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21.07.2018

 

 

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Morgengruß von Helmut Harff: Berge versetzen

Der Glaube hilft


Gestern schrieb ich hier: „Doch ich setze auf die Nationalmannschaft. Ich hoffe, sie zeigt heute, dass der Wille Berge versetzen kann. Gewinnt bitte.“ Mein Gebet in Richtung Fußball-Nationalmannschaft wurde erhöht. Der Wille der ganzen Mannschaft war dafür verantwortlich, dass Toni Kroos in der fast letzten Sekunde das erlösende Tor gelang.

Mal ganz abgesehen vom Fußball zeigte das gestrige Spiel, aber auch das gegen Mexiko, wie wichtig Selbstbewusstsein ist. Man warf den deutschen Kickern zum Beginn der Weltmeisterschaft in Russland gerade mangelndes Selbstbewusstsein, eine unmögliche Körpersprache vor. Das erinnert mich an die DDR. Damals sprach der Schriftsteller Stefan Heym davon, dass wir DDR-Bürger den aufrechten Gang  erlernen müssen. Den hatten wir, nach Kaiserzeit, NS-Diktatur und SED-DDR einfach nicht gelernt, wir hatten ihn vergessen.

Heym sprach auch davon, dass wir damals, am 4. November 1989 schon unsere Sprache wiedergefunden hätten. Recht hatte er. Doch was sagt uns das, was sagt uns der gestrige Sieg unserer Nationalkicker? Dass, wer seine Sprache wieder gefunden hat, wer den aufrechten Gang wieder gefunden hat, der kann das von allen andern als nahezu unmöglich eingestufte schaffen. Die einen beseitigen ein Regime, die anderen drehen ein nicht nur für sie wichtiges Fußballspiel. Wohl nicht nur gläubige Menschen sprechen dann davon, dass der Glaube Berge versetzen kann. Manchmal sind die Berge sehr hoch und haben sehr weitgreifende Folgen, manchmal bleiben Menschen nur in einem Fußballturnier.

Welche Bedeutung hat das aber nun für uns, die wir nie Fußballweltmeister werden (wollen), die nicht jedes Jahr ein Regime zumindest völlig umkrempeln wollen? Es zeigt, dass wir nie unsere Sprache und unseren aufrechten Gang verlernen dürfen. Es zeigt aber auch, dass es immer wieder möglich ist, beides wieder zu finden.

Ich habe das auch selber erfahren dürfen. Ich war ganz unten, gehörte zu den Abgehängten, war krank und die Ärzte verdrehten schon die Augen. Ich hatte meine Sprache und meinen aufrechten Gang verlernt, vergessen. Davon Berge zu versetzen war ich meilenweit entfernt. Doch dann geschah mit mir etwas, was ich mir bis heute nicht erklären kann: Ich fand meine Sprache wieder. Ich konnte über das reden, was mich bedrückte. Das war nicht nur nicht einfacher als gedacht, es war auch befreiend. Es war Licht am Ende des Tunnels. Plötzlich – um wieder den Sport zu bemühen – nahm ich Fahrt auf, bewegte mich. Mit jedem Schritt wurde mein Gang aufrechter. Ja, ich stieß mir mehrmals an dem Tunnel,in dem ich mich ja noch befand, den Kopf. Doch am Ende stand ich vor dem Tunnelausgang. Mein erlösender Torschuss in der 95. Minute war mein erster Marathonlauf.

Ich hatte dank der wiedergefundenen Sprache und des aufrechten Ganges gelernt, dass ich viel mehr schaffen kann, als ich je selber geglaubt habe. Sicherlich wussten die Nationalkicker, sicherlich wusste ein Mann wie Toni Kross, dass sie Fußball spielen können. Sicherlich haben sie schon andere Spiele vergeigt, doch das gestrige Erleben kann ihnen keiner mehr nehmen.

So ein Erleben macht stark, steigert das Selbstbewusstsein. Wenn es dann irgendwann mal wieder nicht so läuft, wenn das Glas nicht einmal halbvoll ist, dann erinnert man sich, dann erinnere ich mich daran, wie das damals war, als ich meine Sprache, meinen aufrechten Gang, mein Selbstbewusstsein wiedergefunden habe. Das gibt dann so viel Energie, dass man wirklich Berge versetzen kann. Vielleicht haben sich unsere Kicker vor dem Spiel gegen Schweden ja an die letzte Fußball-Weltmeisterschaft und ihren 7:1-Sieg gegen Brasilien  erinnert. Wer das schaffte, der weiß, dass er Berge versetzen kann, wenn er nur an sich glaubt.

Wir sollte immer an uns glauben, daran, dass wir Berge versetzen können.

Ich muss jetzt keine Berge versetzen, nur Brötchen holen.

Ihnen wünsche ich ein genussvolles Sonntagsfrühstück.

Foto:
Pixabay

 


Veröffentlicht am: 24.06.2018

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