ländlicher Abgeschiedenheit; hier die Misere und Entfremdung des Grossstädters, da das harmonische Leben in Einheit mit der Natur. In dieser Ausstellung und dem sie begleitenden Katalog werden die beiden Pole – Grossstadt und Naturidyll – als zusammengehörende zwei Seiten von Kirchners Leben und Werk erfahrbar. Beide veranschaulichen Kirchners Streben nach einem Leben ausserhalb der bürgerlichen Normen und nach einer neuen, zeitgemässen Ausdrucksform. Neben Arbeiten aus Kirchners Berliner Zeit ist eine repräsentative Auswahl seiner frühen Gemälde aus Dresden zu sehen sowie erste Werke, die nach seiner Übersiedlung in die Schweiz entstanden sind. Sie bilden den Kontext, in dem die tiefgreifenden Veränderungen von Kirchners Kunst in den Jahren zwischen 1911 und 1917 erst verständlich werden. Ziel dieser fokussierten Präsentation ist es, dem Publikum diese wichtige Werkphase Kirchners und damit die gesellschaftspolitischen Veränderungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu vermitteln.

LEBENSGEFÜHL DES BEGINNENDEN 20. JAHRHUNDERTS

Ernst Ludwig Kirchners Umzug von Dresden nach Berlin im Herbst 1911 markiert einen Wendepunkt in seiner Kunst. In den Jahren von 1912 bis 1915 schuf der junge Künstler unter dem Eindruck dieser modernsten Grossstadt Europas Werke, die in ihrer übersteigerten und verdichteten Art als eigentliche Metaphern für das Lebensgefühl des beginnenden 20. Jahrhunderts gelten können. Die Reichshauptstadt verhiess in dieser Umbruchszeit Fortschritt und ungezählte Möglichkeiten, aber auch Vereinsamung und Überlebenskampf. Sie war das Zentrum der ungebremst wachsenden Industrie, des aufkommenden Autoverkehrs und mit zwei Millionen Einwohnern die grösste «Mietskasernenstadt» Europas. Berlin war aber auch die Metropole der Künste, der Vergnügungssucht und der Prostitution.

Im Schmelztiegel dieser Chancen und Risiken schuf Kirchner Werke von atemloser, existenzieller Direktheit, die den wilhelminischen Konventionen regelrecht entgegengeschleudert wurden. Seine Motive waren denn auch von diesen Beobachtungen geprägt: modisch gekleidete Passantinnen, motorisierter Verkehr und Industrieanlagen, die sich durch die Stadt «fressen» sowie Café- und Bordellszenen. Bewegung, Dynamik, Vielansichtigkeit prägen Kirchners Werke der Berliner Jahre. Er charakterisierte seine Malerei rückblickend denn auch als «eine Malerei der Bewegung». Das Paradebeispiel – «Die Strasse» (1913) aus dem Museum of Modern Art, New York – ist ebenso im Kunsthaus zu sehen wie die doppelseitig bemalte Leinwand «Zwei Frauen auf der Strasse» (recto) / «Zwei Badende in Wellen» (verso) aus der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

ICH BIN DANN MAL WEG

Von Berlin aus reiste Kirchner in den Sommermonaten der Jahre 1912 bis 1914 auf die Ostseeinsel Fehmarn, die er bereits von einem früheren Besuch kannte. Hier führte er zusammen mit seiner neuen Lebensgefährtin Erna Schilling und seinen Malerkollegen ein mit der Natur verbundenes, ungehemmtes Leben. Fern der Grossstadt und bar jeglicher Konventionen genossen sie hier ein arkadisches Dasein. In dieser Idylle entstand 1912 das lange vermisste, jüngst wieder aufgetauchte und in Privatbesitz befindliche quadratische Gemälde «Mexikobucht auf Fehmarn». Und auch das berühmte Gemälde «Drei Badende» (1913, aus der Art Gallery of New South Wales, Sydney) legt von der Verbundenheit mit der Natur Zeugnis ab. Kalt-Warm-Kontraste, gedämpfte bis kräftige Farben und dynamische Formen sind Ausdruck dieses Hochgefühls im Einklang mit der Natur.

MILITÄR UND DROGEN: DIE KRISE

Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges überraschte Kirchner während seines Sommeraufenthalts 1914 auf Fehmarn, den er deswegen jäh unterbrechen und zurück nach Berlin reisen musste. Seine militärische Ausbildungszeit als Feldartillerist in Halle und die allgemeinen Erfahrungen des Kriegs stürzten Kirchner 1915 in eine tiefe psychische und physische Krise, die mit starkem Alkohol- und Medikamentenmissbrauch einherging und dadurch seine künstlerische Identität bedrohte. Die trotz oder gerade aus dieser Krise heraus entstandenen Werke, wie die berühmte «Schlemihl»-Mappe oder jene mit Rohrfeder und Tinte auf Kreidegrundpapier erstellte Zeichnung «Selbstbildnis im Morphiumrausch» (1917), bilden einen weiteren wichtigen Schwerpunkt der Ausstellung. Nach mehreren Sanatoriumsaufenthalten in Königstein, Berlin und Kreuzlingen siedelte Kirchner 1918 in die Schweiz um, wo er seinen langen Weg der Genesung in den Davoser Bergen antrat und wo er schliesslich bis zu seinem Freitod 1938 bleiben sollte. Mit diesem neuen Wendepunkt in Kirchners Leben schliesst die Ausstellung chronologisch ab.

