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Die Yamaha X-Max 300

... (K)Eine echte Überraschung

Zwei Jahrzehnte ist es her, da stieß Yamaha mit dem T-Max 500 bei den Kraftrollern sowohl leistungsmäßig als auch konzeptionell in bis dato unbekannte Dimensionen vor. Hierzulande boomt das Segment nach einigem Auf und Ab wieder, wenngleich ihr Revier als Autoersatz in überfüllten Städten eher im Süden Europas liegt.

Da sich Maxi-Scooter aber längst vom alten Rollerimage befreit und sich immer motorradähnlicher fahren lassen, gibt auch hierzulande so mancher Kraftradfahrer der Vernunft Vorfahrt vor den Vorurteilen. Es sind aber nicht Modelle mit 500 oder mehr Kubikzentimetern Hubraum, die in der Gunst ganz oben stehen, sondern die Mittelklasse zwischen 300 und 400 Kubik. Und da können selbst eingefleischte Motorradfahrer noch Überraschungen erleben – wie beim Yamaha X-Max 300.

Das – unter Motorradaspekten – kleine Triebwerk des Yamaha X-Max 300 erfreut durch recht spontane Gasannahme. Der Einzylinder hievt die Drehzahl beim Beschleunigen rasch über die 6000er-Marke und liefert ordentlich Durchzug. Vor allem aber überrascht er durch seine Reserven. Selbst bei Tempo 130 zieht der X-Max 300 noch spürbar an, wo zum Beispiel der sechs PS stärkeren BMW G 310 R bereits allmählich die Puste ausgeht. Beide haben 29 Newtonmeter Drehmoment, nur liegen die beim Yamaha-Scooter bereits fast 2000 Umdrehungen in der Minute eher an. 140, 145 auf dem Tacho sind da so gut wie immer drin. Erst bei 150 km/h auf dem Tacho ist dann Schluss. Das schafft selbst eine ganze Reihe von Motorrädern der unteren Mittelklasse nicht oder zumindest nicht so souverän.

Die für einen 300er und 28 PS unerwartet starke Performance geht zudem mit einer sehr hohen Laufruhe des Motors einher, die den Komfortanspruch des Mittelklasse-Scooters unterstreicht. Dazu kommt ein vorbildlicher Realverbrauch 3,1 bis 3,2 Liter pro 100 Kilometer.

Der X-Max lässt sich tänzerisch über den Asphalt treiben und punktgenau führen. Nur in langgezogenen Kurven zieht es ihn manchmal leicht nach außen. Durch weiteres Drücken in Schräglage lässt sich der Kurs aber rasch problemlos wieder korrigieren. Etwas mehr hätten wir da von den Bremsen erwartet. Sie erledigen ihre Arbeit zwar ordentlich, fühlen sich aber recht teigig an. Zudem wirkt der vordere Stopper beim Einzelzugriff über rechts ein wenig zahnlos. Umso besser reagiert das kombinierte Bremssystem aber auf den Zug am linken Hebel und balanciert die Verzögerungskräfte hervorragend zwischen vorne und hinten aus.

Den Premiumanspruch unterstreichen die serienmäßige Traktionskontrolle, der metallene Tankverschluss anstelle eines schnöden Plastikexemplars, LED-Licht und die zweifarbige Sitzbank mit integrierter Rückenstütze sowie das Smartkey-System. Ein wenig unsortiert und überfrachtet gibt sich zunächst der zentrale Dreh-Drück-Steller für Zündung, Lenkradschloss, Tankentriegelung und weitere Funktionen. Irgendwann hat man aber im wahrsten Sinne des Wortes den Dreh raus. Dennoch: Das geht besser. Immerhin bleibt die Sitzbanköffnung außen vor und erfolgt ganz bequem über eine separate Taste. Das darunter liegende Fach ist außerordentlich üppig und hat tatsächlich Platz für zwei Integralhelme (sowie noch ein paar Kleinigkeiten mehr).

Der Fahrersitz ist bequem und bietet ebenfalls sehr viel Platz, die Haltung ist entspannt. Das linke Handschuhfach hat einen 12-Volt-Anschluss und ist abschließbar. Rechts fehlt hingegen ein Schloss, so dass durchaus die leichte Gefahr besteht, das Fach unter ungünstigsten Umständen unbeabsichtigt mit dem linken Knie zu öffnen.

Fazit: Der X-Max 300 ist für alle, die sich nicht intensiver mit dem Roller-Segment beschäftigen, eine angenehme Überraschung. Das gilt sowohl für die Performance als auch für den Komfort. Zudem ist er sparsam. Die hausinterne Einordnung als Sportroller geht voll und ganz in Ordnung. Wir würden uns auch bedenkenlos mit ihm zur Urlaubsreise ans Nordkap aufmachen. Bei so viel Tugenden überrascht es dann letztendlich doch nicht, dass sich der flotte Yamaha-Scooter auf Platz drei der Zulassungsstatistik in Deutschland vorgefahren hat und dem dreirädrigen Piaggio MP3-500 dicht auf den Fersen ist. (ampnet/jri)

Foto: Auto-Medienportal.Net

 


Veröffentlicht am: 17.08.2019

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