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Morgengruß von Helmut Harff: Ab auf die Wippe

... und der deutschen Einheit gedenken

Nun kommt sie also, die Einheitswippe. Passend zur deutschen Geschichte wird sie vor dem Berliner Stadtschlossnachbau installiert. Passend? Ja, hier regierte der deutsche Kaiser über das 1871 geschaffene Deutsche Reich.

Da, wo zumindest in der Nähe das Kaiserdenkmal stand, kommt nun eine Wippe hin. Nein, kein Kinderspielzeug, sondern eines für Erwachsene, vor allem für Touristen. Die können dann so schön in der Sonne und beschienen von Preußens Glanz und Gloria die deutsche Einheit wippend erfahren.

Ja, so eine Wippe ist schon ein tolles Symbol. Für mich steht sie jedenfalls nicht für etwas festes, etwas dauerndes, etwas, was Bestand hat. Für mich steht eine Wippe für ständige Bewegung, für etwas, was ständig um Ausgleich bemüht ist, diesen Zustand aber immer nur in Bruchteilen von Sekunden erreicht. Eine Wippe ist etwas wankelmütiges. Sehen die Beführworter dieses Denkmals so uns Deutsche, die deutsche Einheit?

Wofür ein Denkmal, das der friedlichen Revolution in der DDR 1989 und der deutschen Einheit gedenkt überhaupt? Deutsche Einheit, das wollten die Bürgerbewegten in der DDR nicht. Ich kenne zumindest niemand und ich war dabei und das hautnah. Ich kann mich auch an kein Plakat anlässlich der Demo am 4. November 1989 in Berlin erinnern, auf dem die deutsche Einheit gefordert wurde.

Der Weg dahin wurde nicht von den Bürgerbewegten, sondern von der SED geöffnet. Kein anderer als SED-Politbüromitglied Günther Schabowski öffnete mit seinem Verlesen eines Zettels die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland. Und in Leipzig? Da sorgte in Verbindung mit besonnenen Leipziger Bürgern die SED-Leitung dafür, dass es nicht zum Schusswaffeneinsatz gegen friedliche Demonstranten kam, die vor allem eines wollten - eine andere, eine offene, demokratische DDR. Auch da gab es bis zur Maueröffnung keine lautstarken Forderungen nach der deutschen Einheit.

Ist die Wippe also eher ein Denkmal für die Wankelmütigkeit der SED, vielleicht aller Parteien? Ich finde dieses Denkmal weder dem Anlass angemessen, noch überhaupt sinnvoll. Ich halte es da lieber mit Bertold Brecht und seinem Gedicht "Die Teppichweber von Kujan-Bulak ehren Lenin". Darin berichtet er von armen und von Mücken geplagten Webern in der Sowjetunion, die ihre Kopeken für eine Leninbüste spendeten und am Ende dafür Petroleum kauften, um es auf den Sumpf zu schütten. Denn hier her kamen die Plagegeister.

Im Gedicht heißt es:
So nützten sie sich, indem sie Lenin ehrten und
Ehrten ihn, indem sie sich nützten, und hatten ihn
Also verstanden.


Warum verstehen wir nicht und machen etwas sinnvolles mit den 18 Millionen Euro, die das teuerste Spielgerät des Landes kosten soll. Angesichts Berliner Erfahrungen gehe ich mal davon aus, dass die Baukosten am Ende so bei 24 bis 36 Millionen Euro liegen werden. Damit kann man viel Sinnvolles anstellen - nur bitte keine Einheitswippe zu Füßen der Hohenzollern.

Wippe hin oder her, jetzt gibt es Frühstück.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück. Wie wäre es mit einem Frühstücksdenkmal in Form einer Schrippe - wie wir in Berlin das klassische Frühstücksbrötchen nennen. Frühstück - das eint doch irgend wie Ost und West, Nord und Süd.

 


Veröffentlicht am: 16.02.2017

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