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Morgengruß von Helmut Harff: Meinungsvielfalt

... ist ein schönes Wort

Wir sind stolz auf unsere Pressefreiheit und auf unsere Medienvielfalt. Das können wir auch sein – zumindest auf den ersten Blick. Doch wenn man genauer hinsieht, wenn man sich vor allem den Zeitungsmarkt ansieht, dann kommen einem da große Zweifel. Zumindest mir geht es so.

Ja, wir haben den öffentlich-rechtlichen und per Gebühren finanzierten Rundfunk. Der sichert – so ist es zumindest vorgesehen – eine unabhängige Berichterstattung. Ja, es gibt eine ganze Reihe von Radio- und Fernsehsender. Um die nutzen zu können, müssen wir uns von Werbung berieseln lassen. Das deren Qualität häufig höher als die der Sendungen ist, ist nun alles andere als ein Geheimnis.

Und dann sind da noch die Zeitungen. Da gibt es – warum eigentlich – keine steuer- oder umlagefinanzierten Titel. Der Zeitungsmarkt liegt voll in privater Hand. Das muss kein Makel sein, ist es aber aus meiner Sicht. Wer Zeitung macht – und da weiß ich als ehemaliger Zeitungsverleger wovon ich rede – muss vor allem eines im Blick haben: Das Geld. Eine Zeitung ist nur dann erfolgreich, wenn am Ende des Tages ein Gewinn bleibt. Das allein ist das Entscheidende. Für einen Verleger, der keinen Goldesel hat, ist alles andere zweitranging.

Nun hat ein Verleger die Möglichkeit, einfach eine Zeitung zu machen, die einem die Menschen aus der Hand reißen. Das ist aber ähnlich schwer, wie die deutschen Autobauer dazu zu bringen, klima- und umweltfreundliche Autos auf den Mark zu bringen.

Man kann auch noch versuchen, einen möglichst dicken Happen vom Werbekuchen abzubekommen. Doch da sind Google und Co., aber auch die öffentlich-rechtlichen Sender vor. Außerdem kostet jede Werbeseite in einer Zeitung zusätzlich und vergrätzt die Leser, die nämlich die Zeitung wegen ihrer Inhalte kaufen.

Inhalt ist ein gutes Stichwort: Denn daran kann man auch sparen. Verlage legen dazu ihre Tätigkeit, ihre Titel zusammen und lassen irgendwo – das muss nicht einmal in Deutschland sein – die Inhalte erstellen. Man hofft dann, dass die Kölner nicht merken, dass sie genau das gleiche zu lesen bekommen, wie Münchener, Hannoveraner oder Berliner. Ein Zeitungsmacher präsentiert so im besten Fall mehreren Millionen Leser eine – seine – Meinung. Von Meinungsvielfalt kann spätestens dann keine Rede mehr sein.

Das betrifft nicht nur politische Themen oder den Sport oder sonstige überregionale Angelegenheiten. Auch die regionale Berichterstattung wird immer mehr zentralisiert oder in die Hände von freien Mitarbeitern gelegt, die als Freiberufler immer häufiger weit weniger als den Mindestlohn  verdienen. Die sind dann schon mal für eine Einladung bereit, ein journalistisches Auge zuzudrücken.

Diese Entwicklung, dieser Konzentrationsprozess, diese fortschreitende Ausdünnung von Redaktionen, diese Unterbezahlung von schreibenden und fotografierenden Journalisten sorgt dafür, dass wir zwar noch gern von Medienvielfalt reden, die aber schon längst auf der Strecke geblieben ist. Kein Wunder, dass sich die Menschen andere Informationskanäle suchen und den etablierten Medien immer mehr misstrauen. Letztere sägten Tag für Tag an dem Ast, auf dem sie sitzen. Mich beunruhigt das – schon deshalb, weil Demokratie ohne Medienvielfalt nicht funktionieren kann.

Nun muss ich zum Bäcker und zum Zeitungsladen – meine Brötchen und die Wochenendzeitungen kaufen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Frühstück.

Foto:
Pixabay

 


Veröffentlicht am: 26.05.2018

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