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SIBYLLE SPRINGER „gift“

... in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst

Sibylle Springer (*1975 in Münster, lebt in Bremen und Berlin) ist Malerin. In Acryl auf Leinwand entstehen große Formate, deren Wirkung von Ambivalenzen gekennzeichnet ist.

Sie pendeln zwischen Abstraktion und Figuration, Zeigen und Verbergen, Schönheit und Schrecken, Geschichte und Gegenwart, Tradition und Neuerung. So auch der Titel ihrer Einzelausstellung in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst gift, enthält er doch die Bedeutung der Gabe wie auch des Toxischen.

Ähnlich doppelbödig fallen Titel einzelner Werke Springers aus, wie beispielsweise bei hell, einem Gemälde von 2016, das sowohl Hölle als auch Helligkeit beinhaltet. Es zeigt eine auf den ersten Blick abstrakt gestaltete Bildfläche in blass-verwaschenen Blautönen. Bei näherer Betrachtung jedoch lassen sich konkrete Bildinhalte ausmachen: ein Totenkopf und Gebein, ein fratzenhaftes Gesicht, eine menschliche Figur, die ihre Arme in Abwehrhaltung von sich streckt. Dieses Prinzip ist exemplarisch für Springers Arbeitsweise. Auch bei Schmerz, Brokat (2016) offenbaren sich in einem unregelmäßigen schwarz-grünen Muster ein schmerzverzerrtes Gesicht, eine Hand, die einen spitzen Gegenstand an einen nackten Bauch führt, eine Hand, die einen Arm fest greift. Momente des Schreckens werden schemenhaft sichtbar, um sich sogleich wieder im diffusen Farbmuster aufzulösen.

Grundlage für die Arbeit hell ist die Allegorie auf Gesetz und Gnade von Lucas Cranach d.Ä. (ca. 1529). Bei Schmerz, Brokat handelt es sich um eine Adaption des Gemäldes Die Operation von Gaspare Traversi (1753/54). Beides Darstellungen von Grausamkeit und Groteske aus der Kunstgeschichte, wie sie Sibylle Springer seit einigen Jahren beschäftigen. Bildvorlagen aus der Renaissance, dem Barock oder Rokoko überträgt sie auf Leinwand, um durch den Auftrag mehrerer Farbschichten in Punkten und Schlieren das ursprüngliche Motiv sukzessive zu verunklären. Im Ergebnis gehen Figuration und Abstraktion sowie Vergangenheit und Gegenwart eine eigentümliche Verbindung ein. Indem Springer die Bildinhalte verbirgt und verschleiert oder das Bildformat verändert, eröffnet sie andere Blickweisen auf vermeintlich altbekannte Meisterwerke der Malerei und verhandelt deren Themen neu.

Das Zwiespältige, Vage, die Zwischentöne sind es, welche Sibylle Springer laut eigener Aussage reizen. So auch in dem Werkzyklus, den die Künstlerin für ihre Einzelausstellung 2017 in der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst neu schafft: Hierfür nimmt sie historische und aktuelle Darstellungen von körperlicher Intimität und anderen Grenzbereichen malerisch und zeichnerisch in den Blick. So zum Beispiel L’oeil indiscret ou la femme qui pisse von François Boucher (ca. 1742) – eine für die damalige Zeit pikante Ansicht einer Dame im opulenten Rokoko-Kleid, die ihren Rock hebt und sich in einer Schüssel erleichtert, dabei dem/der Betrachter/in direkt zugewandt. Diese Direktheit wird von Sibylle Springer in einem malerischen Verfahren zunächst zurückgenommen, indem sie die Leinwand vorwiegend in Abstufungen von Grau gestaltet, hier und da durchbrochen von nebelhaften Farbflecken. Durch die Formatverschiebung vom kleinen Kabinettstück (52,5 x 42 cm) zu einer Bildgröße von 210 x 170 cm jedoch verleiht Springer der ursprünglich diskreten Darstellung von Intimität eine geradezu monumentale Wirkung, aus der Schlüsselloch-Perspektive wird ein raumgreifendes Motiv.

Das Spannungsverhältnis von Zeigen und Verbergen, Schönheit und Schrecken, Anziehung und Abstoßung in der Betrachtung der Bilder von Intimität oder Gewalt wird pointiert durch einige nahezu schwarze Portraits, die den Blick der Betrachter/innen erwidern, aus der Tiefe der schwarzen Bildfläche„zurückschauen“.

Neben einer Vielzahl großformatiger Leinwände werden auch kleinere Zeichnungen zu sehen sein, die um ähnliche Motive kreisen. Des Weiteren wird eine Atelierwand in die Ausstellung transferiert, welche die Recherchearbeit und vielfältigen Bezüge offenlegt, die Springer als Ausgangspunkte für ihre Malereidienen.

Die neue Werkserie von Sibylle Springer findet ihre Erweiterung in einem eigens für sie entwickelten Raumkonzept in der GAK, das die zurückgenommene Farbigkeit der Arbeiten kontrastiert: So werden die sonst zumeist weißen Wände des Kunstvereins in Anlehnung an klassisch-museale Präsentationsweisen farbig gestrichen. Mit der Platzierung von Sitzbänken im Ausstellungsraum wird ein weiteres Element integriert, das historische und zeitgenössische Formen der Präsentation und Rezeption von Kunst miteinander verschmilzt.

In begleitenden Veranstaltungen werden Aspekte der Ausstellung fortgeführt, ergänzt und vertieft.

Im Anschluss an die Ausstellung erscheint eine Publikation.

Kuratorin: Svea Kellner

Bildnachweis: Sibylle Springer, gift, 2016, Acryl auf Leinwand, 115 x 90 cm
Sammlung Birgit und Michael Schipper, Hamburg

 


Veröffentlicht am: 12.03.2017

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