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20.07.2018

 

 

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Bewölkt mit Aussicht auf Besserung

Weinlese 2017 @ Ornellaia

(Axel Heinz – Önologe & Direktor des Weinguts) Das Jahr 2017 war für den Weinbau unumstritten ein schwieriges. Wir waren so an reiche Ernten und gleichbleibend hohe Qualität gewöhnt, dass wir schockiert waren, als Mutter Natur es uns mal schwer machte.

In den zwölf Jahren, die ich jetzt für Ornellaia arbeite, gab es wenige schwierige Jahrgänge, besonders 2009 und 2014, aber noch nie standen wir vor einer so großen Herausforderung wie 2017. Bisher wurde vor allem über die geringen Erträge gesprochen, und das ist aus kommerzieller Sicht natürlich ein Problem, aber es gibt 2017 auch Erfreuliches zu berichten.

Die Lese 2017, eine der frühesten in der Geschichte des Weinguts, bescherte uns die seltene Kombination aus einem beschleunigten Wachstumszyklus und einem heißen und trockenen Klima. 

Die Wachstumsperiode

Der relativ milde und trockene Winter, der nur kurz von Temperaturen unter 0°C im Januar unterbrochen wurde, und eine ungewöhnlich warme Wetterlage im Februar und März, bildeten die Voraussetzungen für einen frühen Austrieb, der bereits um den 27. März und damit eine gute Woche früher als üblich begann. Der April folgte dem gleichen Muster, was zu einem explosiven Triebwachstum führte, das durch einige Tage extrem niedriger Temperaturen, die in weiten Teilen der Toskana unter 0°C fielen, brutal gebremst wurde. Erhebliche Frostschäden an den Reben waren die Folge. Glücklicherweise blieben die Temperaturen durch das milde Küstenklima in Bolgheri knapp über Null, wodurch keinerlei Frost entstand.

Obwohl der Mai, der dritte Monat in Folge mit Niederschlägen unter dem saisonalen Durchschnitt, warm und sonnig war, konnte sich das Wachstum der Triebe nicht vollständig von der Kältewelle im April erholen, sodass die Blütezeit mit Blattdächern stattfand, die nicht ihre volle Größe erreicht hatten. Die Blüte war schnell und sehr einheitlich mit guten Fruchtansätzen, aber aufgrund des langsamen Pflanzenwachstums blieben die Trauben und Beeren kleiner als gewöhnlich. Von Vorteil war, dass durch das trockene und sonnige Wetter der Pilzbefall gering war, sodass wir nur sehr wenig für den Pflanzenschutz aufwenden mussten.

Von Juni bis Mitte September hatten wir ein außergewöhnlich heißes und trockenes Wetter. Bereits im Juli wurde die Trockenheit besorgniserregend. Die Trauben blieben klein und wuchsen nur wenig, was uns zwang, uns an die trockenen Bedingungen anzupassen, indem wir Laub entfernten und einen Teil der Trauben ausdünnten, um die Reben nicht zusätzlich zu belasten. Die Bodenbewirtschaftung von Ornellaia, die auf der Verbesserung des mikrobiologischen Lebens und des organischen Gehalts basiert, hat sicherlich dazu beigetragen, die Widerstandsfähigkeit der Reben gegen die Trockenheit zu erhöhen und genügend Feuchtigkeit in den Böden zu halten.

Die Reife trat etwa zehn Tage zu früh, in der dritten Juliwoche ein.

Die Weinlese: So schnell es geht

Die langanhaltende Trockenheit im Vorfeld der Weinlese bereitete uns große Sorge, und wir wussten, dass wir daran nichts ändern konnten. Wenig überraschend wiesen die ersten Traubenproben bereits hohe Zuckerwerte auf und zeigten an, dass uns eine frühe Traubenlese bevorstand. Eine kurze Hitzewelle in der ersten Augustwoche beschleunigte die Reifung weiter und konzentrierte die Beeren, was uns veranlasste, mit der Weinlese der ersten Sauvignons bereits am 7. August zu beginnen – das hatte es bis dato bei Ornellaia noch nie gegeben. Die Sauvignon- und Viognier-Lese war am 17. August abgeschlossen und – erstaunlicherweise – folgten sofort darauf die gewöhnlich später reifenden Sorten Vermentino und Verdicchio. Dank der Erfahrungen mit der Weißweinherstellung, die wir seit 2008 gesammelt haben, sind wir nicht in die Fallen getappt, die ein so warmer und frühreifer Jahrgang mit sich bringt: Lese nur in den frühen Morgenstunden, Transport der Trauben in einem Kühlwagen und sorgfältige Pressung ohne Sauerstoff haben uns geholfen, die aromatische Qualität vollständig herauszuarbeiten und eine schöne Säure zu erhalten. Natürlich haben auch die Qualität der Weinberge und die kühlen Nächte dazu beigetragen.