KIRCHNER UND DAS KUNSTHAUS

Das Kunsthaus Zürich zeigte Werke von Kirchner erstmals in einer Gruppenausstellung im Jahre 1918, aus der zwei Holzschnitte erworben wurden. Projekte von grossen Einzelausstellungen kamen 1926 und 1936 nicht zustande. Nach Kirchners Tod folgten monografische Ausstellungen (1952 und 1954) sowie 1980 die bis heute grösste Retrospektive. Hundert Jahre nach Kirchners Umzug in die Schweiz widmet das Kunsthaus Zürich dem grossen Meister des Expressionismus nun diese auf die Berliner Jahre (1911–1917) fokussierte Ausstellung. Kunsthaus-Kuratorin Dr. Sandra Gianfreda hat die Präsentation gemeinsam mit Prof. Dr. Magdalena M. Moeller (Direktorin Brücke-Museum, Berlin) erarbeitet.

BEGLEITPROGRAMM UND PUBLIKATION
Zur Ausstellung findet ein Rahmenprogramm statt:
7. März, 18.30 Uhr: «Kirchner ausstellen – damals und heute». Podiumsgespräch mit Dr. Lucius Grisebach (Kunsthistoriker), Dr. Felix Krämer (Kurator Städel Museum, Frankfurt) und Dr. Sandra Gianfreda (Kuratorin, Kunsthaus Zürich).

28. März, 18.30 Uhr: «Flanerie und Nervosität. Ernst Ludwig Kirchners Strassenbilder der 1920er-Jahre». Vortrag von Dr. Thorsten Sadowsky (Direktor Kirchner Museum Davos).

4. April, 18.30 Uhr: «Er war doch ein Grosser». Ernst Ludwig Kirchners Verhältnis zu Ferdinand Hodler. Vortrag von Dr. Sandra Gianfreda (Kuratorin, Kunsthaus Zürich).

Obige Veranstaltungen: Einritt CHF 10.–/CHF 7.– reduziert. Gratis für Mitglieder und Personen mit Eintrittskarte zur Kirchner- Ausstellung.

2. Mai, 18.30 Uhr: «Mirko Bonné – Mein Fehmarn». Eine Lesung in Kooperation mit dem Literaturhaus Zürich. Einritt CHF 20.–/CHF 14.– reduziert. Gratis für Mitglieder und Personen mit Eintrittskarte zur Kirchner-Ausstellung. Mitglieder des Literaturhaus Zürich: CHF 12.–.

Regelmässig wird zu öffentlichen Führungen eingeladen: Mittwoch und Donnerstag 18 Uhr, Freitag 15 Uhr und Sonntag 11 Uhr. Englische Führungen sind am Samstag, 4. März, 13 Uhr und Sonntag, 19. März, 16 Uhr im Angebot. Eine Führung in französischer Sprache findet am Samstag, 11. März um 13 Uhr statt. Private Führungen (auch in anderen Sprachen) organisieren wir gerne auf Anfrage.

Die Ausstellung wird von einem Katalog auf Deutsch und Englisch begleitet, mit Beiträgen von Günther Gercken, Sandra Gianfreda, Charles W. Haxthausen, Martina Pfister, Karin Schick und Uwe M. Schneede. Hirmer Verlag, 272 Seiten, rund 220 Abb. in Farbe und s/w. Er ist im Kunsthaus-Shop für CHF 59.– erhältlich.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Brücke-Museum, Berlin.

EINTRITT, VORVERKAUF, ÖFFNUNGSZEITEN
Eintritt Ausstellung inkl. Audioguide d/e/f: CHF 23.-/18.- reduziert und Gruppen
Kombiticket inkl. Sammlung: CHF 26.–/19.– reduziert und Gruppen. Bis 16 Jahre gratis
Vorverkauf: SBB RailAway-Kombi. Ermässigung auf Anreise und Eintritt: am Bahnhof oder beim Rail Service 0900 300 300 (CHF 1.19/Min. ab Festnetz)

Kunsthaus Zürich
Heimplatz 1
CH–8001 Zürich
Tel. +41 (0)44 253 84 84
www.kunsthaus.ch

Offen: Fr–So/Di 10–18 Uhr, Mi/Do 10–20 Uhr.
Feiertage: Ostern 14.–17 April, 1. Mai: 10–18 Uhr

Bild:
Ernst Ludwig Kirchner
Strasse am Stadtpark Schöneberg, 1912/13
Öl auf Leinwand, 121 × 151 cm
Milwaukee Art Museum, Gift of Mrs. Harry Lynde Bradley
Foto: Larry Sanders

 


Veröffentlicht am: 10.02.2017

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