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Morgengruß von Helmut Harff: Eine merkwürdige Diskussion

… um Hartz-IV und Armut

Derzeit gibt es wieder einmal eine Diskussion um Hatz-IV und Armut in Deutschland. Darüber zu reden ist nicht nur legitim, sondern auch mehr als notwendig. Viel wichtiger ist aber, zu handeln, damit wir das Thema nicht immer und immer wieder behandeln müssen.

Was mich nicht nur aktuell, sondern schon sehr lange an den Diskussionen stört ist, dass da in viel zu vielen Fällen die Blinden von der Farbe reden. Die dort diskutieren, ich meine die Politiker, aber auch Journalisten, haben in den allermeisten Fällen im besten Fall eine theoretische Ahnung.

Wenn CDU-Gesundheitsminister Spahn behauptet, das Hartz-IV die Antwort auf Armut ist, dann ist klar, dass der Mann einfach keine Ahnung hat, überhaupt nicht weiß, wovon er redet. Es wird deutlich, dass er augenscheinlich nicht einmal die Grundrechenarten beherrscht. Wäre dem nicht so, dann wüsste er, dass ein Empfänger von Arbeitslosengeld II – also von Hartz-IV – von dem Geld eine Woche leben muss, was eine Taxifahrt vom Flughafen Schönefeld zum Bundestag kostet. Das Geld was ein Herr Spahn für ein Abendessen beim Nobelitaliener mit vier Freunden ausgibt, liegt in etwa in der Höhe von einem monatlichen Hartz-IV-Satz für einen Single – so er nicht nur Wasser trinkt.

Ja, wer von Hartz-IV lebet – ob freiwillig (gibt es auch)oder gezwungener Maßen, muss nicht hungern, muss nicht in Lumpen rumlaufen. Wer von  Hartz-IV-Leistungen lebt, kann gut existieren – mehr aber auch nicht. Und, ich weiß wovon ich rede, habe einige Zeit selber so leben müssen. Doch mal einen Kaffee trinken gehen, ins Museum, ins Theater gehen - das konnte ich eben nur, wenn mich meine Eltern einluden. Ich war auch auf Geschenke angewiesen und nutzte jede legale Zuverdienstmöglichkeit.

Und doch fehlte es überall. Eine neue Brille war eine Illusion, professionelle Zahnreinigung konnte ich mir genauso wenig leisten wie den Besuch bei  der Fußpflege. Für einen ganz normalen Friseurbesuch musste ich sparen. Dazu kam immer die Angst, dass die Waschmaschine oder der Kühlschrank den Geist aufgeben. Auch bei Lebensmitteln sparte ich. Eine wirklich gesunde Ernährung war zumindest schwierig. Und das, obwohl ich nicht rauche und auch gut ohne Alkohol leben kann.

Hartz-IV ist nicht die Abwesenheit von Armut, es ist die Abwesenheit von einem normalen Leben und es macht krank.

Noch ein Wort zu der Einladung einer Hartz-IV-empfangenden Mutter eines zehnjährigen Sohnes an Herrn Spahn:  Sie hatte den Minister aufgefordert, mal einen Monat von Hartz-IV zu leben.  Das ist gut gemeint, aber viel zu kurz gedacht. Einen Monat, da hat Herr Spahn noch nicht einmal seinen Vorratsschrank, sein Weinregal geplündert, da ist nichts kaputt gegangen, da braucht er keinen neuen Anzug für ein Bewerbungsgespräch. Hartz-IV macht nicht im ersten Monat arm, Hartz-IV macht schleichend arm und einsam.

Und noch eine Anmerkung: Wenn ich in Medien davon höre, dass man verhindern müsse, dass man nicht weitere Generationen von Hartz-IV-Empfängern schafft, dann sind die, die das schreiben oder auch nur zitieren genauso blind, wie ein Herr Spahn. Warum? Weil es keine Generationen von Hartz-IV-Empfängern gibt. Diese Sozialleistung wurde vor gut 13 Jahren, genau am 1.1.2005 eingeführt.

Gut, dass ich mir ein Frühstück nach meinem Gusto leisten kann.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

 


Veröffentlicht am: 21.03.2018

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