Die ersten Rotweintrauben wurden zusammen mit dem Vermentino und Verdicchio am 24. August geerntet, beginnend wie üblich mit einem jungen Merlot-Weinberg. Die Lese des letzten alten Merlot wurde am 4. September abgeschlossen. In nur zehn Tagen ist die 2017er Merlot-Lese einer der schnellsten in der Geschichte des Weinguts. Die außergewöhnlich kleinen Beeren wiesen einen hohen Gehalt an Zucker, Tannin und Säure auf. Ein erheblicher Anteil der Trauben, vor allem, wenn sie direkt der Sonne ausgesetzt waren, zeigte eine signifikante Beerenschrumpfung, wodurch 10% der Beeren entsorgt wurden mittels einer optischen Auslese, die Ornellaia seit 2016 praktiziert. Das hat sicherlich die aromatische Reinheit der Weine enorm begünstigt und eventuelle Trockenbeeren- oder Rosinennoten verhindert.

Die Cabernet Sauvignon-Lese wird als eine der frühesten in der Geschichte des Weingutes in Erinnerung bleiben. Am 30. August wurde mit der Lese der jungen Reben unter ähnlichen Bedingungen wie beim Merlot begonnen, am 10. September kam jedoch der lang ersehnte Regen, der den Reben ein wenig Erleichterung verschaffte, die Früchte mit Feuchtigkeit versorgte und es uns ermöglichte, die Reifung unter nahezu perfekten Bedingungen abzuschließen. Die Ernte auf den Rebflächen mit Cabernet Franc, Petit Verdot und den älteren Cabernet Sauvignon-Reben wurde bis zum 26. September bei sonnigem, aber kühlem Wetter abgeschlossen.

Die außergewöhnlich kleinen, konzentrierten und reichhaltigen Beeren erforderten eine besonders sorgfältige Extraktion. Weniger ist in diesem Fall mehr und so verkürzten wir die Maischestandzeiten auf maximal drei Wochen, hielten die Gärtemperaturen niedrig und reduzierten das Umpumpen auf ein Minimum, um nur die reinsten Aromen und weiche, samtige Tannine von hoher Qualität zu extrahieren.

...und zum Schluss, wie sind die Weine?

Es lässt sich nicht schönreden - die Erträge im Jahr 2017 sind sehr gering und werden in den nächsten Jahren einige finanzielle Schwierigkeiten mit sich bringen, aber am Ende ist die Qualität der Weine auf der ganzen Linie ein glücklicher Abschluss eines schwierigen und herausfordernden Jahres, das uns daran erinnert hat, dass Mutter Natur sehr launisch sein kann.

Konzentration wäre das erste, was einem in den Sinn kommt, wenn man diese Qualität beschreiben möchte. Die Weißweine haben lebhafte Aromen und eine gute Säure bewahrt und zeugen vom großen Potenzial des Weinbaugebiets. Dieses Potenzial haben wir erkannt als wir damals mit der Produktion des Poggio alle Gazze dell'Ornellaia mit den alten Sauvignon Blanc-Reben, die ihre Veredelung an Merlot nicht angenommen hatten, wieder begonnen haben. Es ist schön, die wunderbare Qualität der neu angelegten Weinberge in Bellaria zu sehen, die uns ermöglicht haben, den Ornellaia Bianco zu produzieren und die selbst in einem heißen Jahr wie 2017 Weine von ausgesuchter Finesse hervorgebracht haben.

Die Rotweine sind opulent, gehaltvoll und dunkel, mit üppigen, aber dennoch samtig-raffinierten Tanninen und exzellenten Säuren, die sich gegen die Opulenz durchsetzen. Die Frucht ist intensiv und rein, ohne jegliche Überreife.

Nicht zuletzt sieht der Mitte Oktober für den Ornus dell'Ornellaia gepflückte Petit Manseng mit hohem Zuckergehalt und hoher Konzentration sehr vielversprechend aus. Wir werden jedoch bis zum Ende des Jahres warten müssen, wenn die Gärung abgeschlossen ist, um ein abschließendes Urteil fällen zu können.

 


Veröffentlicht am: 13.12.2017

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