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Von Merkel-Abziehbild bis Doris-Kopie

Zwei Verteidigungsministerinnen im Vergleich

Vergleiche hinken immer. Im Grunde liegen wenig Parallelen vor, wenn wir zwei Länder vergleichen, die beim zweiten Hinschauen doch unterschiedlicher sind, als viele meinen.

Trotzdem wagt der Kommunikationsexperte Stefan Häseli eine kommunikative Gegenüberstellung der beiden Verteidigungsministerinnen aus Deutschland und der Schweiz. Wie schneidet Annegret Kramp-Karrenbauer im Vergleich zu Viola Amherd ab?

Ehemalige Generalsekretärin, mitunter betitelt als Merkel-Abziehbild, auf jeden Fall konservative Politikerin: Annegret Kramp-Karrenbauer steht der Deutschen Bundeswehr vor. Sie delegiert damit eine Armee im Nato-Verbund, eine wesentliche und ernst zu nehmende Größe im globalen Kontext eines Landes mit 83 Millionen Einwohnern. Auf der anderen Seite Viola Amherd aus der Schweiz: Bundesrätin, Departementschefin und gefeierte Entdeckung des Politjahres 2019. Hinter ihr eine Armee, die weder in Größe, Budget und wohl auch geopolitischem Gewicht in die Nähe der Deutschen kommt. Ein Land, das mit den gut acht Millionen Einwohnern ziemlich genau ein Zehntel dessen ist, was die nördlichen Nachbarn in die Waagschale legen.

Eine Kommunikationsanalyse ist auch nur bedingt fair. Denn hier die Deutsche, die geschliffen reden kann, weil die Sprache, die man in der Schule lernt und zur Schriftlichkeit nutzt, identisch ist. Dort die Schweizerin aus dem Wallis – einem Ort, von dem böse Zungen behaupten, dass wenn selbst der normale Schweizer Dialekt schon etwas fremd ist, das Hochdeutsch meilenweit in die Ferne rückt.

Gleichwohl ist es in der Tat spannend, einmal genauer hinzuschauen. Denn es gibt zwischen den Damen viele Parallelen: Beide sind seit diesem Jahr im Amt, beide haben keine eigene Armee-Erfahrung, beide haben den gleichen Jahrgang (1962), beide gehören der jeweiligen, christlichen Volkspartei (CDU und CVP) an. Und beiden wurde anfänglich als der Schatten einer vermeintlich größeren Politikerin behandelt: Bei Annegret Kramp-Karrenbauer sprach man von Mini-Merkel und bezog sich dabei auf die amtierende Bundeskanzlerin, Viola Amherd galt als Doris-Kopie, angelehnt an ihre Partei-Vorgängerin in der Regierung Doris Leuthard.

Die eine umstritten, die andere der Shootingstar

Interessant sind die unterschiedlichen Wirkungen bei der Bevölkerung und in der Art der Kommunikation. Wo Frau Kramp-Karrenbauer (auch als KK in der Kurzform bezeichnet) nicht unumstritten ist, gehört Frau Amherd zu den Shooting-Stars der helvetischen Politik. Anfänglich von vielen unterschätzt, hat sie sich innerhalb weniger Monate zu einer Person des Vertrauens und einer der beliebtesten Regierungsmitglieder gemausert. Da könnte die deutsche Kollegin fast neidisch werden. Denn stattdessen berichten deutsche Medien regelmäßig über die Fehltritte von KK. Schwere Missgeschicke sind es nicht, dennoch hat die Berichterstattung eine ungewöhnliche Eigendynamik gegenüber der CDU-Politikerin entwickelt. Über dem eigentlichen Titel der Artikel scheint immer noch eine zweite Zeile zu stehen, die lautet: Was hat sie jetzt wieder falsch gemacht?

