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Aufgespießt: Heimarbeit

... kein Problemlöser

(Helmut Harff/Chefredakteur) Heimarbeit war und ist immer umstritten. Die Geschichte zeigt, dass vor allem arme und sehr abhängige Menschen gezwungen waren, zuhause zu arbeiten und so zumindest das Überleben der Familie zu retten. Es war so, dass alle in der Familie - auch und gerade die Kinder - in diese Arbeit voll eingespannt waren.

Die Geschichte lehrt auch, dass die Heimarbeit ein Schritt in die Industriegesellschaft war. Der Rückblick zeigt, dass die ausgepressten Heimarbeiter sich wehrten - auch mit Gewalt, die man gern auch revolutionär bezeichnet.

Nun haben wir wieder die Diskussion über die Heimarbeit. Diesmal trifft es nicht die Armen, die Hungernden, die Abgehangenen. Es trifft auch nicht die Verkäuferin und Grundschullehrerin, die Putzfrau, den Maurer oder Straßenbauarbeiter. Diesmal trifft es die Büroarbeiter, zumeist die, die nicht ganz unten auf der Karriereleiter stehen.

Nun ist es auch heute keine Seltenheit, dass Menschen zuhause arbeiten. Dazu gehören ganz viele Freiberufler, wie der Autor. Ich weiß also wovon ich schreibe. Ich weiß, dass arbeiten im Home Office eine sehr einsame Sache sein kann. Ich weiß, dass dazu eine große Portion Selbstdisziplin gehört. Ich weiß, dass jede Störung, dass jede Ablenkung einem aus dem Rhythmus bringt. Ich weiß auch, dass arbeiten im Home Office schnell in Selbstausbeutung abdriften kann. Ich weiß, dass das Home Office nicht gerade der Lieblingsort für das Finanzamt ist. Ich weiß, dass längst nicht jeder dazu geeignet ist, in den eigenen vier Wänden so zu arbeiten, wie er das im Büro tun würde. Ich weiß aber auch, dass das Arbeiten am heimischen Schreibtisch sehr viel Spaß macht, viel Freiräume bietet und durchaus seinen Reiz und seine Berechtigung hat.

Ich bezweifel aber, dass all das auch die wissen, die heute über das Arbeiten im Home Office reden, es für die Top-Lösung schlechthin halten oder darin Teufelswerk sehen. Beides ist sicher falsch. Richtig ist, dass die Bedingungen stimmen müssen, dass man Menschen auf ihre Home Office-Tätigkeit vorbereiten, sie entsprechend schulen muss. Richtig ist, dass es alles andere als eine gute Idee ist, zuhause arbeiten zu wollen, wenn man "nebenher" einen dementen Menschen pflegen oder sich um den Nachwuchs kümmern muss. Wenn das so nebenbei ginge, wieso kann man Opa und die pubertierende Tochter nicht einfach mit ins Büro nehmen?

Und dann sind da noch die technischen Voraussetzungen für das Home Office. Man braucht einen vernünftigen, sprich schnellen und stabilen Internetzugang. Man benötigt einen abschließbaren Raum, man braucht abschließbare Schränke und sicherlich auch einen Safe. Hat man die nicht, muss der Arbeitgeber damit rechnen, dass Unterlagen zum Malen von den Kindern, zum zerreißen vom Hund verwendet werden oder gar in falsche Hände geraten. Der Home Office-Arbeiter braucht auch einen passenden Rechner mit entsprechender Sicherheitssoftware und er braucht auch zusätzliche Versicherungen. Das kann sich ganz schnell auf mehrere Hundert Euro im Monat summieren. Wer zahlt das?

Das Finanzamt habe ich schon erwähnt. Das müsste beim flächendeckenden Ausbau der Home Office-Arbeit ganz anders mit Menschen umgehen, die ihr Geld zuhause verdienen. So müsste man selbst in einer Ein-Zimmerwohnung einen Teil als Arbeitszimmer absetzen können. Gleiches gilt für den Rechner, den Safe und was sonst noch so notwendig ist. Es müsste eine Steuerpauschale für Home Office-Arbeiter geben, die pro Jahr so zwischen 5.000 und 10.000 Euro liegt.

Liebe Gewerkschaftsmenschen: Bevor Ihr die moderne Form der Heimarbeit verteufelt, stellt lieber einen vernünftigen Forderungskatalog für solche Tätigkeiten auf. Seit mal positiv.

Lieber Arbeitgeber: Denkt erst mal zu Ende, bevor ihre Eure Mitarbeiter mit Sticks voller brisanter Unterlagen aus dem Büro nachhause entlasst.

Lieber Arbeitnehmer: Sagt nicht nein, sondern fordert das, was Ihr für Euren Heimarbeitsplatz benötigt und lasst Euch das richtig gut bezahlen. Der Arbeitgeber spart ja ohnehin dabei.

 


Veröffentlicht am: 20.11.2017

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