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Pin-up-Girls und „heiße Mädchen“ in Bikinis

Heroinnen der Emanzipation oder objektifizierte Opfer des Sexismus?

Kurvige Pin-up-Girls in knappen Zweiteilern, braungebrannte Supermodels in Bikinis und Schauspielikonen, die sich an der Côte d’Azur auch Oben-ohne gesonnt haben, werden im BikiniARTmuseum als Heroinnen der Befreiung des weiblichen Körpers von den konservativen Körperbildern der Nachkriegszeit zelebriert.

Um nachvollziehen zu können, dass die Darstellung „heißer Mädchen“ in Bikinis nicht zwingend auf der Degradierung des weiblichen Körpers zum Sexobjekt beruht, ist ein Blick auf die Entwicklung der Bademode unabdingbar.

Die Geschichte der Bademode ist eng mit dem Schwimmsport verknüpft. Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein galt das Zurschaustellen des weiblichen Körpers als unanständig, unzüchtig und sexistisch. Bei Verstößen gegen vorgeschriebene Kleiderordnungen mussten Frauen mit Denunzierungen und Bestrafungen rechnen. Ein bekanntes Beispiel ist die australische Schwimmsportikone Annette Kellerman, welche 1908 am Strand von Boston aufgrund des Tragens eines hautengen Schwimmanzugs sogar im Gefängnis landete. Durch den unermüdlichen Einsatz von Kellerman und anderen Wettkampfschwimmerinnen wurden nach und nach die schweren, lang geschnittenen Schwimmkostüme durch komfortablere und freizügigere Badebekleidung ersetzt.

Ein neues Körperbild entstand mit der sexuellen Revolution in den späten 1960er Jahren, was in der Bademode Ausdruck in der endgültigen Etablierung des Bikinis in der breiten Bevölkerung fand. Der von Louis Réard im Jahr 1946 entworfene Zweiteiler wurde erst im Laufe der Jahrzehnte von seinem anrüchigen, schmutzigen Image befreit und durch modern gesinnte, selbstbewusste Trägerinnen zum Symbol eines neuen Zeitalters.

Heute lässt vor allem die Instrumentalisierung von Frauen im Bikini als Produktwerbemittel die Stimmen der Kritiker/innen lauter werden, welche derartige Darstellungen als sexistisch empfinden und eine zunehmende Bedeckung nackter Haut fordern. Eine Grenze zwischen der Befreiung und der Objektifizierung der Frau zu ziehen, scheint zunächst schwierig. Letztendlich ist es jedoch allein die Entscheidung der Frau, ob und inwieweit sie ihren Körper beim Baden zeigt.

Passend zum Motto des Internationalen Museumstages 2020 „Das Museum für alle – Museen für Vielfalt und Inklusion“ möchte das BikiniARTmuseum Frauen jeden Alters, Figur und Hautfarbe bestärken, „mutig“ zu sein und sich von konventionellen Schönheitsidealen zu lösen. Denn neben Models mit der in den Medien propagierten „idealen Bikini-Figur“ werden im weltweit ersten Badekultur- und Bademodenmuseum ebenso Frauen mit Brustamputationen, Behinderungen oder Übergewicht gewürdigt, wodurch zum Vorschein kommt, wie vielfältig Schönheit sein kann. Unabhängig davon, was sie beim Baden trägt oder welche Kleidergröße sie hat, ist jede Frau am schönsten, wenn sie das kühle Wasser im Sommer beim Baden genießt und von innen strahlt, weil sie mit sich zufrieden ist.

Das BikiniARTmuseum – provokativ & so feministisch - ist der weltweit erste zentrale Ort, an dem das gesamte historische und zeitgenössische Wissen rund um den Erdball zu den Themen Bademode und Bademodenkultur zusammengetragen und der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Das BikiniARTmuseum eröffnet am 5. Juli 2020, dem internationalen Tag des Bikinis, in Bad Rappenau, der Hauptstadt der Bademode, direkt an der europäischen Verkehrsdrehscheibe Autobahn A6 (Paris-Heidelberg-Prag).

Foto: US-Pin-up-Girl Bettie Page 1954 im Funlandpark, Miami. © Bunny Yeager

 


Veröffentlicht am: 14.05.2020

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