Um eine politische Aussage über ihre Inhalte soll es an dieser Stelle gar nicht gehen. Stattdessen um den Blick auf ihre Kommunikation: Wenn ich sie mir ansehe, wirkt KK oft umständlich und nicht immer sehr geschickt in ihrer Themensetzung. Da kommen verschwurbelte Sätze daher, die selbst erfahrenen Politik-Szenen-Beobachtern ein genaues Hinhören abverlangen. Wenn sie davon fabuliert, ,,es wird keine Kabinettsumbildung geben. Die dringend nötige bessere Positionierung der Regierung ist etwas, das auch bei unveränderten Konstellationen gewährleistet werden kann’’, dann bleibt die Botschaft schlichtweg auf der Strecke. Und die Reaktion auf das Video des Internet-Bloggers Rezo und die nachfolgenden Äußerungen von Kramp-Karrenbauer zu Meinungsäußerungen im Netz bestätigten alle Vorurteile, obwohl sie vermutlich keine ist, die Meinungsfreiheit an sich einschränken möchte.

Syrien-Vorstoß da, familiäre Gemütlichkeit dort

Die aktuelle Kommunikation rund um ihren Syrien-Vorstoss bringen auch Kritiker wieder auf den Plan. Heiko Maas redet von ,,SMS-Diplomatie’’ und irgendwie hat man den Eindruck, dass ihr Stuhl nach solchen ,,Pannen’’ jeweils gerade wieder leicht zu wanken beginnt. Dagegen sitzt Viola Amherd seit neustem noch fester im Sattel denn je. Durch die großen Sitzverluste der politischen Rechten und dem Gewinn der Grünen Ende Oktober bei den eidgenössischen Wahlen ging fast unter, dass die Machtposition der politischen Mitte, zu der Amherd gehört, massiv gestärkt wurde.

Dazu mutet es schon fast familiär-gemütlich an, wenn Viola Amherd ihre Truppenbesuche abstattet: Sie lacht, redet mit allen, wirkt völlig unbeschwert und macht am Schluss ein Selfie mit der Mannschaft im Schnee vor dem Hubschrauber. Es wirkt beinahe vertraut, wenn die Politikerin neben einer anderen Kommandantin vor Ort posiert, nämlich der Hubschrauberpilotin. Das Bild schickte Amherd dann mit einem persönlichen Kommentar über die Kanäle: ,,VBS* in Frauenhand – naja, das Bild ist nicht ganz repräsentativ, aber immerhin’’ und setzte am Ende sogar noch einen Smiley drauf. Das wirkt sympathisch, authentisch und nahbar.

Die Verteidigungsministerin der Schweiz ist nicht nur Kollegin. Sie hat es geschafft, dank ihrer frischen, unbeschwerten Art Seilschaften aus der Vergangenheit aufzubrechen und Dinge zu hinterfragen, die jahrzehntelang darnieder lagen. Kurzum: sie schüttet Gräben zu. Es ist eine Freude, ihr bei Pressekonferenzen zu zuhören. So redet jemand, der Freude am eigenen Job hat: unbeschwert aber präzise, nennt Dinge beim Namen, ohne verbittert oder kämpferisch aufgeladen zu wirken.

Viola Amherd verlangt von ihren Mitarbeitern, dass sie ihr die Materie erklären. Sie räumt offen ein, dass sie vieles noch nicht versteht und zeigt sich aufgeschlossen für Argumente – einfach durchgewinkt wird bei ihr nichts. ,,Mit gefällt, die Sache von einer anderen Seite her zu betrachten’’, sagt sie. Und weil in der Schweiz die Bevölkerung über große Beschaffungen wie Kampfjets selbst und direkt abstimmt, hat sie auf diese Weise den Draht zu den Menschen gefunden. Dass sie dabei nicht aus dem Innern der Armee kommt, verwandelt sie in einen Vorteil – etwa wenn sie über die Anschaffung neuer Kampfjets sagt: ,,Ehrlich gesagt: Ich verstehe von den einzelnen Typen nichts. Und die meisten Stimmbürger auch nicht. Die Auswahl müssen wir deshalb den Experten überlassen.’’ Ehrlicher geht nicht.

Sie ist eine Frau aus dem realen Leben. Das gefällt. Auch wenn klar ist, dass die Entscheidungen weit weniger Tragweite haben als diejenigen ihrer deutschen Kollegin. Vielleicht macht Verantwortung eben doch ein wenig schwermütig – oder ist das nur in Deutschland so?

* Bezeichnung des Schweizer Verteidigungsministerium «Departement für Verteidigung, Bevölkerung und Sport

 


Veröffentlicht am: 27.10.2019

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